Audi A6 Avant e-tron Performance gewinnt Winter-Reichweitentest

Viele Familienautos taugen schon gut für die Langstrecke, aber mit deutlichen Unterschieden bei Reichweite, Verbrauch und Schnellladen.

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Wie weit kommen elektrisch angetriebene Familienautos im Winter? Das hat der ADAC nun bei einem Reichweitentest ermittelt. 14 Elektroautos mussten auf dem Prüfstand zeigen, wie gut sie sich für die Langstrecke eignen. Insgesamt zeigte sich, dass viele Modelle inzwischen auch längere Autobahnfahrten bei Kälte gut meistern, allerdings mit teils deutlichen Unterschieden bei Reichweite, Verbrauch und Ladegeschwindigkeit.

Klarer Testsieger war der Audi A6 Avant e-tron Performance mit der Note 1,9. Im Test schaffte er 441 Kilometer und kam auf einen relativ niedrigen Verbrauch von 23,2 kWh je 100 Kilometer. Für die Strecke von München nach Berlin (582 km) ist also ein Ladestopp erforderlich. Durch das 800-Volt-System lädt der Audi 300 Kilometer in 20 Minuten nach und erreicht damit Bestwerte beim Reichweite-Nachladen.

Nur das Tesla Model Y (Note 2,5) schlug den Audi in Sachen Verbrauch; es benötigte trotz Allradantrieb und SUV-Form nur 22,2 kWh/100 km und belegte damit den zweiten Platz. Dicht dahinter folgen der VW ID.7 Tourer Pro (Note 2,7) und der Smart #5 Premium (Note 2,9).

Für die simulierte Strecke München-Berlin sind laut ADAC mit den meisten getesteten Modellen zwei Ladestopps nötig. Nur zwei Modelle - der Audi A6 Avant e-tron und der Smart #5 - schaffen es mit einem einzigen 20-minütigen Ladestopp ans Ziel. Bei vielen Modellen reicht jedoch ein kürzerer zweiter Stopp aus, um die Reststrecke zu bewältigen.

Insgesamt zeigt der ADAC-Test, dass moderne Elektroautos zunehmend winter- und langstreckentauglich sind, aber es bleiben deutliche Unterschiede. Während immer mehr Fahrzeuge mit 800-Volt-Technik ausgerüstet sind und damit sehr hohe Ladeleistungen von über 200 kW abrufen können, liegen andere Modelle teils deutlich darunter. Fahrzeuge mit guter Effizienz können Lade-Nachteile teilweise kompensieren.

Im Test zeigten Tesla und Volkswagen, was auch mit einer 400-Volt-Architektur noch möglich ist. Im Gegensatz zum ADAC-Winter-Reichweitentest vom Januar 2025, bei dem jeweils die reichweitenstärksten Modelle antraten, wurden diesmal günstigere Modelle getestet. Dabei waren die teuersten Fahrzeuge nicht unbedingt die reichweitenstärksten. Der Audi liegt zwar mit 77.250 Euro im oberen Preisbereich, die darauffolgenden drei Modelle von Tesla, Volkswagen und Smart kosten aber "nur" zwischen 50.900 Euro und 54.905 Euro und sind damit noch halbwegs bezahlbar.

Der teuerste Testwagen, der Volvo EX90 Twin Motor AWD, kostet 91.700 Euro und belegt nur den vorletzten Platz in der Gesamtwertung. Er fällt durch einen hohen Verbrauch von 31,6 kWh/100 km auf, kommt aber dank seiner 107-kWh-Batterie immerhin noch 360 Kilometer weit.

Am schlechtesten schnitt der BYD Sealion 7 Excellence AWD ab. Trotz 91,3 kWh großer Batterie bleibt er mit 293 Kilometern Reichweite als einziges Fahrzeug unter der 300-Kilometer-Marke. Der sehr hohe Verbrauch von über 35 kWh/100 km zeigt deutlichen Optimierungsbedarf bei winterlichen Bedingungen schreibt der Automobilclub.

Wie bereits im letzten Test zeigt auch der diesjährige Durchgang, dass insbesondere im Winter die Werte der WLTP-Reichweitenangaben fernab der realen Reichweite liegen. Während die WLTP Werte bei 23 Grad Außentemperatur und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 50 km/h gemessen werden, waren die Verhältnisse im ADAC-Test deutlich schwieriger. Der Mehrverbrauch bei 0 Grad Außentemperatur und Autobahntempo lagen durchschnittlich 57 Prozent über der WLTP-Angabe. Am stärksten wich der Hyundai Ioniq 5 ab (69 Prozent), die geringste Abweichung wurde mit 40% beim Tesla Model Y festgestellt. 

Getestet wurden die reichweitenstärksten Elektroautos von 14 verschiedenen Marken mit einer WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern und einem Neupreis unter 100.000 Euro. Voraussetzung war zudem, dass die Fahrzeuge in der Kategorie "Familie" des ADAC-Autotests mindestens die Note 3,0 erreicht haben. Um alle E-Autos objektiv miteinander vergleichen zu können, fand der Reichweitentest nicht im realen Verkehr, sondern auf dem Prüfstand statt.

Dazu wurde vorab die Strecke von München nach Berlin über die Autobahn A9 bei einer Realfahrt aufgezeichnet und am Prüfstand simuliert - inklusive Steigungen, Gefälle und realistischem Verkehrsgeschehen. So fuhren alle Fahrzeuge bei den exakt gleichen Geschwindigkeiten und äußeren Einflüssen wie Verkehr, Wind, Wetter oder Stau. Im Anschluss an die Reichweitenmessung wurden die Fahrzeuge an einem 300-kW-Schnelllader vollgeladen und die Ladeleistung aufgezeichnet. Aus der nachgeladenen Energiemenge wurde der Stromverbrauch inklusive der Ladeverluste ermittelt. Daraus wurde die in 20 min Schnellladung (ab 10 % SoC) nachgeladene Reichweite errechnet.

In die Noten gingen drei Kriterien ein: die erzielte Reichweite (25 Prozent), die nachgeladene Reichweite in 20 Minuten (25 Prozent) und der Verbrauch (50 Prozent). Die Preisspanne der Modelle lag zwischen 43.900 Euro und 91.700 Euro.

Unter dem Strich

Unsere Daumenregel besagt, dass der Verbrauch von Elektroautos bei moderatem Autobahntempo oft um ein Drittel höher ist als nach WLTP-Norm. Im Winter ist der Aufschlag natürlich noch höher. Beim aktuellen ADAC-Test brauchten die Fahrzeuge durchschnittlich fast 60 Prozent mehr als nach Norm.

Dabei hat der aktuelle ADAC-Test den meisten Reichweitentests etwas voraus: Er wurde auf dem Prüfstand ermittelt, nicht im realen Verkehr. Wenn man die Reichweite auf der Autobahn ermittelt, spiegeln die Ergebnisse nicht nur die Eigenschaften des Autos selbst wider, sondern auch die stets wechselnden Verhältnisse während der Fahrt. Der ADAC hat da mit seinem Prüfstand bessere Voraussetzungen. 

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Autor: Stefan Leichsenring