Kia EV5 (2026) im ersten Test: Der bessere ID.4?

Mit viel Charisma, geräumigem Innenraum und solider Technik greift der EV5 in der hart umkämpften Klasse der elektrischen Kompakt-SUVs an

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Kia macht ernst. Und zwar so richtig. Während viele Hersteller noch über ihre künftige Elektro-Strategie grübeln, rollen die Koreaner ein komplett neues Modell nach dem anderen aus. Nach dem Flaggschiff EV9, dem kompakten Crossover EV4 und dem kleinen City-Stromer EV3 kommt jetzt der Kia EV5.

Ein vollelektrischer Kompakt-SUV, der mitten in Europas größtes und am härtesten umkämpftes Fahrzeugsegment zielt. Er soll die elektrische Alternative zum extrem erfolgreichen Sportage sein und eine Lücke füllen, von der man bisher kaum wusste, dass sie existiert.

Kia EV5 (2026) im Test

Mit kantigem Design, einem versprochenen Lounge-Ambiente im Innenraum und einem sparsamen Antrieb will er Konkurrenten wie dem VW ID.4, Skoda Enyaq oder dem Hyundai Ioniq 5 das Leben schwer machen. Ob ihm das gelingt, konnte ich bei einer ersten Testfahrt rund um Barcelona herausfinden.


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Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment | Kosten | Fazit

Schnelle Daten Kia EV5 GT-Line (2026)
Modell Kia EV5 GT-Line
Antrieb Elektromotor, Frontantrieb
Leistung 160 kW / 218 PS
Drehmoment 295 Nm
0-100 km/h 8,4 s
Vmax 165 km/h
Batterie 81,4 kWh netto
WLTP-Reichweite 505 km (GT-Line)
Verbrauch (Test) 16,2 kWh/100 km
Leergewicht ab 2.069 kg
Preis ab 45.990 Euro (Testwagen: 56.070 Euro)

Karosserie

Schon auf den ersten Blick macht der EV5 klar, dass er kein weichgespülter Allrounder sein will. Sein Design ist ein Statement. Inspiriert von der "Opposites United"-Philosophie trägt er eine kantige, fast schon bullige Karosserie zur Schau, die ihn eine Klasse größer wirken lässt, als er mit seinen 4,61 Metern Länge tatsächlich ist.

Die Front wird vom typischen "Star Map"-Leuchtband dominiert, das dem Wagen eine enorme Präsenz verleiht. Die klaren Linien und scharfen Kanten heben ihn wohltuend aus der Masse der runderen SUV-Designs hervor und grenzen ihn bewusst vom filigraneren Verbrenner-Bruder Sportage ab. Das extrovertierte Design ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber es ist mutig und charakterstark. Gerade in der Testwagen-Farbe "Snow White Pearl" mit den schwarzen Applikationen der GT-Line steht er satt auf seinen 19-Zoll-Rädern.

Bilder von: InsideEVs.de

Ein Aha-Effekt des EV5 offenbart sich aber erst beim Einsteigen. Man wird von einem Raumgefühl empfangen, das in dieser Klasse seinesgleichen sucht. Vorne thront man hoch auf sehr bequemen Sitzen, die sich dank verstellbarer Seitenwangen perfekt an den Körper anpassen lassen und sogar über eine Belüftungsfunktion verfügen.

Eine klassische, trennende Mittelkonsole fehlt. Stattdessen gibt es ein riesiges, offenes Fach im Boden und darüber eine schwebende Konsole mit weiteren Ablagen. Das schafft eine unglaubliche Bewegungsfreiheit für den Fahrer. Lediglich die recht breite Türverkleidung rückt dem linken Ellbogen etwas näher, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.

Das Ambiente ist Kia diesmal exzellent gelungen. Viele unterschäumte Flächen, zweifarbige Sitze, ein zweifarbiges Lenkrad und eine Ambientebeleuchtung, die sich einmal quer durchs Cockpit zieht, erzeugen ein hochwertiges Flair. Selbst die Hartplastikteile wirken durch ihre Struktur nicht billig.

Noch beeindruckender ist das Platzangebot im Fond. Der Knieraum ist sehr großzügig bemessen, sodass ich mit 1,87 Meter ganz locker hinter mir selbst sitzen kann. Da der Fahrzeugboden für ein E-Auto erfreulich niedrig ist, sitzen auch großgewachsene Passagiere mit einem relativ entspannten Kniewinkel. Zusätzlichen Komfort spendet die neigungsverstellbare Rücksitzlehne, die eine fast schon liegende Reiseposition ermöglicht.

