Ja, es gab den Skoda Fabia mal mit Stufenheck

Der Superb des kleinen Mannes debütierte vor fast genau 25 Jahren

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Kleinwagen mit Stufenheck: Das kennen wir meist aus Südosteuropa oder Südamerika. Bestes Beispiel ist Renault: In Spanien baute man schon Ende der 1970er-Jahre den Renault 7 als Limousinenversion des R5, später folgte der Thalia/Symbol auf Basis des Clio und aktuell der Taliant, welcher auf dem Dacia Logan basiert. 

Letzterer startete 2005 auch in Deutschland, weit erfolgreicher war und ist er aber in anderen Regionen. Oder auch der Opel Corsa TR. Er war wie sein Rivale VW Derby keine wahre Schönheit und hatte in Deutschland seine Fans unter den betagteren Kunden. In den Jahren unmittelbar nach der Einheit 1990 konnte der Renault 19 Chamade speziell in Ostdeutschland stark punkten. Ebenso ein Suzuki Swift mit Stufenheck. 

Skoda Fabia Limousine (2000)

Irgendwann jedoch starb die Kundschaft schlicht aus, zudem regierte das SUV auch in den unteren Klassen. Doch in den 2000er-Jahren hielt besonders der Volkswagen-Konzern noch einige kleine Stufenheck-Limousinen für deutsche Kunden bereit. Bereits zuvor gab es den Seat Cordoba und dessen Ableger VW Polo Classic. Die zweite Cordoba-Generation existierte von 2002 bis 2008 auf Basis des VW Polo IV.

Die als Polo Limousine bezeichnete Stufenheckversion des Polo IV lief ab Oktober 2003 in Brasilien vom Band und wurde von dort nach Europa exportiert. Ab der B-Säule verfügte sie über eine eigenständige Karosseriestruktur, die im Vergleich zum Steilheck um 28 Zentimeter verlängert war.

VW Polo Limousine (2003)

Das größere Außenmaß kam vor allem den Fondpassagieren zugute, denen spürbar mehr Platz zur Verfügung stand. Zudem wuchs das Kofferraumvolumen deutlich: Mit 432 Litern bot die Limousine erheblich mehr Stauraum als das Steilheck, dessen Gepäckraum 270 Liter fasste.

Indes: Wirklich schön waren Cordoba und Polo Limousine nie. Zu klobig der Rucksack am Heck, zu hoch die Stufe, zu unharmonisch aufgrund fehlender Länge. Ein aus unserer Sicht überraschend gelungenes Design bot hingegen der Skoda Fabia mit Stufenheck. Sie lesen richtig: Fabia und Stufenheck.    

Auch manch Beobachter mag im November 2000 überrascht gewesen sein. Rund ein gutes Jahr nach dem normalen Fabia der ersten Generation erschien die Limousine mit Stufe. Ziemlich erstaunlich, schließlich gab es den Vorgänger Felicia so nicht. Und auch beim Favorit blieb das Stufenheck im Prototypen-Stadium stecken. Womöglich wollte man formal an die Heckmotor-Skodas anknüpfen, die damals gerade in Tschechien noch stark im Alltag vertreten waren.

Möglich wäre auch, dass Skoda jene Kunden abholen wollte, die mit dem Fließheck des Octavia fremdelten oder ihn sich schlicht nicht leisten konnten. Im direkten Vergleich zum 2001 vorgestellten großen Superb zeigen sich gewisse Parallelen im Design:

Bilder von: Skoda

Quasi der Superb des kleinen Mannes. Technisch entsprach der 4,23 Meter lange Fabia Stufenheck seinen Brüdern, auch bei den Motoren. Benziner von 64 bis 115 PS (letzterer übrigens ein 2,0-Liter-Sauger, heute undenkbar) sowie Diesel zwischen 64 und 100 PS. Gerne mit Automatik kombiniert, sofern möglich. Einzig der TDI mit 130 PS des RS wanderte nicht unter die Haube der Limousine. Viel wichtiger waren sowieso die 438 bis 789 Liter Kofferraumvolumen.

Zum Modelljahr 2004 erfolgte ein dezentes Facelift, 2007 startete die zweite Generation des Fabia ohne ein Stufenheck. Für Sparfüchse mit Platzbedarf bot Skoda nun bis 2010 den ersten Octavia von 1996 unter dem Zusatznamen "Tour" an. 2012 folgte mit dem Rapid eine Art Nachfolger für das Fabia Stufenheck. Mittlerweile lebt das Konzept als Skoda Slavia in Indien weiter. Dieser basiert auf dem VW Virtus, einem Stufenheck-Polo für Südamerika, der als Polo Sedan in Schwellenländern angeboten wird.

Heutzutage ist das Fabia Stufenheck ein absoluter Youngtimer-Geheimtipp für Fans, die seine Form mögen. Für wenig Geld (bei gleichzeitig wenig Nachfrage) gibt es insbesondere in Ostdeutschland noch gute Autos. Meist im beliebten Silber jener Zeit. Ob man einem Fabia Stufenheck einmal hinterherschauen wird? Warten wir es ab.

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