BMW 7er G70 (2026): Größtes Facelift aller Zeiten enthässlicht den 7er

Mega-Facelift bekommt Neue Klasse-Technikpaket, mehr E-Reichweite, Top-Interieur, neuen V8 - und der 7er ist endlich wieder ansehnlich

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Als BMW im Jahr 2022 die aktuelle Generation des 7ers (intern G70) vorstellte, war die Aufregung groß. Das Design war - wie sagen wir das jetzt möglichst diplomatisch -  nun ... mutig. Der Fokus auf den vollelektrischen i7 war offensichtlich, der monumentale Theatre Screen als "Heimkino" im Fond ein echtes Novum. Auch im Cockpit wurde radikal ausgemistet. Dass nicht alles nach Plan lief, belegt nun das Facelift. Die Münchner nennen es "die umfangreichste Modellüberarbeitung in der Geschichte der BMW Group".

Beim Ortstermin in München wird dann auch recht zügig klar: Hier handelt es sich nicht bloß um eine klassische Modellpflege, sondern um eine technologische Transformation. Der 7er wird zum Brückenschlag: Er behält seine bewährte Plattform, bekommt aber das digitale Herz und die Batterietechnik der "Neuen Klasse". Außerdem deren sogenanntes Panoramic iDrive in einem gehörig umgekrempelten Innenraum. UND ... das fällt auch sofort auf: Irgendwie blickt er einen nicht mehr so windschief an.

Design und Abmessungen

Also gerade vorne war das bisher ja schon eher schwer zu ertragen. Nun ist - zumindest meiner bescheidenen Meinung nach - ganz viel sehr viel besser. Die Front ist nicht mehr so spitz, wurde vom gegen die Sonne schauenden Bieber zum monolithischen Souverän umgestrickt. Sie wirkt wesentlich stämmiger, prestigeträchtiger und einfach stimmiger. Und hat ein bisschen was von Rolls-Royce, oder?

Die Niere erhält eine neue, horizontale Grafik und wirkt proportional etwas schlanker und vertikaler. Monströs groß ist sie aber immer noch. Ein interessanter Aspekt für Technik-Fans: Sensoren, Kameras und sogar die Waschdüsen für die Assistenzsysteme sind nun nahezu unsichtbar in den Nierenrahmen integriert.

Die zweigeteilten Scheinwerfereinheiten wurden ebenfalls überarbeitet. Die oberen Elemente für Tagfahrlicht und Blinker nutzen nun zwölf Kristallglas-Elemente mit Diamantschliff - optional als "BMW Individual Kristallscheinwerfer". Das Abblend- und Fernlicht verbirgt sich weiterhin in den dunkleren Aussparungen darunter, wirkt nun aber im deaktivierten Zustand fast unsichtbar. Kein großes Ding, würde man meinen, aber auch hier wirken Kleinigkeiten Wunder. 

Was vorne an Ästhetik gewonnen wurde, geht hinten leider wieder so ein bisschen flöten. Die Rückleuchten ziehen sich nun weiter in die Fahrzeugmitte und beherbergen recht auffällig diverse Assistenztechnik. Hier lehnt man sich eben ans Heckdesign der Neuen Klasse an.

Eine echte Neuerung im Bereich der Personalisierung ist das sogenannte "BMW Individual Dual-Finish". Klar, die Zweifarblackierung gab es bisher auch schon, aber nicht in Kombi mit Mattlack. Das kann aktuell nur BMW, sagt BMW. Schauen Sie sich mal den Wagen hier an mit Mattblau unten und Metallic-Blau oben. Hat durchaus was, würde ich sagen. Der Prozess für ein einzelnes Fahrzeug nimmt über drei Tage in Anspruch. Aufpreis für die aufwendige Option: gut 14.000 Euro. Zweifarbigkeit wie bisher mit klassischen Lacken gibt es aber nach wie vor.

Flankiert wird der neue Auftritt durch ein erweitertes Räderportfolio, das nun erstmals 22-Zöller ab Werk umfasst. Die Dimensionen der Karosserie bleiben weitgehend stabil.

Innenraum und Infotainment

Im Interieur vollzieht BMW den radikalsten Wandel. Der bisherige G70 war bereits digital, doch die Modellpflege führt das "BMW Panoramic iDrive" ein, das direkt aus der Neuen Klasse stammt. Kernstück ist das "BMW Panoramic Vision" - eine Projektion von Inhalten über die gesamte untere Breite der Windschutzscheibe. Ergänzt wird dies durch ein 3D Head-Up Display, das fahrrelevante Informationen direkt in die Sichtachse projiziert.