Ein besonderes Highlight, gerade im sonnigen Hinterland Kataloniens, war das große Panorama-Glasdach, das sich - eine Seltenheit bei modernen E-Autos - sogar öffnen lässt und den Innenraum mit Licht und Frischluft flutet. Auch der Kofferraum ist mit 566 Litern (plus 44,4 Liter im Frunk) üppig bemessen und lässt sich dank der ebenen Ladefläche bei umgeklappten Sitzen auf bis zu 1.650 Liter erweitern.

Abmessungen Kia EV5 (2026)
Länge 4.610 mm
Breite (ohne Spiegel) 1.875 mm
Höhe 1.675 mm
Radstand 2.750 mm
Kofferraum 566 - 1.650 Liter (+ 44,4 Liter Frunk)
Leergewicht 2.069 - 2.169 kg
Anhängelast (gebremst) 1.200 kg

Antrieb

Unter dem Blech des EV5 steckt die bekannte E-GMP-Plattform des Konzerns, hier allerdings in ihrer 400-Volt-Ausführung und ausschließlich mit Frontantrieb. Der Elektromotor leistet 160 kW (218 PS) und liefert ein Drehmoment von 295 Newtonmetern. Gespeist wird er von einer 81,4 kWh großen Batterie, die für eine WLTP-Reichweite von 505 Kilometern in der GT-Line gut sein soll. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 165 km/h abgeregelt, der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 8,4 Sekunden.

Auf dem Papier sind das solide, aber keine atemberaubenden Werte. Und genau dieser Eindruck bestätigt sich auf der Straße. Die Motorleistung wirkt für ein Auto dieser Größe und dieses Gewichts eher überschaubar. Wer von einem E-Auto den typischen brachialen Punch beim Tritt aufs Fahrpedal erwartet, wird hier enttäuscht.

Der EV5 beschleunigt souverän und absolut ausreichend für den Alltag, aber ein Lächeln zaubert die Performance nicht ins Gesicht. Selbst im Sportmodus, wo das Ansprechverhalten spürbar direkter ist, bleibt der ganz große Schub aus. Das ist kein Manko, sondern eine klare Auslegung auf Effizienz und Komfort statt auf pure Sportlichkeit.

Und dass diese Rechnung aufgeht, zeigt der Blick auf den Bordcomputer. Auf unserer durchaus sportlich gefahrenen Testrunde durch die anspruchsvollen katalanischen Berge stand am Ende ein Verbrauch von nur 16,2 kWh/100 km zu Buche.

Das ist angesichts der Fahrzeuggröße und der Fahrweise ein exzellenter Wert. Mittels der Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperation in mehreren Stufen bis hin zum Ein-Pedal-Fahren justieren, was den Verbrauch weiter optimieren kann. Geladen wird an DC-Säulen mit bis zu 150 kW, womit der Akku in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt ist. Auch keine Rekordwerte, passt aber ins Bild.

Motor & Fahrleistungen Kia EV5 GT-Line (FWD)
Motor Permanentmagnet-Synchronmaschine
Leistung 160 kW / 218 PS
Drehmoment 295 Nm
Antrieb Frontantrieb
0-100 km/h 8,4 s
Vmax 165 km/h
Batteriekapazität (netto) 81,4 kWh
Verbrauch WLTP (GT-Line) 17,8 kWh/100 km
Verbrauch Test 16,2 kWh/100 km
DC-Laden bis 150 kW (10-80% in 30 Min.)
AC-Laden 11 kW

Fahrverhalten

Das Fahrwerk des Kia EV5 ist ein gelungener Kompromiss. Es ist eher auf der straffen Seite abgestimmt, was dem Auto eine satte Straßenlage verleiht und die Seitenneigung in Kurven angenehm geringhält. Trotzdem werden Bodenwellen und Unebenheiten souverän geschluckt, sodass der Reisekomfort auch auf längeren Strecken nicht leidet.

Nähert man sich dem Grenzbereich, schiebt der EV5 durch sein hohes Gewicht und den Frontantrieb gutmütig über die Vorderräder und wird von der Elektronik sanft und sicher wieder eingefangen. Das sorgt für ein hohes Maß an Fahrsicherheit.

Die einzige echte Schwäche des Antriebskonzepts zeigt sich beim Beschleunigen aus engen Kurven auf nicht ganz trockener Fahrbahn. Hier haben die Vorderräder spürbar Mühe, die 295 Nm auf die Straße zu bringen. Die Traktionskontrolle greift dann massiv und spürbar ein und bremst die Leistung so lange ein, bis das Lenkrad wieder gerade steht und die Reifen vollen Grip haben.

Die Lenkung hingegen gefällt ausgesprochen gut. Im Normal-Modus ist sie sehr leichtgängig und trotzdem präzise. Wechselt man in den Sport-Modus, wird sie spürbar straffer und vermittelt eine gute Rückmeldung von der Straße, ohne dabei künstlich oder übertrieben hart zu wirken.

