Stellantis bündelt seine Kräfte auf vier Marken

Leider steht Opel nicht auf der Liste der Lieblinge, aber alle 14 Marken seien sicher

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Als Stellantis 2021 aus der Mega-Fusion von PSA und FCA entstand, versprach Carlos Tavares, alle 14 Marken zu erhalten und ihre Zukunft durch Investitionen abzusichern. Der portugiesische Manager hat den Autokonzern inzwischen vor Ablauf seines Fünfjahresvertrags verlassen - und sein Nachfolger soll nun offenbar einiges neu ordnen.

Antonio Filosa wird zwar keine der Marken streichen, soll seinen Fokus aber angeblich auf jene legen, die "wirklich zählen".

Fiat 500 Hybrid (2026) im Test

Laut einem neuen Bericht von Reuters will Stellantis Investitionen künftig auf vier Marken konzentrieren: Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf mit der Unternehmensagenda vertraute Insider und berichtet, dass diese volumenstarken Marken künftig mehr Mittel erhalten sollen - statt der unter Tavares, dessen Ära äußerst umstritten war, praktizierten gleichmäßigeren Verteilung.

Das klingt zunächst so, als würden die übrigen zehn Marken künftig zwangsläufig den Kürzeren ziehen - doch das muss nicht so sein. Alfa Romeo, Opel und Citroën sollen sich demnach stärker auf bestimmte Fahrzeugsegmente und Regionen weltweit konzentrieren. So ist Opel zum Beispiel weder in China noch in denn USA vertreten, ebensowenig in Brasilien. Künftige Modelle sollen Plattformen nutzen, die von den vier Kernmarken entwickelt werden, dabei aber optisch klar differenziert bleiben - mit eigenständigem Design außen wie innen.

Badge-Engineering wird offenbar geprüft

In einigen Fällen, so berichtet Reuters, könnte Stellantis noch weiter gehen und bei ausgewählten Modellen je nach Region unterschiedliche Markenzeichen einsetzen. Wie auch immer es kommt: Keine der 14 Marken steht - zumindest vorerst - vor dem Aus. Das dürfte viele beruhigen, nachdem frühere Berichte behauptet hatten, einzelne Marken könnten sprichwörtlich auf der Kippe stehen.

Im Rahmen der neuen Strategie könnten die kleineren Marken auf bestimmte Regionen beschränkt oder sogar zu nationalen Marken werden. Das war lange Zeit bei Lancia der Fall, wo man über viele Jahre nur im Heimatmarkt Italien Autos verkaufte. Ob Stellantis für die Zukunft Ähnliches plant, ist unklar - doch wenn sich der Bericht bestätigt, wäre es keine Überraschung, wenn Marken wie Abarth und DS Automobiles ihre Präsenz deutlich zurückfahren.

Maserati steht nicht zum Verkauf

Maserati wird im Bericht nicht erwähnt, doch Stellantis-Vertreter haben Gerüchte über einen Verkauf an Dritte wiederholt dementiert. Stattdessen haben Maserati und Alfa Romeo bereits angekündigt, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen - unter anderem durch geteilte Entwicklungskosten und eine schnellere Markteinführung neuer Fahrzeuge.

Auf der nordamerikanischen Seite von Stellantis fällt zudem Chrysler im Bericht ebenfalls auf - und zwar durch Abwesenheit. Allerdings machen ein neues Designstudio und die Ernennung eines neuen CEO Hoffnung, dass die traditionsreiche US-Marke endlich neue Produkte auflegt, statt sich ausschließlich auf Vans zu beschränken. Im vergangenen Jahr hatte Stellantis-Designchef Ralph Gilles Chrysler öffentlich hervorgehoben und gesagt, die Marke sei "reif für ein neues Kapitel", indem man sich auf "komplett neue Eroberungskunden" konzentriere. Er ergänzte:

'I think its time for us to pivot. Were going to try. Were going to experiment with the brand. There is an unserved part of our portfolio in our showroom that our dealers have identified that we can maybe serve with Chrysler, so were in the process of experimenting.'

"Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir einen neuen Kurs einschlagen. Wir werden es versuchen. Wir werden mit der Marke experimentieren. Es gibt einen Bereich in unserem Showroom, der bisher nicht abgedeckt ist und den unsere Händler als Marktlücke identifiziert haben - vielleicht können wir diese Lücke mit Chrysler schließen. Deshalb sind wir gerade dabei, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren."

Stellantis investiert in Dodge

Auch wenn Dodge im Reuters-Bericht nicht auftaucht, hat Stellantis zugesagt, 130 Millionen US-Dollar in den Detroit Assembly Complex - Jefferson zu investieren, um dort ab 2029 den Durango der nächsten Generation zu bauen.

Filosa soll Stellantis neuen Strategieplan im Mai vorstellen. Dann soll auch eine "spürbare" beziehungsweise "wesentliche" Erhöhung der Investitionen in Jeep, Ram, Peugeot und Fiat öffentlich angekündigt werden. Zur Einordnung: Ferrari gehört nicht zu den 14 Marken unter dem Konzerndach, da der Sportwagenhersteller aus Maranello Anfang 2016 aus FCA ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen aufgestellt wurde.

Die Einschätzungen dazu, wie Filosa das Stellantis-Schiff mit all diesen Marken steuern sollte, gehen auseinander. Einige sind etwa der Meinung, Dodge und Ram sollten zusammengeführt werden. Andere finden, DS Automobiles sollte wieder als gehobene Luxus-Ausstattungslinie bei Citroën positioniert werden. Wieder andere Stimmen sehen Abarth eher als sportliche Ausprägung beziehungsweise Performance-Linie unter dem Fiat-Label. Und ob es Lancia jemals wieder nach Deutschland schafft, ist fraglich.

Solange Stellantis den Plan nicht offiziell darlegt, bleibt es allerdings Spekulation. Der Reuters-Bericht macht immerhin deutlich, dass alle 14 Marken bestehen bleiben sollen - ihre Rollen werden sich jedoch verändern. Noch mehr Plattform-Sharing erscheint als konsequenter Schritt zur Kostensenkung, ganz nach dem Regelbuch des Volkswagen-Konzerns.

Ein stärker regionaler Zuschnitt einzelner Marken, statt jedes Produkt überall anzubieten, könnte zudem zu einer gezielteren Mittelverteilung führen. Wie auch immer: Filosa steht vor einer großen Aufgabe - ein 14-Marken-Imperium zu führen, verlangt starke Nerven, kluge Entscheidungen und die Bereitschaft, unvermeidliche Risiken einzugehen.

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Autor: Adrian Padeanu