Niemand kauft mehr Kombis - zumindest sieht das Mercedes-Exterieur-Designchef Robert Lešnik so. Bei Skoda dürfte man da anderer Meinung sein. Der große Superb ist als Langdach nach wie vor eine Bank, sorgt in Deutschland für 96 Prozent der Verkäufe.
Weniger fest im Sattel sitzt der Diesel. Aber er sitzt noch vergleichsweise gut. Vor zehn Jahren dürfte der freundliche Skoda-Partner bei der Bestellung eines Superb noch nicht mal nachgefragt haben, welcher Motor es denn sein soll. Hätte er das Häkchen nicht beim TDI gemacht, wäre vermutlich das System abgestürzt. Inzwischen haben die Plug-in-Hybride gerade im Großkunden-Geschäft stark aufgeholt. Und dennoch, Diesel-Anteil: 51 Prozent.
Aber hat die klassische Kombination aus Combi plus Diesel (in diesem Fall samt Allrad) weiterhin eine Zukunft?
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Was ist das?
Tja, vor ein paar Monaten hätte ich Ihnen noch gesagt: Logo, wenn Sie dieseln wollen - hier machen Sie sicher nichts falsch. Doch bei den aktuellen Dieselpreisen von 2,10 Euro bis auch mal 2,30 Euro wird es natürlich eher schwierig mit der Argumentation pro Selbstzünder. Alternativ stehen drei Benziner mit 150, 204 und 265 PS zur Wahl. Oder eben die erwähnten Plug-in-Hybride mit 204 oder 272 PS.
Unser Testwagen hatte den stärkeren 2,0-Liter-TDI mit 193 PS an Bord. Selbiger ist seit Anfang 2024 ausschließlich mit Allradantrieb und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben. 0-100 km/h in 7,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, Normverbrauch im besten Fall 5,3 Liter. Da gibt es auf den ersten Blick wenig zu meckern.
Gebaut wird Superb Nummer IV seit Ende 2023 wie sein zweieiiger Zwilling VW Passat im Volkswagen-Werk Bratislava. Technisch sind die beiden inzwischen wirklich sehr sehr dicke. Äußerlich ist dies an der Silhouette unschwer zu erkennen, innen machte uns der Tscheche bisher den bedienfreundlicheren Eindruck.
In diesem Fall kredenzte uns Skoda einen Superb Combi in Selection-Ausstattung. Darüber rangieren noch L&K sowie Sportline. Dennoch war unser Tester dank sämtlicher verfügbarer Pakete so ziemlich voll bis unters Dach. Dazu zählen unter anderem ein Adaptiv-Fahrwerk, 19-Zöller, das komplette Spektrum an Fahrassistenten, ein riesiges Glas-Schiebedach, elektrische Sitze mit Massagefunktion und eine klappbare Anhängerkupplung. Kostenpunkt am Ende: 66.200 Euro.
Abmessungen/Design
Der Superb war schon immer ein Lulatsch für den gehobenen bis ultimativen Platzbedarf. Der Aktuelle streckt sich nochmal vier Zentimeter weiter in die Länge als sein Vorgänger. In der heimischen Tiefgarage merkst du beim Ausparken die 4,91 Meter durchaus, da muss dann schon ein wenig mehr gekurbelt werden. Auf der anderen Seite ist der Raumriese mit knapp unter 1,85 Meter Breite für heutige Verhältnisse angenehm - naja - schmal.
Die 2,84 Meter Radstand müssen eigentlich ein Tippfehler sein, denn den Platzverhältnissen nach zu urteilen sind das gefühlte 3,10 Meter. Hier lässt sich Skoda eben niemals lumpen. Wenn Ihre Sprößlinge Beine haben wie Giraffen - auf die Tschechen ist Verlass.
Innenraum/Kofferraum
Und damit wären wir schon mittendrin in der Paraderolle des (noch) größten aller Skodas. Neben dem Raumangebot im Fond verdient nämlich auch der Kofferraum das Prädikat "fahrendes Atrium". 690 bis 1.920 Liter sind es hier. Noch erbaulicher wird der Blick ins Gepäckabteil dank der Vielzahl an Verzurr-, Abgrenz-, Verstell- und Abdeckmöglichkeiten.
Es gibt ein Schienensystem, um Abteile zu bauen, überall lassen sich Netze einklinken und unter der gewohnten Gepäckraumabdeckung nimmt eine weitere Abdeckung nasse oder dreckige Dinge auf. Irgendwas mit "Simply Clever" in einen Skoda-Testbericht zu schreiben, ist fast schon peinlich abgedroschen, aber es stimmt einfach.
