Produzenten von Autokatalogen und Marktübersichten geht die Arbeit nicht aus. Ganz im Gegenteil. Immer mehr neue Marken aus China drängen nach Deutschland. Ein Markt, der schon ziemlich gesättigt ist. Aber im Privatbereich auch mit immer höheren Neupreisen hadert. Ist das die Lücke für die Chinesen?
Denn ausschließlich preiswert gibt es schon lange bei Dacia. Ein wenig mehr sollten die neuen Mitbewerber also schon zu bieten. Wie etwa Jaecoo, eine Marke aus dem Chery-Konzern. Sie wird nun gemeinsam mit ihrer Schwester Omoda lanciert. 100 Standorte soll es bis Ende 2026 in Deutschland geben. Erstes Modell zwischen Flensburg und Füssen ist der Jaecoo 7, immerhin im März 2026 der meistverkaufte Pkw in Großbritannien. Zu uns kommt er zunächst nur als Plug-in-Hybrid. Weitere Modelle sind aber zu erwarten.
| Schnelle Daten | Jaecoo 7 PHEV (2026) |
| Antrieb | Vierzylinder-Turbobenziner, 1.499 ccm plus Elektromotor |
| Getriebe | 1-Gang-DHT-Hybridgetriebe |
| Leistung | 105 kW (143 PS) Benziner, 150 kW (204 PS) Elektro; 205 kW (279 PS) Systemleistung |
| Drehmoment | 365 Nm Systemdrehmoment |
| Kofferraumvolumen | 340 - 1.265 Liter |
| Preis | ab 36.900 Euro |
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
Karosserie/Design
Gänzlich neu ist Nummer Sieben nicht, seit 2023 gibt es diesen Jaecoo schon in China. Er präsentiert sich mit einem kantigen und klar gezeichneten Exterieur, was uns gut gefällt. Der wuchtige Grill, aber auch andere Stilelemente erinnern an Land Rover oder Jeep. In jedem Fall sticht der 7 aus dem SUV-Einheitsbreit hervor.
Die Front wird durch eine breite Gestaltung und eine markante Lichtsignatur dominiert, während die Seitenpartie eine geradlinige Führung aufweist. Mit einer Länge von 4.500 mm, einer Breite von 1.865 mm und einer Höhe von 1.670 mm besetzt das Fahrzeug das Segment der kompakten SUVs. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan (der am Jaecoo-Heck zart durchschimmert) ist vier Zentimeter länger, aber minimal schmaler.
Die robuste Silhouette wird durch eine erhöhte Bodenfreiheit sowie 19-Zoll-Leichtmetallräder unterstrichen. Für die Außenlackierung stehen zum Start sechs Farbvarianten zur Auswahl, darunter auch zweifarbige Kombinationen mit kontrastierendem Dach. Praktische Details wie eine elektrisch öffnende Heckklappe (sie öffnet aber nur bis etwa 1,80 Meter) und eine Dachlast von 75 kg ergänzen das Design. Kein praktisches Detail: Die ausfahrenden Türgriffe.
Innenraum
Im Interieur setzt Jaecoo auf ein aufgeräumtes Cockpit, jedoch ohne viele echte Tasten. Nachteilig sind die Touchflächen im Lenkrad. Nett sind die Chromverstellungen in den Lüftungsdüsen, das vermeintliche Metall in den Türen ist aber Kunststoff. Dennoch stimmt der Materialmix, an die hohe Mittelkonsole muss man sich gewöhnen. Gut: Extra für Europa hat man klassische Fensterheber-Schalter in die Türen gebaut.
Wie auch beim Omoda lässt sich der Beifahrersitz vom Fond aus verschieben. Das Raumangebot ist auf bis zu fünf Erwachsene ausgelegt, wobei eine verschiebbare zweite Sitzreihe zusätzliche Flexibilität bietet. Eine sehr gute Beinfreiheit ist damit möglich, wir empfanden aber die Lehnenneigung als etwas zu schräg. Der Kofferraum fasst nach VDA-Norm 340 Liter und lässt sich auf bis zu 1.265 Liter erweitern.
Für Komfort sorgen bereits in der Basisversion beheizbare Kunstledersitze und eine 2-Zonen-Klimaautomatik mit HEPA-Filter. Die Exclusive-Linie erweitert dies um ein Panorama-Glasdach, belüftete Vordersitze mit Memory-Funktion und ein Sony-Soundsystem mit acht Lautsprechern. Für einen "transparenten" Blick unter das Fahrzeug und volle Souveränität beim Rangieren sorgt die 540-Grad-Rundumsichtkamera.
