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Mit dem Opel Grandland AWD zum Motor Festival auf Romo

Mit Allrad und viel Power wird der Grandland zum Beach-Toy

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Normalerweise sehen Fahrevents für die Presse immer gleich aus. Man reist an, übernimmt das Fahrzeug und fährt auf vorgegebenen Routen damit durch die Gegend. Aber manchmal erreichen unsere Redaktion Einladungen, die aus dem Einheitsbrei herausstechen. Opel lud uns ein, mit dem neuen Allrad-Grandland zum berühmten Motorfestival auf der dänischen Insel Rømø zu fahren, um dort ein wenig im Sand zu spielen. Müssen wir extra erwähnen, dass wir sofort dabei waren?

Vor wenigen Wochen präsentierte Opel sein Top-Modell Grandland endlich auch mit der Top-Motorisierung. Als Grandland Electric AWD kombiniert das System einen 157‑kW‑Elektromotor vorn mit einem 82‑kW‑Motor hinten - insgesamt ergibt das 239 kW (325 PS) Systemleistung und 509 Nm Drehmoment. Damit schafft er den Sprint von null auf 100 km/h in 6,1 Sekunden.

Opel Grandland Electric AWD Roadtrip Romo

Mit diesem Gerät ging es für mich von Hamburg aus auf die Insel Römö, wo seit einem Jahrzehnt das Römö Motor Festival stattfindet. Mittlerweile ist aus dem kleinen Strandrennen ein ausgewachsenes US-Car-Festival geworden, das direkt auf dem Strand stattfindet und so eine einmalige Kulisse bietet.

Der Sandstrand ist zudem der optimale Untergrund, um den Allradqualitäten des Grandland ... nun ja, auf den Grund zu gehen. Vorher ging es von Hamburg aus erstmal auf die Autobahn Richtung Dänemark.

Hier spielt der große Opel seine Straßenqualitäten erstmal voll aus. Auf den in diesem Modell serienmäßigen "Intelli-Pro-Sitzen" macht Langstrecke tatsächlich Spaß, denn die Sessel lassen sich perfekt an alle Figuren anpassen. Da machen sie ihrem Siegel der "Aktion gesunder Rücken" alle Ehre. Nur dass die heutzutage so beliebte Massagefunktion fehlt, erstaunt ein wenig.

Mit seinem adaptiven Fahrwerk bügelt der Grandland in der Komfortstellung so ziemlich alle Unebenheiten weg, bleibt aber deutlich auf der straffen Seite. Bei der Lenkung sieht das schon anders aus, denn diese ist doch sehr leichtgängig und bietet wenig Rückmeldung. Präzise lenken kann man damit aber problemlos. Im Sportmodus wird sie deutlich straffer, ohne aber spürbar mehr Feedback zu bieten.

Auf der Autobahn ist das aber ziemlich egal. Hier zählt vor allem die Längsdynamik. Die 325 PS des Systems wecken da eine gewisse Erwartungshaltung. Im Komfortmodus zeigt der Grandland dann eine etwas gewöhnungsbedürftige Eigenheit. Beim starken Beschleunigen geht es erstmal etwas verhalten voran, bevor nach 1 - 2 Sekunden gewissermaßen der Nachbrenner gezündet wird.

Grund: In diesem normalen Modus fährt der Grandland zunächst immer als Fronttriebler. Nur bei starker Lastanforderung wird der Heckmotor und damit zusätzliche 82 kW zugeschaltet. Und das merkt man deutlich, genau wie dessen Zwangsabschaltung bei 150 km/h. Danach geht es mit dem Frontmotor deutlich träger bis zum Topspeed von immerhin 180 km/h weiter. Im Sportmodus sind dagegen immer beide Motoren aktiv und die Gedenksekunde beim Beschleunigen entfällt.

Wer derartig fährt, darf sich über hohe Verbräuche nicht wundern. Auf dem Hinweg von Hamburg nach Flensburg bei straffem Autobahntempo flossen durchschnittlich 23 kWh/100km durch die Versorgungskabel der Motoren. Angesichts des hohen Durchschnittstempos gar nicht mal so viel. 

Später auf der Landstraße kam ich problemlos unter die 20 kWh/100 km, mit etwas Mühe sogar in die Nähe der 15. Nach dem Autobahngebolze musste ich bei Flensburg jedenfalls erstmal an die Säule, obwohl der 73-kWh-Akku noch lange nicht leer war. Da wir aber nicht wussten, wie die Ladesituation vor Ort aussieht, stopften wir die Batterie lieber nochmal am Schnellader voll.

Der Grandland zieht offiziell bis zu 160 kW, in diesem Fall waren es nur kurzzeitig 115 kW, wonach sich die Leistung bei ca. 80 kW einpendelte. Das hängt eben auch immer von der Auslastung der Säule und des ganzen Ladeparks ab. Eine kurze Kaffeepause später ging es mit vollen Akkus weiter nach Dänemark.

Da wir einen Tag vor dem Festival in Römö - übrigens eine Nachbarinsel von Sylt - ankamen, konnten wir noch selbst problemlos auf den riesigen für Fahrzeuge zugelassenen Strandabschnitt fahren. Es ist schon ein einmaliges Gefühl, so einfach direkt an der Wasserkante den Strand entlangzufahren. Als Deutschem sitzt einem dabei anfangs noch stets ein kleines schlechtes Gewissen im Nacken, schließlich würde man zu Hause auf diese Art ganz sicher ganz schnell jede Menge Probleme bekommen. Hier nicht.

