Die neue gepanzerte S-Klasse mit V12 steckt eine Kugel für Sie weg

Bereits vor der runderneuerten Maybach S-Klasse gibt es einen S mit Zwölfzylinder

Motor1.com Deutschland: Auto-Tests, Auto-News und Analysen

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Hier sehen Sie aller Voraussicht nach den neuen Dienstwagen von Friedrich Merz. Denn schon bisher sorgte ein Mercedes S 680 Guard für die Sicherheit des Kanzlers und das dürfte sich mit dem jüngsten Facelift der Mercedes S-Klasse kaum ändern. Auf was sich Merz nach dem Update seines fahrenden Hochsicherheitstrakts freuen kann, erfahren Sie hier. 

Eine neue S-Klasse ist immer ein Ereignis - selbst dann, wenn es sich nur um eine Modellpflege zur Mitte des Produktzyklus handelt und nicht um eine komplett neue Generation. Dieses Mal verwischt Mercedes die Grenze zwischen Facelift und Generationswechsel allerdings ein wenig, denn mehr als die Hälfte aller Teile am überarbeiteten W223 ist neu. Insgesamt sind es über 2.700 neue Komponenten. Im Fokus standen vor allem sauberer gewordene Reihen-Sechszylinder als Benziner und Diesel sowie der neue Flat-Plane-V8 - doch der eigentliche Star unter der Haube sollte nicht vergessen werden: der V12.

Noch bevor die geliftete Maybach-Version später in diesem Jahr nachgereicht wird, ist der 2026er S-Benz bereits mit zwölf Zylindern erhältlich. Der S 680 Guard ist allerdings mit Abstand die teuerste Variante der Baureihe und kostet mehr als doppelt so viel wie eine Maybach S-Klasse. Mercedes hat noch keine Preise für die modellgepflegte, gepanzerte Version genannt, doch das auslaufende Modell startete in Deutschland bei 547.000 Euro. Zum Vergleich: Der reguläre Maybach lag beim Marktstart 2021 bei unter 220.000 Euro.

Herzstück des neuen S 680 Guard ist der bewährte 6,0-Liter-V12 mit zwei Turboladern. Er leistet 602 PS (443 kW) und entwickelt 830 Nm Drehmoment - in einem Fahrzeug, das rund 4,2 Tonnen wiegt. Als Vergleich: Die elektrische G-Klasse, die gemeinhin als absolutes Schwergewicht tituliert wird, ist 1.115 kg leichter.

Die gepanzerte Luxus-Kapsel mit Allradantrieb erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Wichtiger ist jedoch: Mercedes zufolge ist dies die weltweit einzige in Serie produzierte Limousine, die sowohl für die Verglasung als auch für opake Karosseriebereiche ballistischen Schutz nach VR10 bietet. Es ist die höchste maximal mögliche Panzerung für Schutzfahrzeuge.

VR1 schützt beispielsweise vor einem Kleinkalibergewehr bei einer Schussentfernung von etwa zehn Metern, einer Auftreffgeschwindigkeit von etwa 360 Metern pro Sekunde und einer Geschossenergie von 168 Joule. Dagegen sind die Widerstandsklassen VR6 bis einschließlich VR9 auch für Sturmgewehre geeignet. Unterschieden werden sie lediglich in den Kalibern, der Auftreffgeschwindigkeit sowie der Energie der Geschosse. VR10 schützt zusätzlich vor Gewehren, die mit einer Geschossenergie von 3.846 Joule eintreffen. 

Sollte der V12 nach einem Angriff in Brand geraten, ist ein bordeigenes Feuerlöschsystem an Bord, das auch einen Brand von unterhalb des Fahrzeugs bekämpfen kann. Darüber hinaus stehen per Knopfdruck 900 Liter Druckluft zur Verfügung, abrufbar über das Notfall-Frischluftsystem, damit die Insassen keine schädlichen Gase einatmen.

Mercedes kann die S-Klasse Guard außerdem mit servounterstützten vorderen und hinteren Türen ausrüsten, um das zusätzliche Gewicht der Panzerung zu kompensieren. Es gibt sogar hydraulische Fensterheber - damit lassen sich die Scheiben auch dann noch hoch- oder herunterfahren, wenn nach einem Angriff das elektrische System ausfällt.

Mercedes montiert Michelin-PAX-Runflat-Reifen, mit denen sich nach einer Beschädigung noch bis zu 30 Kilometer weiterfahren lässt. Die VR10-Zertifizierung bedeutet, dass die gepanzerte S-Klasse Beschuss sowie bestimmten Explosionen standhalten kann. Für Politiker und andere hochrangige Personen kann das Guard-Modell zudem mit Flaggenhaltern an den Kotflügeln ausgerüstet werden.

2027 Mercedes-Benz S-Klasse

Motor1 meint:  Auch wenn der V12 aktuell auf ein Spezialmodell beschränkt ist, steht Mercedes kurz davor, zwölf Zylinder in der Maybach S-Klasse breiter verfügbar zu machen. Die Marke hat sich dazu bekannt, den traditionsreichen Motor in den kommenden Jahren am Leben zu halten - wir erwarten ihn allerdings nicht außerhalb der S-Klasse-Familie.

Zwölfzylinder sind eine aussterbende Gattung, zumal Bentley und Audi sie nicht mehr einsetzen. BMW hat den V12 in der 7er-Reihe bereits vor Jahren gestrichen, auch wenn jüngst angekündigt wurde, dass der Motor in Rolls-Royce-Modellen weiterleben wird.

Die S-Klasse mit dem Aggregat M279 ist streng genommen nicht das einzige V12-Gefährt, das man mit Mercedes-Motor kaufen kann. AMG liefert seinen doppelt aufgeladenen 6,0-Liter-M158 auch an Pagani für seinen Supersportwagen Utopia.

© Motor1.com
Autor: Adrian Padeanu