Bilder von: Motor1.com Deutschland
In diesem Zusammenhang möchte ich noch den unumgänglichen Regenschirm in der Tür sowie den kleinen Mülleimer samt Mülltüte in der Türverkleidung nennen. Vermutlich habe ich noch 30 weitere Lösungen vergessen, aber wir halten fest - auch dieser Skoda verwöhnt mit maximaler Durchdachtheit.
Apropos verwöhnen: Trotz der gesamten Wellness-Klaviatur inklusive Massagefunktion mangelte es den vorderen Sitzen im grauen Stoff "Loft" ein wenig an Komfort. Irgendwas drückte beim Test im unteren Rückenbereich. Womöglich liegt es auch an meiner Rückseite, aber eine 100-prozentig entspannte Sitzposition wollte sich nicht recht finden lassen. Kein all zu großes Drama, aber erwähnt haben wollte ich es schon.
Die Qualitätsanmutung würde ich segmentweit im Mittelfeld verorten. Vielleicht im leicht gehobenen Mittelfeld. Man merkt schon, dass an der ein oder anderen Verkleidung der Rotstift des Controllers das letzte Wort hatte. Unschön ist auch (wie bei den neuen Audi-Cockpits) die recht gebrechlich wirkende Leiste unterhalb des Infotainment-Bildschirms.
Auf der anderen Seite erfreuen Filzeinlagen in den Türfächern (was aktuell kaum noch jemand macht) und auch die Stoffausstattung macht einen sehr gediegenen Eindruck. Gerne prüfen, ob man damit nicht besser dran ist als mit der eher einfach wirkenden Tierhaut-Option.
Ein Lichtblick in diesem Auto ist ganz grundsätzlich die Bedienung. Das beginnt beim Lenkrad mit seinen vernünftigen Tasten und sinnvollen Drehwalzen. Nicht überfrachtet, schlau bedienbar. Auch das Geschwindigkeitsgepiepse lässt sich über die rechte Walze zügig eliminieren.
Zudem erweisen sich die drei sogenannten Smart Dials unter dem Zentralbildschirm, jeweils mit 32-mm-Minidisplay, auch nach inzwischen gut zweieinhalb Jahren im Superb als echter Glücksgriff. Die drei kleinen Rundlinge sind quasi die Bedien-Allzweckwaffen für Klima, Sitzheizung/-belüftung, Fahrmodi und Co. Das ist simpel, eingängig und lenkt nicht ab. Zudem kann man ihnen seine präferierten Settings einprogrammieren. So einfach kann es gehen.
Bilder von: Motor1.com Deutschland
Ebenfalls schön: Im Test erwies sich das Infotainmentsystem als schnell mit logisch gegliederten Menüpunkten und zuverlässiger Sprachbedienung. Auch die praktische Shortcut-Leiste erleichtert die Bedienung im Alltag.
Kritik gibt es für den etwas unpraktischen Gangwahlhebel hinter dem Lenkrad sowie das kleine, lieblos gestaltete, etwas angestaubt wirkende Instrumentendisplay.
Die Anhängerkupplung packt maximal 90 Kilo Stützlast, also mit Träger wohl gut drei E-Bikes. Ein Pluspunkt für den Allrad-Diesel ist die Anhängelast von bis zu 2,2 Tonnen. Beim Basis-Benziner sind es 1.900 Kilo, beim Plug-in-Hybrid 1.800.
Antrieb/Fahrverhalten
Kommen wir direkt zur Kernfrage dieses Tests: darf es noch der Diesel sein? Ob der Preis für das ölige Gold in absehbarer Zeit auf ein halbwegs erträgliches Niveau zurückgeht, weiß aktuell kein Mensch. Nach Wochen des völligen Wahnsinns ist er wieder halbwegs auf dem Level von Super-Benzin angelangt, doch es bleibt schwierig.
Also konzentrieren wir uns erstmal auf die intrinsischen Fähigkeiten des 2.0 TDI. Selbiger macht im Großen und Ganzen einen erwartbar soliden Eindruck, ist im Alltag aber nicht ganz frei von Allüren. Wer im normalen Fahrmodus anfährt, stolpert über eine durchaus spürbare Gedenksekunde. Es wirkt fast ein bisschen wie früher: Erst passiert wenig, und dann kommt der Schub plötzlich mit Nachdruck. Das wirkt zuweilen etwas unharmonisch und könnte softwareseitig sicher geschmeidiger gelöst sein.