Ein absolutes Novum in einem BMW ist der serienmäßige "Passenger Screen". Auf der Beifahrerseite befindet sich nun ein 14,6 Zoll großes Full-HD-Display, das für Streaming oder Gaming während der Fahrt genutzt werden kann. Damit der Fahrer nicht abgelenkt wird, überwacht eine Innenraumkamera dessen Blickrichtung und dunkelt das Display bei Bedarf automatisch ab.

Bilder von: BMW

Das Betriebssystem wechselt auf das "BMW Operating System X". Es basiert auf Android Open Source Project (AOSP) und soll durch eine neue Software-Architektur deutlich schneller agieren. Die Rechenleistung der zentralen Hochleistungsrechner wurde im Vergleich zum bisherigen Modell um den Faktor 20 gesteigert.

Für die Passagiere im Fond bleibt der 31,3 Zoll große Theatre Screen das Highlight, der nun ebenfalls ein Upgrade auf 8K-Auflösung und erweiterte Streaming-Optionen erhält. Außerdem können jetzt alle Funktionen auch per Touch gesteuert werden, die Smartphone-ähnlichen Bedien-Pods in den Türen sind dafür also nicht mehr zwingend notwendig. 

Bilder von: BMW

In Sachen Materialität setzt BMW verstärkt auf Nachhaltigkeit: Neben der Lederausstattung gibt es nun Kombinationen aus Woll-Kaschmir-Textilien, die für ein wohnliches Ambiente sorgen sollen. Gerade in der beim Termin ausgestellten 7er-Variante mit M Sport-Paket wusste der neue Innenraum mit einem sehr hochwertigen Materialmix (diverse Hölzer, Carbon, verschiedene Leder und Alcantara, Lammfell-Fußmatten - alles machbar) und opulenterer, aber auch luxuriöserer Optik als bisher zu gefallen.

Für mich im Vergleich mit dem Bildschirm-Overkill in der neuen S-Klasse der geschmackvollere und gediegenere Weg. Und dass die Bedienbarkeit des Neue Klasse-Cockpits funktioniert, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben.  

Antriebe: Gen6-Zellen und Rückkehr des V8

Die wohl wichtigste technische Neuerung betrifft den vollelektrischen i7. BMW führt hier die sechste Generation der eDrive-Technologie (Gen6) ein. Statt der bisherigen prismatischen Zellen kommen nun Rundzellen zum Einsatz. Diese verfügen über eine um 20 Prozent höhere volumetrische Energiedichte. Der nutzbare Energiegehalt des Akkus steigt auf bis zu 112,5 kWh (netto). Das Ergebnis ist ein deutlicher Sprung bei der Reichweite: Der i7 50 xDrive und der i7 60 xDrive knacken nun die Marke von 700 Kilometern nach WLTP. 

Auch beim Laden legt BMW nach, bleibt allerdings plattformbedingt nach wie vor weit hinter der eigenen Neuen Klasse um iX3 und Co. zurück. Die maximale Ladeleistung an Gleichstrom-Säulen steigt von 195 kW auf 250 kW. Damit lässt sich in zehn Minuten Energie für rund 200 Kilometer Reichweite nachladen. Wenn Sie noch tiefer in die i7-Thematik einsteigen wollen, empfiehlt sich der Artikel auf unserer Schwester-Seite InsideEVs.

Das Antriebsportfolio bleibt breit gefächert. Neben den i7-Modellen mit Leistungen von 455 PS bis hin zum 680 PS starken i7 M70 xDrive gibt es Neuigkeiten für Verbrenner-Liebhaber in Europa.

BMW i7 (2026)

Der BMW 740 xDrive mit Reihensechszylinder-Benziner kehrt nach Deutschland zurück. Er leistet 400 PS und wird durch ein 48-Volt-Mild-Hybrid-System unterstützt, dessen Elektromotor direkt im 8-Gang-Getriebe sitzt. Für Langstreckenfahrer bleibt der 740d xDrive mit 313 PS im Programm, der nun ebenfalls für den Betrieb mit regenerativen Kraftstoffen wie HVO100 optimiert wurde. Die Plug-in-Hybride 750e xDrive (489 PS) und M760e xDrive (612 PS) runden das Angebot ab, wobei die elektrische Reichweite hier bei über 80 Kilometern liegt.

