Corigon TS 70 LS (2026) im Test: Die schmale Alternative zum Campervan?

Von –20 Grad bis Atlantikwind: Was kann dieser Slim-Camper wirklich?

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Es gibt Reisemobil-Tests, die beginnen auf einem Campingplatz bei 20 Grad und enden mit einem Cappuccino vor der Markise. Und dann gibt es Roadtrips wie diesen: Nicht als Wochenendtrip, sondern als echte Winterflucht, bei der ein Reisemobil zeigen muss, wie es sich zwischen Alltag, Landschaft und langen Etappen behauptet.

Bevor der Corigon TS 70 LS dafür in die Sonne Nordspaniens rollte, hatte er allerdings schon das komplette Gegenprogramm hinter sich: zweistellige Minusgrade in der Kältekammer, Technik unter Froststress, Temperaturen um die minus 20 Grad. Vom künstlichen Winter direkt ins echte Reisen - Meer statt Messfühler, Atlantikluft statt Prüfstand.

Corigon TS 70 LS (2026) - Teilintegrierter im Test

Nordspanien wurde dafür zum perfekten Schauplatz. Weite Ebenen, schmale Bergstraßen, rauer Küstenwind und lange Etappen wechseln sich ständig ab. Man fährt nicht einfach nur von A nach B, sondern durch eine Landschaft, die jedes Fahrzeug zwingt, Haltung zu zeigen.

Und der TS 70 LS musste beweisen, wie viel Alltag, Komfort und Fahrentspannung in 2,14 Meter Breite wirklich stecken - auch wenn man nicht nur zu zweit reist, sondern zu dritt unterwegs ist und ein Hund ebenfalls seinen Platz beansprucht.

Bilder von: Motor1.com Deutschland

Schmal ist nicht wenig - sondern oft genau richtig

Der erste Eindruck prägt. Und beim Corigon TS 70 LS ist das vor allem die bereits erwähnte Breite. Oder genauer gesagt: ihre Abwesenheit. Mit 2,14 Metern ist er rund 20 Zentimeter schlanker als viele klassische Teilintegrierte. Auf dem Papier wirkt das wie ein Detail, in der Praxis verändert es den Charakter des Fahrzeugs spürbar.

Gerade auf langen Etappen entsteht ein Fahrgefühl, das näher am großen Kastenwagen liegt als am typischen Teilintegrierten. Weniger Stress bei Gegenverkehr, mehr Reserven in engen Passagen, insgesamt ein entspannteres Platzieren. Mit 6,83 Meter Länge liegt der schmale Corigon-Teilintegrierte dabei genau in der klassischen Reisegröße: groß genug für Komfort, aber noch handlich genug für Nebenstrecken.

Natürlich bleibt der Innenraum kompakter. Wege sind enger, Bewegungen etwas bewusster. Doch genau darin liegt das Konzept: nicht maximaler Raum, sondern maximale Fahrbarkeit.

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Bardenas Reales: Wie ruhig ein Camper wirklich läuft

Die ersten echten Fahreindrücke sammelten wir in der kargen Landschaft der Bardenas Reales. Weite Ebenen, offene Flächen, viel Wind - ein Terrain, das jedes Reisemobil entlarvt. Hier zeigt sich, wie stabil ein Fahrzeug läuft, wie nervös es bei Böen reagiert, und wie viel Konzentration am Lenkrad nötig ist.

Der Corigon bleibt souverän. Die schmale Karosserie reduziert die Angriffsfläche spürbar, das Fahrwerk wirkt gutmütig, ohne weich zu werden. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten bleibt alles berechenbar. Kein sportliches Fahren - aber entspanntes Reisen. Und genau darum geht es.

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Motorseitig steckt im TS 70 LS der Ford 2.0 EcoBlue mit 130 PS. Die Leistung des Diesels reicht aus, wirkt aber eher funktional als souverän. Wer regelmäßig voll beladen fährt oder häufig in den Bergen unterwegs ist, dürfte mit der stärkeren 165-PS-Option entspannter reisen. Eine Automatik wäre auf langen Strecken ebenfalls ein klarer Komfortgewinn.

Auf solchen Etappen merkt man außerdem: Ein schlankes Fahrzeug ist nicht nur angenehmer zu fahren, es wirkt auch weniger "wuchtig". Man rollt nicht als Block durch die Landschaft, sondern bleibt beweglich genug, um auch kleinere Abzweige mitzunehmen.

