Brutal. Absurd. Atemberaubend. Das sind die Attribute, die einem beim Tritt auf das Gas... äh... Strompedal als Erstes durch den Kopf schießen. Über 1.000 PS unter dem rechten Fuß hat man auch als gestandener Automobil-Journalist nicht jeden Tag. Ehrlich gesagt ist es sogar meine erste vierstellige Vorstellung. Und es ist bei jedem Stromstoß erneut tief beeindruckend. Aber wie schlägt sich der Rest des Tesla Model S Plaid im Test? Schließlich ist das hier der Urmeter von Tesla und die flache Limo ist bereits seit mehr als 10 Jahren am Markt.
Über 750 kW (1.020 PS) in einer Limousine sind schlicht absurd. Das Tesla Model S Plaid beschleunigt in 2,1 Sekunden auf 100 km/h und gehört damit nebenbei bemerkt zu den 15 schnellsten Serienfahrzeugen - als Limousine unter all den Supercars! Damit ist er nur ganz knapp langsamer als der Bugatti Tourbillon und schneller als ein Ferrari F80 ... Nur mal so zur Einordnung.
Der Name "Plaid" stammt aus der Komödie "Spaceballs" und beschreibt das Karomuster, das bei Lichtgeschwindigkeit angeblich entsteht. Passt irgendwie. Als Trekki könnte man sich sicher auch mit dem Namen "Warp" anfreunden. Das Elektroauto ist seit 2012 am Markt, wirkt mit seinen schwarzen Applikationen und der Carbon-Abrisskante aber erstaunlich frisch.
Die drei Elektromotoren liefern eine Performance, die jeder objektiven Betrachtung spottet. Bei 130 km/h Vollgas zu geben, fühlt sich an wie ein krasser Heckaufprall. Der Schub ist brutal, nahezu lautlos und hört bis zur Höchstgeschwindigkeit einfach nicht auf. Dabei bleibt die Leistung stets erstaunlich dosierbar und beherrschbar. Was sich anhört wie der sprichwörtliche Ritt auf der Kanonenkugel, ist in Wahrheit easy zu handeln. Wenn man etwas Selbstbeherrschung hat.
Selbst auf Winterreifen regelt die Elektronik unmerklich und präzise. Der Verbrauch ist überraschend moderat. Wer es ruhig angehen lässt, bleibt unter 20 kWh pro 100 km. Die Batterie ermöglicht laut WLTP eine Reichweite von 611 Kilometern, was für ein derart leistungsstarkes Elektroauto beachtlich ist.
Doch dann kommt das Yoke-Lenkrad ins Spiel, und die Begeisterung bekommt einen herben Dämpfer. Die obere Hälfte fehlt komplett, was aussieht wie ein Steuerhorn aus dem Cockpit. Umgreifen beim Einparken? Fehlanzeige. Dazu kommen Blinkertasten am Lenkrad, die im Kreisverkehr konsequent in die nicht mehr erreichbar sind, sobald man lenkt. Tesla hat diese Lösung bei Model 3 und Model Y bereits rückgängig gemacht, beim Model S bleibt sie bestehen. Auch die Rückbank enttäuscht wegen des extrem hohen Fahrzeugbodens, der zu stark angewinkelten Beinen führt. Für eine Luxuslimousine dieser Preisklasse ist das schwach.
Der 17,4-Zoll-Touchscreen dominiert das Cockpit und lässt sich zum Fahrer oder Beifahrer neigen. Die Bedienung funktioniert gut, wenn man sich an die Tesla-Logik gewöhnt hat. Apple CarPlay oder Android Auto gibt es allerdings nach wie vor nicht, was für viele Interessenten ein Ausschlusskriterium darstellt. Der kamerabasierte Autopilot funktioniert nur bis 140 km/h, für ein Elektroauto mit bis zu 322 km/h Spitze ein diesmal echter Yoke. Das Luftfahrwerk hingegen überzeugt mit einer breiten Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit.
Mit einem Grundpreis von 119.990 Euro ist das Model S Plaid erstaunlich günstig positioniert. Ein Porsche Taycan Turbo S mit 700 kW (952 PS) startet bei rund 210.000 Euro, der noch stärkere Lucid Air mit 831 PS kostet ab 130.900 Euro. Wer eine Sportlimousine mit absurden Fahrleistungen sucht und die Bedien-Eigenheiten akzeptiert, findet hier ein konkurrenzloses Elektroauto. Komfort-Puristen sollten sich anderswo umsehen.
Den ausführlichen Testbericht mit allen Eindrücken und Bildern finden Sie auf InsideEVs.de.