Dazu gibt es noch eine schöne Nachricht für alle leistungs- und Zylinder-hungrigen Verbrenner-Freunde: Ein Sprecher bestätigte uns beim Fototermin, dass der Achtzylinder zurückkehren wird. Wir gehen mal stark davon aus, dass es ein Setup ähnlich dem im aktuellen M5 und XM geben dürfte. Sprich: 4,4-Liter-V8-Plug-in-Hybrid mit über 700 PS. 

Hier sehen Sie die technischen Daten aller bisher kommunizierten Varianten in der Übersicht: 

Technische Daten 740 xDrive 740d xDrive 750e xDrive M760e xDrive i7 50 xDrive i7 60 xDrive i7 M70 xDrive
Gesamtantrieb

400 PS

580 Nm

313 PS

670 Nm

489 PS 700 Nm

612 PS 800 Nm 455 PS 660 Nm 544 PS 745Nm 680 PS 1100 Nm
Batterie (netto) 48-Volt-Mildhybrid 48-Volt-Mildhybrid 18,7 kWh 18,7 kWh 112,5 kWh 112,5 kWh 112,5 kWh
Reichweite     70 - 82 km 69 - 80 km 590 - 708 km 590 - 707 km 560 - 650 km
Verbrauch 9,3 - 8,3 l/100 km 7,2 - 6,5 l/100 km 6,1-5,0 l + 17,5-16,0 kWh 6,8-5,6 l + 18,2-16,7 kWh 21,8 - 18,1 kWh/100 km 21,9 - 18,2 kWh/100 km 22,9 - 19,7 kWh/100 km
0-100 km/h 5,1 s 5,7 s 4,8 s 4,2 s 5,5 s 4,8 s 3,8 s
Vmax 250 km/h 250 km/h 250 km/h 250 km/h 210 km/h 240 km/h 250 km/h

Fahrwerk und Assistenzsysteme

Fahrwerkstechnisch bleibt der 7er ein Technologieträger. Die adaptive Zwei-Achs-Luftfederung mit elektronisch geregelten Dämpfern ist nun in allen Modellen Serie. Wer mehr Agilität wünscht, kann zur "Adaptive Chassis Control" greifen, die eine Integral-Aktivlenkung (Hinterachslenkung) beinhaltet. Das Top-Fahrwerk "Adaptive Chassis Control Professional" bietet zusätzlich eine aktive Wankstabilisierung auf 48-Volt-Basis, die Karosseriebewegungen in Kurven fast vollständig ausgleicht.

BMW 7er (2026)

Besonderes Augenmerk legte die Entwicklung auf die Assistenzsysteme. Unter dem Namen "BMW Symbiotic Drive" soll das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine natürlicher wirken. Der Autobahnassistent erlaubt nun in vielen europäischen Ländern freihändiges Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h. Neu ist der City-Assistent, der bei der Navigation durch städtische Gebiete unterstützt und dabei Ampeln, Vorfahrtssituationen und Kreisverkehre berücksichtigt. Eine KI-gestützte Parkplatz-Erkennung und ein Manövrierassistent, der bis zu 200 Meter lange Fahrstrecken speichern kann, sollen das Handling der stattlichen Limousine erleichtern.

Marktstart und Preise

Der Produktionsstart im Werk Dingolfing startet im Mai, sodass die weltweite Markteinführung ab Juli 2026 erfolgen kann. Die vollelektrischen i7-Modelle und der 740 xDrive werden den Anfang machen, während die Diesel- und Plug-in-Hybrid-Varianten im November 2026 folgen.

Die Preise für die so umfassend überarbeiteten 7er-Varianten haben uns die lieben Leute aus der BMW-Presseabteilung auch schon verraten. Los geht's beim BMW 740 xDrive ab 117.900 Euro. Der Diesel kostet mindestens 122.900 €. Die Plug-in-Hybride gibt es ab 133.900 Euro (750e) beziehungsweise 159.900 Euro (M760e).

Wer die Luxus-Limo rein elektrisch bewegen will muss mindestens 121.400 Euro für den BMW i7 50 xDrive hinblättern. Der i7 60 xDrive ist ab 140.100 Euro zu haben und das Topmodell i7 M70 xDrive kostet ab 182.400 Euro.

Zum Vergleich: Bisher startete der 7er bei 115.900 Euro für den elektrischen i7 eDrive50, der günstigste Verbrenner war der 740d ab 119.900 Euro. Das Spitzenmodell i7 M70 hat sich preislich nicht verändert. 

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Autor: Stefan Wagner