Für BMW ist es eine der geschäftigsten Zeiten der Unternehmensgeschichte. Zwischen jetzt und Ende 2027 wird der Konzern rund 40 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Die Erneuerung des Portfolios startete im vergangenen Jahr mit dem iX3 als erstem Modell der wiederbelebten Neue-Klasse-Familie.
Die i3 Limousine folgte Anfang April und wird bereits nächste Woche vom Facelift der 7er-Reihe/i7 flankiert. Der X5 der nächsten Generation feiert im Sommer Premiere, kurz darauf folgt eine neue 3er-Reihe mit Verbrennungsmotoren. Ein M2 xDrive sowie ein elektrischer iX4 gelten ebenfalls als nahezu gesetzt - beide sollen noch vor Jahresende kommen. Auch der i3 Touring könnte noch 2026 präsentiert werden.
2027 plant BMW ein Facelift für 5er-Reihe/i5/M5 und bringt zudem die zweite Generation des X7, inklusive eines elektrischen iX7. Auch ein neuer iX1 könnte im kommenden Jahr als Teil der Neue-Klasse-Palette erscheinen.
BMW ist gut beraten, bei der umfassenden Modelloffensive zunächst die Kernmodelle in den Mittelpunkt zu stellen - gleichzeitig verabschiedet sich der Hersteller nicht von Sonderprojekten. Intern laufen diese unter der Bezeichnung "Brand Shapers" (in etwa: Markenschärfer) und sollen kommen, sobald die Neue-Klasse-Baureihen in den nächsten Jahren vollständig ausgebaut sind. Frühere Beispiele waren der eigenwillige erste i3 als Elektro-Kleinwagen sowie das Plug-in-Hybrid-Sportcoupé i8 (inklusive Roadster).
BMW setzt Priorität auf Modelle mit hohem Volumen
Mike Reichelt, Leiter Neue Klasse, erklärte dem australischen Magazin Carsales, dass Produkte mit hohen Stückzahlen Vorrang haben. Aus finanzieller Sicht ist das nachvollziehbar: BMW hat deutlich mehr als 10 Milliarden Euro in die Neue Klasse investiert. Es handelt sich um die größte Investition in der Firmengeschichte - entsprechend logisch ist es, den Produkttakt zu straffen und mit den Volumenmodellen zu beginnen.
"Für uns ist die Mitte der Marke am wichtigsten. Am besten startet man in der Mitte der Marke und nicht an den Rändern des Portfolios. Uns war es wirklich wichtig, in der Mittelklasse zu beginnen, weil dort das [Verkaufs-]Volumen ist. Um neue Technologie und Architektur zu skalieren, braucht man Volumen. Der [ursprüngliche] i3 war zum Beispiel ein Brand Shaper. Oder der i8. Das war die Zeit, einen Brand Shaper zu machen, weit weg vom normalen Serienportfolio. Jetzt ist es genau anders herum."
Diese sogenannten "Brand Shapers" dürften sich spürbar von einem typischen BMW unterscheiden. Naheliegend ist die Idee eines eigenständigen Sportwagens aus München - zumal die Studie Vision M Next kurz vor knapp leider gestrichen wurde. Ein echter Nachfolger des mittelmotorigen M1 ist seit Langem im Gespräch, feste Zusagen gibt es bislang jedoch nicht.
Auch ein ganz anderes Fahrzeugkonzept könnte diese Rolle übernehmen, indem es bewusst aus dem BMW-Raster ausbricht. Berichte über einen echten Geländewagen verdichten sich; ein Marktstart könnte demnach bereits 2029 erfolgen. Zwar ist ein Leiterrahmen wie bei der Mercedes G-Klasse eher unwahrscheinlich, dennoch wäre ein solches Modell geländegängiger als jeder BMW zuvor.
Ein Offroad-BMW ist denkbar
Historisch hat sich das Unternehmen nicht auf Offroad-Fahrzeuge fokussiert - das könnte sich jedoch ändern. Währenddessen verdoppelt Mercedes den Einsatz beim G und bereitet eine kleinere Variante vor; es gibt also klar einen Markt. Selbst Audi und Genesis könnten einsteigen und damit aus dem einstigen Nischenbereich ein eigenständiges Segment formen.
Was noch? Mit dem Z4 und der 8er-Reihe, die beide auslaufen, bleibt BMW nur noch ein einziges Cabriolet. Die 4er-Reihe dürfte bis 2029 im Programm bleiben - und es ist schwer vorstellbar, dass der weltweit größte Hersteller von Luxusautos in seinem riesigen Portfolio dauerhaft ohne "Droptop" auskommt. Ein elektrisches i4 Cabriolet oder etwas in dieser Richtung wäre zwar ein Nischenprodukt, könnte dem Image des Unternehmens aber nutzen.
Auch ohne "Brand Shapers" bleibt das BMW-Programm spannend. Ein elektrischer M3 kommt im nächsten Jahr, ein M3 mit Sechszylinder soll 2028 folgen. Der kürzlich angeteaserte 3er Touring öffnet zudem die Tür für M-Modelle mit Kombi-Heck, und Gerüchte sprechen von besonders leistungsstarken Versionen des iX3. Auch die größeren X5 und iX5 sollen voraussichtlich sowohl als M Performance-Varianten als auch als vollwertige M-Modelle kommen.
Alle Neue-Klasse-EVs werden entweder Hinterrad- oder Allradantrieb bieten, da die Plattform nicht für Anwendungen mit Einzelmotor und Frontantrieb entwickelt wurde. Das bedeutet, dass elektrische Versionen von 1er-Reihe und 2er Gran Coupé den Frontantrieb aufgeben würden, den die aktuellen Benziner nutzen. Gleichzeitig eröffnet die Plattform die Möglichkeit für Mini-Modelle mit Hinterradantrieb - beim BMW Group laufen also zahlreiche interessante Entwicklungen.
Da Alpina als eigenständige Luxusmarke künftig unter dem Konzerndach positioniert wird - oberhalb von BMW -, kann das Unternehmen höhere Segmente erschließen, ohne in das Territorium von Rolls-Royce vorzudringen. Noch ist es zu früh, um zu sagen, ob diese "Brand Shapers" ausschließlich BMW vorbehalten sind oder auch BMW-Alpina-Modelle umfassen. Vorerst bleibt der Fokus auf den profitabelsten Segmenten.