Hier konnten wir mit dem Grandland und seinem vollelektrischen Allradantrieb nach Herzenslust im Sand spielen. Wobei der große Opel dem Spieltrieb eine ganze Menge elektronischer Hürden entgegensetzt. Die hier hinderliche Traktionskontrolle lässt sich zwar "abstellen", aber wie der aufmerksame Leser bereits an den Gänsefüßchen erkennt, ist "Aus" mitnichten auch wirklich "Aus".

Mehr als ein bisschen Schlupf beim Anfahren lässt die sicherheitsorientierte Elektronik trotzdem nicht zu. Wer meint, jetzt nach Herzenslust driften zu können, ist hier an der falschen Adresse. Schließlich ist der Grandland kein Beach-Buggy, sondern ein ernsthaftes SUV.

Mit ein wenig Gegenpendeln waren aber durchaus ein paar gepflegte Slides möglich. Und auch ein paar amtliche Sandfontainen ließ sich der sonst so seriöse Opel mit ein wenig Überredung entlocken, sodass mit ein wenig Übung das Ganze sehr spaßig wird.

Viel beeindruckender noch ist die Leichtigkeit, mit der sich der Grandland auch aus Tiefsand wühlt. Wie ein echter Geländewagen schreckt der Opel vor keiner noch so tiefen Sandkuhle zurück und kommt trotz der glatten Straßenreifen überall durch. Hier macht sich die vorher etwas hinderliche Elektronik nun voll bezahlt, denn dank der feinfühligen Regelung schafft der Grandland in Sachen Traktion Dinge, die man ihm nie zutrauen würde. Sogar beherzte Wasserdurchfahrten steckt er locker und ohne Probleme weg.

DAS Festival für US-Classic-Fans

Am nächsten Tag verwandelte sich der Strand in eine Mischung aus Racetrack und Festivalgelände. Und die Zuschauer kamen in Strömen. Kein Wunder, denn hier ist alles gratis, nichts kostet Eintritt oder Parkgebühren. Mehrere Zehntausend Gäste kamen am Samstag auf die Insel und wurden von unzähligen Ordnern und Pylonen auf ihre Plätze verwiesen. Wie sich das Ganze finanziert? Keine Ahnung …

Alleine die Rennstrecke auf dem Strand, die von mehreren Baggern aufwendig vorbereitet und umfassend abgesperrt wurde, ist mit ihrer professionellen Zeitnahme und der vollumfänglichen Beschallung sicher nicht ganz billig gewesen.

Hier auf der klassischen 1/8 Meile waren nur Vorkriegsfahrzeuge startberechtigt. Auch alles, was an Leistungssteigerungen etc. verbaut wurde, darf nicht neuer als von 1947 sein. Entsprechend interessant war das bunte Starterfeld. Vor allem die wagemutigen Motorradfahrer machten auf der rutschigen Sandpiste eine große Show.

Die richtig große Show fand aber eher am Rande des Rennens statt. Direkt neben der Strecke waren ausschließlich Fahrzeuge bis Baujahr 1958 parkberechtigt. Und offenbar nutzt die gesamte europäische US-Car-Szene die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Die Qualität der hier gezeigten Fahrzeuge ist absolut atemberaubend und braucht sich auch im globalen Vergleich nicht zu verstecken. Aber auch auf den normalen Besucherparkplätzen tummelten sich unzählige wirklich heißer US-Cars meist jüngeren Baujahrs. Eine absolute Reizüberflutung!

Motor Festival Romo Die heißesten Kisten

Inmitten dieser tollen Autos zogen wir mit unserem Grandland unsere Bahnen und nutzten die Gelegenheit für ein paar Fotos. Auch wenn Opel schon lange nicht mehr zum GM-Konzern gehört und somit keinerlei Verbindung zur US-Szene hat, ernteten wir keine bösen Blicke. Ganz im Gegensatz zum Tesla Model Y, das sich frech auf einen prominenten Parkplatz stellte und sehr kritisch beäugt wurde. Obs an der Elektro-Technik oder doch an Elon liegt? Man weiß es nicht …

Insgesamt war die Stimmung aber mehr als entspannt und alle Beteiligten hatten einfach nur Spaß. Das galt auch für uns, die wir Tags darauf den Heimweg antreten mussten. Unser Fotograf und ich nutzten die Gelegenheit für eine kleine Verbrauchs-Challenge. Obwohl die Strecke fast nur aus Autobahnkilometern bestand, konnte der Sieger einen Verbrauch von 16,7 kWh/100 km herausfahren, ohne jedoch zum Verkehrshindernis zu werden. Wer gewonnen hat? Ich habe versprochen zu schweigen ...

Der Grandland hat jedenfalls bewiesen, dass er mit Allrad auch handfeste Offroad-Qualitäten besitzt, die ihm mancher nicht zutrauen würde. Und diese Qualitäten ausgerechnet auf einem Strand im Rahmen des Motor Festivals auszuloten, war schon ein besonderes Privileg. Wer also sich das Ganze selbst mal anschauen möchte: Im nächsten Jahr feiert das Römö Motor Festival 10-jähriges Jubiläum!

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