Wenn er aber erst einmal rollt, ist der Selbstzünder ein gewohnt souveräner Begleiter. Sicher kein Wunder an Durchschlagskraft, doch mit - je nach Ausstattung - gut 1.800 bis 1.900 Kilo ist der Superb auch kein Leichtgewicht und machen wir uns nichts vor: für den Alltag, auch den der sich viel auf der Autobahn abspielt, ist das mehr als ausreichend.
Erfreulich ist, wie gut den Tschechen die Kapselung des Antriebs gelungen ist. Klar, ein BMW 3er mag da vielleicht noch das letzte Quäntchen mehr Premium-Ruhe bieten, aber im Großen und Ganzen ist das akustische Niveau hier wirklich beachtlich. Vor allem im Vergleich zum Basisbenziner oder den ebenfalls recht hubraumschwachen PHEVs (1,5 Liter-Vierzylinder), die unter Last eher angestrengt intonieren. Hier kann sich der Selbstzünder also schon mal positionieren.
Etwas schwieriger wird's beim Verbrauch. Wir erreichten einen Schnitt von 6,6 Liter und waren wahrlich nicht im Tiefflug unterwegs. Zum Vergleich: einen etwa gleichstarken, aber voluminöseren BMW 520d Touring bewegten wir im Test mit 5,6 Liter (ohne Allrad allerdings).
Nix zu meckern gab es dagegen beim DSG-Getriebe, es verhielt sich unauffällig, flott und stotterfrei. Wer der Anfahrschwäche entkommen will, kann in den Sportmodus wechseln, dann sperrt der TDI spürbar die Fesseln auf. Aber Hand aufs Herz: Wer fährt einen Superb permanent im Sportmodus? Eben.
Tja, und dann hätten wir da noch das Fahrwerk. Das ist also sehr sehr positiv. Ich erinnere mich noch, das war weit vor der Markteinführung, da sagte mir ein VW-Ingenieur, der gerade am Fahrwerk des (im Prinzip baugleichen) Passat arbeitete, ich solle mich schon mal darauf freuen, denn das werde richtig gut, auch aus dynamischer Sicht. Wollte ich damals nicht so recht glauben, aber der Mann hatte komplett Recht.
Da haben die Herrschaften Entwickler wahrlich den Sweet Spot getroffen. Zumindest mit dem hier installierten Adaptiv-Fahrwerk ist der Superb auf der einen Seite ein hervorragend komfortables, unfassbar bequem zu fahrenden Auto mit einer sehr sehr sauberen, sehr sehr angenehmen Lenkung.
Der Superb verhält sich ziemlich genauso wie du das möchtest, wenn du entspannt Auto fahren willst und trotzdem ist es, so dass das Riesen-Ding durchaus eine flinke Seite hat. Wirf den Wagen mit etwas mehr Verve in die Kurve und er reagiert tatsächlich total kompetent.
Wir haben hier also zum einen einen butterweich und ziemlich perfekt gefederten Kombi, der sich auch beim Thema Fahrwerksgeräusche keinerlei Blöße gibt und trotzdem schmiert er dir in der Kurve nicht ab, sondern zeigt sich ganz im Gegenteil extrem souverän. Selbst wenn man ihn in den Grenzbereich bringt (warum auch immer man das tun sollte), wird er einen niemals überraschen. Höchstens damit, wie gut er sich abstützt und wie neutral er schnell durch die Kurve pflügt. Mehr geht in dieser Klasse nicht.
Fazit: 8,5/10
Dass der Skoda Superb ein begnadeter Allrounder, Raumriese und Praktiker ist, brauche ich Ihnen hier nicht zum hunderdsten Mal erzählen. Dass er sich sehr ordentlich bedienen lässt und im Fahrverhalten überraschend viel draufhat, gebe ich aber gerne weiter. Ernsthafte Schwächen, die ihm so richtig die Tour vermasseln würden, hat er nicht. Außer natürlich, man möchte ihm ankreiden, dass er mit guter Ausstattung und gehobenem Antriebssetup inzwischen weit weg von einstiger Skoda-Preissensitivität ist. Gerade im Hinblick auf die nur mittelmäßige Materialqualität im Innenraum.
Aber letztlich soll es hier ja um den Diesel gehen. Macht er noch Sinn im Superb? Ansprechverhalten und Verbrauch sind sicher ausbaufähig. Alles in allem hinterlässt er einen vernünftigen, gut erzogenen und angenehmen Eindruck. Für Vielfahrer sicher noch immer die bessere Alternative als die deutlich reichweitenschwächeren und auf Langstrecke durstigeren Plug-in-Hybride.
Wer weniger fährt, sollte sich die PHEVs oder die 2,0-Liter-Benziner aber sicher ansehen.








