Berührungsempfindliche Bedienelemente und Tasten haben möglicherweise das Ende ihrer Karriere erreicht, zumindest in Autos. Es gibt viele Anzeichen für eine entschlossene Rückkehr zu physischen Tasten im Fahrzeuginnenraum, von den Wünschen der Autofahrer bis zu den EuroNCAP-Vorgaben und einigen aktuellen Beispielen dafür.
Man denke nur an die Abkehr von der von vielen Kunden kritisierten Touch-Bedienung am Lenkrad, die beim neuen Golf, Tiguan und Passat durch intuitivere und traditionellere Knöpfe ersetzt wurde. Touchscreens bleiben uns hingegen erhalten, so etwa bis zu 15 Zoll bei den jüngsten VW-Modellen.
Mögliche Quelle der Ablenkung und Gefahr
Hinzu kommt die bereits durchgesickerte Entscheidung von EuroNCAP, Autos, die ab 2026 keine physischen Tasten für bestimmte Fahrzeugfunktionen wie Blinker, Notruf oder Scheibenwischer mehr haben, schlechtere Noten zu geben.
Kurz gesagt, die seitens vieler Hersteller beliebten Touch-Bedienelemente würden beim Fahren ablenken und gefährlich sein. Das ergibt Sinn, schließlich sind die meisten Autofahrer an Blinker links und Scheibenwischer rechts am Lenkrad gewöhnt, um nur ein Beispiel zu nennen.
Aber schauen wir uns doch einmal an, wie die Cockpits von Autos wieder zu physischen Bedienelementen zurückkehren.
Der VW Golf geht einen Schritt zurück
Wie bereits erwähnt, ist das auffälligste Beispiel für eine "Rückkehr zu den Tasten" der neu gestaltete Volkswagen Golf 8, der zum Facelift in diesem Jahr 2024 die physischen Bedienelemente an das Lenkrad zurückgebracht hat. Ein kurzer Vergleich mit dem Vorgängermodell zeigt deutlich den ergonomischen Paradigmenwechsel.
Auf der linken Speiche werden die kaum wahrnehmbaren, berührungsempfindlichen, kapazitiven Bedienelemente unter einer integrierten Kunststoffoberfläche (bei einigen Ausstattungen) für Tempomat, Spurhaltung und Lautstärke durch traditionellere separate Tasten ersetzt.
Das Gleiche geschieht auf der rechten Seite, wo sich die bekannten Volkswagen Bedienelemente für Infotainment, Kombiinstrument, beheiztes Lenkrad und Sprachsteuerung befinden, jetzt aber mit "echten" Tasten und Wippen.
Aus reiner Neugier zeigen wir Ihnen auch die Lenkrad-Bedienelemente des Golf 7 von 2012, mit physischen Tasten, die denen des Golf 8 von 2024 sehr ähnlich sind.
VW Tiguan
Eine ähnliche Rückkehr in die Vergangenheit findet sich auch beim neuen Volkswagen Tiguan der dritten Generation, der demnächst auf den Markt kommt. Die früheren kapazitiven Touchtasten, die in der höchsten Ausstattungsvariante verfügbar waren und auf das Facelift von 2020 zurückgehen, wurden durch neue physische Tasten am Lenkrad ersetzt.
Die Reduzierung der Tasten betrifft die gesamte Mittelkonsole und die Armaturentafel des neuen Tiguan, auf der der große MIB4-Touchscreen mit bis zu 15 Zoll Bildschirmdiagonale zu sehen ist, während die Klimabedienelemente im unteren Teil des Displays untergebracht sind. Auch der Mitteltunnel hat nur noch wenige physische Bedienelemente, die sich in der Praxis auf den Ein-/Aus-Knopf, die elektronische Handbremse und die Lautstärke reduzieren.
Beim Passat Variant sind sie nie verschwunden
Der neue Volkswagen Passat hingegen scheint den umgekehrten Weg zu gehen und alle wichtigen Bedienelemente für die Klimaanlage und das Infotainment im Inneren und unter dem großen 15-Zoll-Touchscreen zu versammeln.
Selbst der Schalthebel auf dem Mitteltunnel ist einem Automatik-Wählhebel auf der rechten Seite der Lenksäule gewichen. Das Lenkrad des neuen Passat Variant hingegen bleibt den physischen Bedienelementen in den Lenkradspeichen wie bisher treu.
Peugeot und die Ergonomie
Ein gutes Beispiel für die ergonomische Entwicklung des Fahrerplatzes kommt von Peugeot und insbesondere von seinen Kleinwagen-Bestsellern, beginnend mit dem 205 über den 206 und 207 bis hin zum kürzlich aktualisierten 208.
Wie Sie auf den Fotos von Armaturenbrett, Lenkrad, Instrumenten, Konsole und Mitteltunnel sehen können, ist das Bestreben des französischen Herstellers, die Nutzung der immer zahlreicheren und notwendigeren Bedienelemente zu vereinfachen und intuitiver zu gestalten, offensichtlich.
Besonders signifikant ist der Fortschritt, der mit dem sogenannten "i-Cockpit" der ersten Generation des Peugeot 208 von 2012 gemacht wurde, mit einem kleinen Lenkrad und darüber angeordneten Instrumenten, während die Bedienelemente für die wichtigsten Funktionen immer physisch geblieben sind.
Bei der zweiten Generation des i-cockpit, die 2019 im 208 debütierte, wurde das Tastenfeld im Stil eines Klaviers unterhalb des Touchscreens für den schnellen Zugriff auf bestimmte Funktionen hinzugefügt. Auch das Lenkrad behält die physischen Tasten bei.
Tesla hat sich von Tasten verabschiedet, aber was machen andere?
Kehren wir für einen Moment zu den Marken zurück, die stattdessen die ausschließliche Touch-Bedienung per Screen und in den Infotainment-Menüs zu ihrem Steckenpferd gemacht haben, wie etwa Tesla oder Lucid.
Das neue Tesla Model 3 zum Beispiel hat keine klassische Hebel mehr an der Lenksäule, sondern Tasten für die Blinker auf der linken Seite des Lenkrads und die Gangwahl auf dem Touchscreen, genau wie alle anderen Bedienelemente.
Dem minimalistischen, knopflosen Weg von Tesla folgen die neueren chinesischen Elektroautohersteller wie BYD, die sich fast ausschließlich auf den Bildschirm im Armaturenbrett verlassen.
Beispiele hierfür sind der BYD Seal (mit mehreren physischen Tasten) oder der Volvo EX90, der aus dem Geely-Konzern stammt. Selbst der neue Renault 5 E-Tech Electric setzt auf Touch-Bedienung.
Historische europäische Marken wie BMW, Mercedes und Porsche scheinen dagegen noch unsicher zu sein, ob sie Teslas "knopflose" Philosophie vollständig übernehmen sollen, und befinden sich derzeit in der Mitte des Weges mit physischen Tasten und Berührungen. Schauen Sie sich nur die Fahrer-Arbeitsplätze des BMW 5er, Porsche Taycan und Panamera oder Mercedes EQS an.
Der Trend zu kapazitiven Tasten, die von einer durchgehenden Kunststoffplatte abgedeckt sind, aber keine haptische Funktion mit Touch-Feedback haben, geht auch an Ferrari nicht vorbei, der Sport- und Luxusmarke schlechthin, die zum Beispiel bei ihrem 296 GTB das Lenkrad mit den unten abgebildeten Bedienelementen anbietet.