Daten und Abmessungen Corigon TS 70 LS
Grundpreis (ab Werk) 58.999 €
Länge / Breite / Höhe 683 / 214 / 272 cm
Innenhöhe 195 cm
Zugelassene Sitzplätze (einschließlich Fahrer) 4
Schlafplätze 2 - 3 (optional)
Bettgröße Heck (Einzelbetten) 191 x 80 / 195 x 70 cm
Bettumbau (Einzel- zu Doppelbett) 195 - 191 x 192 cm
Masse in fahrbereitem Zustand 2.715 kg (2.579 - 2.851 kg)
Technisch zulässige Gesamtmasse 3.500 kg
Anhängelast 12 % gebremst / ungebremst 2.000 / 750 kg

Picos de Europa: Warum 2,14 Meter mehr bringen

Richtig gefordert wird ein Reisemobil erst in den Bergen. Die Picos de Europa liefern dafür die perfekte Bühne: enge Straßen, steile Anstiege, wechselnde Beläge, wenig Ausweichraum.

Hier spielt der TS 70 LS seinen größten Trumpf aus. Begegnungen auf schmalen Passstraßen verlieren ihren Schrecken, Ortsdurchfahrten bleiben machbar, das Fahrzeug lässt sich präzise positionieren. Auf schmalen Landstraßen fährt man deutlich entspannter, weil man das Mobil genauer platzieren kann als viele breitere Teilintegrierte.

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Ganz ohne Alltagsspuren bleibt aber auch ein Slim‑Camper nicht: In den Picos kam es in einer besonders engen Passage zu einem kleinen Kontakt mit einem entgegenkommenden Camper - nichts Dramatisches, aber das Blinker-Klarglas des Außenspiegels war danach beschädigt. Genau solche Momente zeigen, wie real solche Strecken sind, selbst wenn das Fahrzeug insgesamt deutlich handlicher wirkt als die Konkurrenz.

Gleichzeitig spürt man hier auch, dass 130 PS okay sind, aber nicht üppig. Überfordert wirkt der Corigon nie, doch gerade an langen Steigungen würde die stärkere Motorisierung spürbar mehr Ruhe bringen.

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Halogenlicht: Nachts wünscht man sich mehr

Was tagsüber kaum auffällt, wird nachts schnell zum Thema: die Beleuchtung. Unser Testwagen war mit Halogenscheinwerfern unterwegs, und die erfüllen ihren Zweck. Aber auf unbeleuchteten Landstraßen bleibt das Licht hinter modernen LED‑Systemen deutlich zurück.

Problematisch ist das nicht, doch bei Nachtfahrten wünscht man sich deutlich mehr Reserven. Gerade auf längeren Etappen oder bei schlechtem Wetter macht eine bessere Ausleuchtung einen spürbaren Unterschied.

Ausstattung und Daten Corigon TS 70 LS
Kühlschrank / Gefrierfach 135 / 15 Liter (Kompressor)
Frischwassertank inkl. Fahrbefüllung / Abwassertank 110 (20) / 100 Liter
Steckdosen 230 V / 12 V / USB-Steckdosen 4 / 1 / 2
Heizung Combi 4 Gasheizung
Stauraum für Gasflaschen mit Füllgewicht 2 × 11 kg
Stauraumtür links B × H 65 x 80 cm
Stauraumtür rechts B × H 82 x 105 cm
Dach- und Wandstärke / Fußbodenstärke 33 mm / 34 mm / 42 mm
Basis-Fahrgestell / Motorisierung Ford Transit / 2.0 TDCI (96 kW / 130 PS)

Die Face‑to‑Face‑Sitzgruppe als echtes Wohnzimmer

Nach langen Fahrtagen entscheidet nicht die Motorleistung, sondern das Wohngefühl. Und hier zeigt der TS 70 LS, wofür er eigentlich gemacht ist: für zwei Menschen, die unterwegs wirklich wohnen wollen.

Die Face‑to‑Face‑Sitzgruppe ist das Herzstück. In Gijón, nach einem Tag zwischen Küste und Stadt, wirkt der Raum offen, fast wie ein kleines Wohnzimmer. Zu zweit ist das eine der gemütlichsten Lösungen, die man in dieser Klasse bekommt - gerade in einem Fahrzeug, das außen so konsequent schlank bleibt.