Ein zentrales Element ist der Touchscreen, der je nach Ausstattungslinie eine Diagonale von 13,2 oder 14,8 Zoll aufweist und über den wesentliche Funktionen wie die Klima- und Spiegelsteuerung bedient werden. Ergänzt wird dies durch ein 10,25-Zoll großes digitales Kombiinstrument sowie ein (nicht besonders scharfes) Head-up-Display in der Exclusive-Variante. Gut gelungen ist die Sprachsteuerung.
Antrieb und Fahreindrücke
Das Herzstück des Fahrzeugs ist das sogenannte "Super-Hybrid-System", ein Plug-in-Hybridantrieb, der primär auf elektrischen Vortrieb ausgelegt ist. Das System kombiniert einen 1,5-Liter-TGDI-Benzinmotor (105 kW/143 PS) mit einem leistungsstarken Elektromotor (150 kW/204 PS), was zu einer Systemleistung von 205 kW führt. Die Kraftübertragung erfolgt über ein spezielles 1-Gang-DHT-Hybridgetriebe.
In der Fahrpraxis beschleunigt der Jaecoo 7 PHEV in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Dank einer 18,3 kWh Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) beträgt die rein elektrische Reichweite nach WLTP bis zu 90 Kilometer.
Eigens für hiesige Märkte habe man sich besondere Mühe gegeben, unterstreicht Jaecoo, Die elektromechanische Servolenkung wurde für ein direkteres Feedback und präzisere Rückstellkräfte kalibriert, während die Dämpfung eine spezifische europäische Abstimmung erhielt.
Allerdings fehlt immer noch am letzten Feinschliff. Wenn zwischen Tempo 130 und 140 der Verbrenner aktiv wird, dringt ein Brummgeräusch ins Innere, hier wären mehr Gänge vielleicht hilfreich. Zudem ist die Hinterachse akustisch immer leicht präsent. Zwar nicht unangenehm, aber doch wahrnehmbar.
Kanaldeckel und grobe Querfugen sorgen für ein rumpeliges Abrollen der bei unseren Testwagen montierten 19-Zöller und schmälern den Komforteindruck.
Auch den leichten Ruck beim Anfahren sollte Jaecoo schleifen. Und natürlich den extremen Aufpasser-Bimmel-Pieps-Aktionismus der unzähligen Assistenzsysteme, wie es leider in fast allen China-Autos üblich ist. Die Anhängelast gibt Jaecoo mit bis zu 1,5 Tonnen an.
Verbrauch und Preis
In Bezug auf die Effizienz gibt der Hersteller einen gewichteten kombinierten Kraftstoffverbrauch von 2,4 Litern Benzin sowie 15,1 kWh Strom pro 100 Kilometer an (WLTP). Bei entladener Batterie liegt der kombinierte Verbrauch des 1,5-Liter-Motors bei 6,0 Liter pro 100 Kilometer. Durch den 60-Liter-Kraftstofftank wird laut Jaecoo eine Gesamtreichweite von bis zu 1.200 Kilometern ermöglicht.
Das Aufladen der Batterie erfolgt serienmäßig mit bis zu 40 kW an einer DC-Schnellladesäule (30 auf 80 % in etwa 20 Minuten) oder mit 6,6 kW an einem AC-Anschluss. Für alle E-Antriebskomponenten und den Akkupack bietet der Hersteller eine gesonderte Garantie von acht Jahren oder bis zu 160.000 Kilometern.
Der Jaecoo 7 PHEV startet preislich bei 36.900 Euro für die Ausstattungslinie "Select". Die höherwertige "Exclusive"-Variante wird für 39.900 Euro angeboten. Eine Summe, die man erstmal haben, sich aber mit Blick auf die Konkurrenz relativiert. Denn der VW Tiguan mit Plug-in-Hybrid kostet mindestens 52.215 Euro. Über 12.000 Euro mehr. Ohne sieben Jahre (oder 150.000 km) Garantie. Das muss man sacken lassen.
Fazit:
Mit dem Jaecoo 7 PHEV bringt die Chery-Tochtermarke einen Plug-in-Hybriden auf den deutschen Markt, der durch eine umfangreiche Serienausstattung, einen günstigen Preis und eine hohe Gesamtreichweite punkten möchte. Das gelingt in diesen Sektoren auch, allerdings bedarf es bei Antrieb und Fahrwerk noch etwas Feinschliff.
Der Erfolg von Jaecoo wird vom Servicenetz und dem Bekanntheitsgrad abhängen. Weitere Modelle, darunter Vollhybrid und Elektro sind in der Pipeline. Schade nur, dass es den 7 nicht als reinen Benziner oder Hybrid ohne Stecker gibt. Würde er so unter 30.000 Euro liegen, könnte man noch mehr wechselwillige Kunden adressieren. Hier hoffen wir auf den baldigen Marktstadt des Jaecoo 5.








