Kurz vor Weihnachten hatte sich der Vorstand der Marke VW mit der IG Metall auf eine Einigung im Tarifstreit verständigt. Man habe sich auf einen sozialverträglichen Abbau der Belegschaft um mehr als 35.000 an den deutschen Standorten bis 2030 geeinigt, hieß es damals. Doch was fast unterging: Eines der beliebtesten Autos Deutschlands wandert nach über 37 Millionen gebauten Exemplaren aus.
Die Produktion der Modelle Golf und Golf Variant wird nämlich ab 2027 nach Puebla in Mexiko verlagert. Kenner der VW-Geschichte wissen: Kein schlechtes Pflaster, schließlich lief dort anno 2003 der letzte Käfer vom Band. Auch dessen Neo-Interpretationen New Beetle und Beetle kamen von dort.

Das Volkswagen-Werk in Puebla ist das größte Automobilwerk in Mexiko und mit einer Fläche von 300 Hektar auch eines der größten Fahrzeugwerke des Volkswagen-Konzerns. Hier finden alle notwendigen Produktionsprozesse statt, einschließlich des Stanzens von Karosserieteilen und der Herstellung von Komponenten. Im Jahr 2023 wurden in Puebla insgesamt 349.227 Fahrzeuge produziert. Modelle wie der Jetta, der Tiguan mit langem Radstand und der Taos laufen dort vom Band. Übrigens: Auch andere deutsche Marken fertigen Autos in Mexiko, so Audi den Q5 und BMW das 2er Gran Coupé.
Und wo kommen die derzeit in Deutschland angebotenen VW-Modelle sonst so her? Nun, der Polo etwa seit kurzen aus Südafrika, da sein bisheriges Werk im spanischen Pamplona für den kommenden ID.2 gebraucht wird. Da wir gerade beim Thema "weltweit" sind: Die Marke Volkswagen hat global 49 Fertigungsstätten für Fahrzeuge und Komponenten.

Noch laufen in Pamplona der T-Cross und der Taigo vom Band. Der T-Roc kommt aus Portugal, sein dachloser Bruder aus Osnabrück. Bis Mitte 2027 wird in Osnabrück das T-Roc Cabrio gefertigt. Auch die Endmontage des Arteon Shooting Brake erfolgt dort. Derzeit werden Optionen für eine andere Verwendung des Standorts geprüft. In Wolfsburg baut man noch den Golf, zudem den Tiguan, den Touran und ganz neu den Tayron.
Im Zuge des Weggangs des Golf wird die Produktion in Wolfsburg von heute vier auf zwei Montagelinien fokussiert. Die Zukunft des Standorts wird zusätzlich Ende der Dekade mit der Einrüstung des elektrischen Golf und einem weiteren Modell auf der künftigen Elektro-Auto-Architektur SSP gesichert.

In Emden lief jahrzehntelang der Passat vom Band, inzwischen aber nur noch Elektroautos: ID.4, ID.5 und ID.7. Der ID.3 und dessen Bruder Cupra Born wechseln von Zwickau nach Wolfsburg. Das Werk in Zwickau verliert damit zwei der sechs Elektromodelle, die dort bisher produziert wurden. Der Audi Q4 e-tron und dessen Sportback-Variante bleiben Zwickau erhalten; ob das auch für den ID.4 und den ID.5 gilt, geht aus der Pressemeldung des VW-Konzerns nicht explizit hervor. Ab 2027 wird sich Zwickau auf eine Produktionslinie "fokussieren", so VW.
Zurück zum VW Passat: Ihn gibt es nur noch als Kombi, er läuft gemeinsam mit dem eng verwandten Skoda Superb im slowakischen Bratislava vom Band. Auch der Touareg entsteht hier. Nutzfahrzeuge wie den Multivan baut VW in Hannover, ebenso den ID. Buzz. Der Caddy hingegen entsteht in Polen, der neue Transporter bei Ford in der Türkei. Ob sie ein deutsches Auto fahren oder nicht, scheint der hiesigen Kundschaft egal zu sein: Mit 19,1 Prozent war VW auch 2024 der unangefochtene Marktführer in Deutschland.