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Was im Alltag fast noch wichtiger ist als die Polster: der Tisch. Der wirkt erst unscheinbar, wird aber schnell zur Kommandozentrale. Drehbar, ausklappbar, stabil genug für Laptop, Abendessen und drei Tassen Kaffee gleichzeitig. Gerade unterwegs, wenn man nicht nur sitzt, sondern wirklich lebt, sind es solche Details, die man nach einer Woche nicht mehr missen will.

Unser Roadtrip war allerdings nicht zu zweit, sondern zu dritt. Und genau da zeigt sich, wie klar dieses Konzept eigentlich auf Paare zugeschnitten ist. Theoretisch lässt sich die Sitzgruppe umbauen - der Handgriff ist erstaunlich unkompliziert. Praktisch bedeutet es aber auch: Polster raus, Polster rein, Kopfstützen verstauen, Sitz‑ und Rückenkissen irgendwo unterbringen. Nicht schwierig, aber ständig präsent.

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Wir haben deshalb die klassische Face‑to‑Face‑Konfiguration nicht jeden Abend voll ausgespielt. Das Mobil bleibt nutzbar, aber man merkt: Diese Sitzgruppe ist Komfortzone für zwei, nicht Dauerlösung für drei.

Theoretisch gäbe es zudem noch einen zusätzlichen Notsitz. Bequem ist anders: Man schaut während der Fahrt gegen die fensterlose Aufbautür und eine ziemlich nackte TV‑Wandhalterung - eine Lösung für den Ausnahmefall, nicht für lange Etappen.

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Mit Hund unterwegs: Ein ehrlicher Grundriss

Und natürlich verändert ein Hund den Blick auf Raum noch einmal komplett. Faé hatte ihren festen Platz zwischen Sitzgruppe und Durchgang - nicht geplant, aber schnell logisch. Man merkt dann sofort, ob ein Grundriss nur auf Papier funktioniert oder ob man sich wirklich umeinander herum bewegen kann, ohne ständig zu rangieren.

Der TS 70 LS bleibt auch mit vier Pfoten an Bord erstaunlich entspannt. Gerade weil er innen klar strukturiert ist. Hundedecke, Schuhe, Jacken - alles findet irgendwann seinen Platz. Nicht luxuriös, aber logisch.

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Küche: Alltag statt Show

Die Küche ist kein Gourmettempel, aber sie ist durchdacht. Zwei Flammen reichen für alles von Rührei bis Pasta, die Schubladen bieten viel Stauraum, der Besteckkasten ist sinnvoll organisiert. Der Kompressorkühlschrank fasst 135 Liter und blieb auch bei milderen Temperaturen zuverlässig stabil.

Kleine Details wie ein fehlender Mülleimer fallen erst auf, wenn man mehrere Wochen wirklich darin lebt. Man improvisiert, stellt eine Tüte irgendwo hin - und fragt sich, warum ausgerechnet hier keine einfache Lösung vorgesehen ist, obwohl ein Abfalleimer offiziell gelistet ist.

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Angenehm dagegen: die Zweigriffarmatur. Vielleicht nicht modern, aber im Alltag präzise bedienbar, gerade bei wechselndem Wasserdruck. Überhaupt wirkt die Küche überraschend großzügig. Gerade in einem schmalen Fahrzeug erwartet man eher Kompromisse, doch hier stimmt die Organisation.

Bad, Schwenkwand und wenig Stehhöhe

Das Bad ist als Variobad ausgeführt, mit schwarzen Armaturen und guter Beleuchtung. Der Holzlattenrost muss zum Duschen herausgenommen werden, was etwas Umgewöhnung verlangt, aber praktikabel bleibt. Die Stehhöhe ist knapp. Offiziell sind es 195 Zentimeter.

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Für mich mit 1,93 Meter passt es gerade so - im Wohnbereich, aber ohne Luft nach oben. Im Bad wird es spürbar knapper, vor allem, wenn der Rost noch ein paar Zentimeter klaut. Kein Drama, aber eben einer dieser Punkte, die man nur merkt, wenn man nicht in Normgröße reist.

Ein Alltagsdetail nervt dabei mehr als gedacht: Die Badtür lässt sich nicht arretieren. Wer nur kurz hinein möchte, erlebt schnell, wie sie wieder gegen den Rahmen schlägt.

Fast schon versöhnlich ist dann so ein kleines Detail wie der integrierte Toilettenpapierhalter unterhalb der Badspüle. Klingt banal, fällt unterwegs aber genau deshalb auf, weil er einfach funktioniert. Ich bin schon durch einige Sunlight-, Etrusco- und Dethleffs-Bäder gestiegen - hier habe ich es zum ersten Mal wirklich bewusst wahrgenommen.

