Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.
Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.
Kleinwagen haben es als Old- und Youngtimer generell schwer. Zu selten wurden sie aufgehoben, da sie schon neu günstig waren. Während ein Mercedes oder BMW einen Wert an sich darstellte, den man pflegte und lange fuhr, wurde die Kurzware von ihren Besitzern meist mit dem schmalen Taler instandgehalten. Als Folge ist manch Kleinwagen trotz robuster Basis inzwischen selten. So auch die letzte Generation des Toyota Starlet in Europa, die jetzt 30 Jahre alt wird.
Der letzte Starlet
Die 1996 eingeführte Modellreihe Starlet P9 (Serie 90) führte das bewährte Konzept des kompakten drei- oder fünftürigen Steilhecks fort. Ein prägendes und unverwechselbares Designmerkmal der P9-Generation war die nach vorne leicht abfallende Gürtellinie an den vorderen Seitentüren.
Auf dem japanischen Heimatmarkt gliederte Toyota die Palette in drei Ausrichtungen: den bodenständigen Reflet, den sportlichen Glanza und den luxuriöser ausgestatteten Carat. Die Ausstattungsstufen Reflet (als Base, F und X), der Carat sowie der Glanza S vertrauten dabei auf den bewährten 1,3-Liter-Vierzylinder-Saugmotor vom Typ 4E-FE. In Japan leistete dieser Saugmotor je nach Variante rund 85 PS, während der spektakuläre Glanza V dank Turboaufladung sogar satte 135 PS mobilisierte.
Für die Reflet-Basisversion stand alternativ auch der sparsame 1N-Dieselmotor zur Wahl. Basierend auf dem fünftürigen Reflet brachte Toyota zudem den Starlet Remix auf den Markt - ein Crossover-Pionier im rustikalen Offroad-Look samt Kotflügelverbreiterungen, Robust-Beplankung, Dachreling und einem außen am Heck montierten Reserverad.
Parallelen zum Paseo
Unter dem Blech teilte sich die P9-Baureihe die technische Plattform, das Fahrwerk und zahlreiche Komponenten mit dem Sportcoupé Toyota Paseo. Interessante Unterschiede gab es im Innenraum: Während die rechtsgelenkten Versionen des Starlet eine eigene Armaturentafel mit höher platzierten mittleren Lüftungsdüsen erhielten, übernahm die linksgetriebene Variante das Armaturenbrett direkt vom Tercel und Paseo.
Im zweiten Quartal 1996 rollte der Starlet EP91 schließlich zu den europäischen Händlern. Sämtliche für Europa vorgesehenen Fahrzeuge wurden einheitlich vom 4E-FE-Saugmotor angetrieben, der in den europäischen Spezifikationen robust abgestimmte 75 PS (55 kW) leistete.
Ausreichend, um den gut eine Tonne schweren Starlet in 11,2 Sekunden auf Tempo 100 zu bringen. Maximal waren 170 km/h möglich. Der ADAC empfand die Innenausstattung damals als "relativ spartanisch", hinten bekämen schön Zwölfjährige Platzangst. Immerhin sei der Motor drehfreudig.
Die Vermarktung und die Ausstattungsstufen variierten jedoch von Land zu Land erheblich: In Deutschland startete das schlicht "J" genannte Basismodell des Starlet bei 17.980 Mark. Ein VW Polo mit 75 PS (aber hinteren Türen) war fast 5.000 DM teurer. 19.980 Mark rief Toyota für den dreitürigen Normal-Starlet auf, der Fünftürer kostete zusätzliche 900 Mark.
Der Starlet weltweit
In Großbritannien startete das Modellangebot zunächst mit der Basisversion 1.3 Sportif und dem gehobeneren 1.3 CD (der serienmäßig über ein CD-Radio und ein Schiebedach verfügte). Zur Modellpflege 1998 wurde das britische Angebot überarbeitet und umfasste fortan das Basismodell 1.3 S, den sportlich angehauchten 1.3 SR (mit Tieferlegung, Heckspoiler und Sportauspuff) sowie die Vollausstattung 1.3 GLS. In der Schweiz entsprach das Topmodell dem Ausstattungsstand 1.3 Crystal.
Den gehobenen Modellvarianten waren Ausstattungsdetails wie ein Fahrerairbag, ein Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber vorne, Fond-Kopfstützen und in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger vorbehalten; ein Antiblockiersystem (ABS) sowie ein Schiebedach blieben meist optionale Extras.
Für das Modelljahr 1998 spendierte Toyota der japanischen Ausführung ein dezentes Facelift mit neu gestalteten Frontstoßfängern, überarbeitetem Kühlergrill, neuen Rückleuchten und aufgefrischten Sitzbezügen. Im Juli 1999 endete schließlich die Produktion der P9-Generation weltweit.
Der Starlet machte Platz für seinen direkten Nachfolger, den Toyota Yaris. Heute gilt der P9 in der Youngtimer-Szene dank seiner extrem langlebigen Technik und unverwüstlichen Mechanik als Paradebeispiel für die sprichwörtliche Toyota-Zuverlässigkeit der 1990er-Jahre.