Heizung, Frost und ein eingefrorener Abwassertank

Die Heizung funktionierte zuverlässig. Serie ist die Combi 4 Gasheizung, optional gibt es die stärkere Combi 6 E. Travel+ bringt einen isolierten Abwassertank. Trotzdem zeigte sich bei extremen Minusgraden: Isoliert heißt nicht unverwundbar.

Bei rund minus 15 Grad fror der Abwassertank ein, während Frischwasser kein Problem war. Solche Momente erinnern daran, dass auch ein Winterpaket bei zweistelligen Minusgraden Grenzen hat.

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Fisterra: Silvester mit Hund und Meer

Der emotionalste Moment dieser Reise war der Jahreswechsel. Statt Feuerwerk und Trubel verbrachten wir Silvester in Fisterra, weit draußen an einem einsamen Strand in der Provinz A Coruña - mit unserer Hündin Faé.

Keine Raketen, kein Lärm, nur Wind und das warme Licht im Innenraum. Genau hier zeigt sich, was ein Reisemobil leisten kann, wenn man es nicht als Freizeitgerät, sondern als Rückzugsort versteht. Der TS 70 LS wurde hier weniger getestet als erlebt.

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Santiago de Compostela: Alltag entschleunigt

Gerade an den Tagen, an denen man nicht weiterfährt, lernt man ein Fahrzeug am besten kennen. Morgens Kaffee, Hund raus, drei Menschen sortieren sich um dieselbe Küchenzeile. Nichts Spektakuläres - aber genau diese Normalität entscheidet, ob ein Reisemobil nach Urlaub aussieht oder nach Alltag auf Rädern.

Die Betten im Heck bieten knapp zwei Meter Länge (191 × 80 und 195 × 70 Zentimeter). Für uns war das völlig ausreichend, auch wenn die Breite naturgemäß geringer ist als in klassischen Teilintegrierten.

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Im Innenraum überzeugt der TS 70 LS mit hochwertigen Materialien, Soft‑Close‑Schränken und stimmiger Beleuchtung. USB‑ und Steckdosen waren im Alltag reichlich nutzbar, auch wenn offiziell nur zwei USB‑Anschlüsse genannt sind - hier spielen Pakete und Praxis eben oft mehr Rolle als die Tabellenzeile.

Kleine Kritikpunkte bleiben: Der bekannte Ford‑Sitzbelegungssensor zeigte sich empfindlich - ein Basisproblem, aber im Alltag spürbar, gerade beim Drehen der Sitze. Da die Stecker nach den ersten Manövern schon etwas malträtiert aussahen, haben wir das Kabel kurzerhand mit Panzertape am Metallgestänge der Unterkonstruktion fixiert. Sicher ist sicher - so dreht sich der Sitz, ohne dass gleich die Elektronik meckert.

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Fazit: Ein Slim‑Camper für Reisende

Der Corigon TS 70 LS ist kein Reisemobil für alle. Und genau das ist seine Stärke. Er richtet sich an Paare, die viel unterwegs sind, schmale Straßen schätzen und bewusst auf etwas Innenraum zugunsten von Fahrentspannung verzichten.

Auf unserem Roadtrip durch Nordspanien - zu dritt plus Hund - hat er bewiesen, dass 2,14 Meter Breite kein Kompromiss, sondern ein Konzept sein können. Er fährt entspannter als viele breitere Teilintegrierte, wohnt sich zu zweit hervorragend und bleibt auch bei wechselnden Bedingungen berechenbar.

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Wer maximale Familientauglichkeit sucht, wird anderswo glücklicher. Wer dagegen reisen will - wirklich reisen - findet im TS 70 LS einen durchdachten, ehrlichen Begleiter. Und auch beim Preis bleibt das Konzept nachvollziehbar: Der TS 70 LS startet bei 58.999 Euro.

Mit dem Travel+ Pack (6.599 Euro) inklusive Markise, isoliertem Abwassertank, Alufelgen und Technikvorbereitungen landet man um 65.000 Euro - ohne dass es sich nach Luxusaufschlag anfühlt, sondern eher nach sinnvoller Abrundung. Unterm Strich wirkt der Corigon wie ein Reisegefährt mit Haltung: schlank, strukturiert, alltagstauglich. Und manchmal ist genau das alles, was man braucht.

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Autor: Fabian Grass