Zusammen mit dem hervorragenden Geräuschkomfort ergibt sich ein sehr entspanntes und souveränes Fahrgefühl. Bis zu den in Spanien erlaubten 120 km/h dringen kaum Wind- oder Abrollgeräusche in den Innenraum. Der Antrieb arbeitet flüsterleise, solange man auf die synthetische Motorgeräusch-Verstärkung verzichtet. Der EV5 ist eine echte Reiselimousine im SUV-Format.

Infotainment und Bedienung

Im Cockpit blickt der Fahrer auf das neue, dreigeteilte Panoramadisplay. Es besteht aus einem digitalen Fahrerinstrument, einem zentralen Infotainment-Touchscreen und einem dazwischen liegenden, kleineren Klima-Display. Die Anzeigen sind gestochen scharf, das Head-up-Display liefert alle wichtigen Informationen direkt ins Sichtfeld.

Leider wird das kleine Klima-Display fast vollständig vom Lenkradkranz verdeckt, was die Bedienung während der Fahrt erschwert. Glücklicherweise hat Kia dem EV5 aber eine separate Leiste mit echten, physischen Kippschaltern für die wichtigsten Klimafunktionen spendiert, ein Segen in der heutigen Touch-dominierten Autowelt.

Bilder von: Kia

Ein wiederkehrendes Ärgernis ist die Platzierung der berührungsempfindlichen Schnellwahltasten für Navigation, Medien und Co. direkt unterhalb des Haupt-Touchscreens. Man stützt unweigerlich die Hand genau dort ab, wenn man den Bildschirm bedienen will, und löst so ständig ungewollt Funktionen aus. Das nervt maximal. Testet sowas keiner der Ingenieure mal?

Erfreulich unkompliziert ist hingegen das Abschalten der oft nervigen Assistenzsysteme. Ein langer Druck auf die Lautstärke-Taste deaktiviert die Tempowarnung, ein langer Druck auf die Spurhalter-Taste den Lenkeingriff. Nur der neue, kamerabasierte Aufmerksamkeitsassistent lässt sich lediglich tief im Menü bändigen. Dennoch piept und blinkt es auch bei deaktivierten Helfern noch erstaunlich oft im Auto, ohne dass immer ersichtlich ist, warum.

Kosten

Der Einstieg in die Welt des Kia EV5 beginnt bei 45.990 Euro für die bereits gut ausgestattete "Air"-Version. Die mittlere Linie "Earth" startet bei 48.990 Euro. Unser Testwagen in der sportlichen Top-Ausstattung GT-Line kostet mindestens 51.990 Euro. Mit dem DriveWise-Paket, dem Panorama-Schiebedach und der Perleffekt-Lackierung summierte sich der Preis auf 56.070 Euro.

Das ist ein selbstbewusster Tarif, der aber angesichts des Gebotenen fair erscheint. Ein Blick zur Konkurrenz zeigt: Ein VW ID.4 Pro mit ähnlicher Leistung (210 kW) und Reichweite startet aktuell bei 48.635 Euro, ist aber in der Basis oft karger ausgestattet. Ein Skoda Enyaq 85 beginnt bei 48.900 Euro, ein Hyundai Ioniq 5 mit der großen Batterie und 168 kW bei 50.700 Euro. Der Kia EV5 positioniert sich hier also wettbewerbsfähig im oberen Mittelfeld, punktet aber vor allem mit seinem riesigen Innenraum und der umfangreichen Serienausstattung in den höheren Linien.

Fazit

Der Kia EV5 ist mehr als nur eine weitere Nummer im Elektro-Portfolio der Koreaner. Er ist ein extrem durchdachtes, geräumiges und komfortables Elektro-SUV, das in vielen Disziplinen überzeugt. Sein größtes Pfund ist das sehr großzügige Platzangebot im Innen- und Kofferraum, das ihn zur perfekten Wahl für Familien macht.

Dazu gesellen sich ein hochwertiges Ambiente, ein exzellenter Geräuschkomfort und ein im Praxistest beeindruckend niedriger Verbrauch. Das mutige, kantige Design hebt ihn wohltuend aus der Masse hervor und zeigt, dass Kia nicht davor zurückschreckt zu polarisieren.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Motorleistung dürfte für den einen oder anderen etwas druckvoller sein, die Traktionsschwäche des Frontantriebs bei Nässe ist spürbar und die Bedienung des Infotainments hat ihre kleinen Tücken. Doch diese Punkte ändern nichts am hervorragenden Gesamteindruck.

Der EV5 ist kein Sportler, sondern ein unglaublich souveräner und effizienter Gleiter für Alltag und Reise. Er beweist eindrucksvoll, dass ein Elektroauto nicht nur emissionsfrei, sondern auch extrem praktisch und begehrenswert sein kann. Die Konkurrenz im Kompakt-SUV-Segment muss sich warm anziehen.

© InsideEVs.de
Autor: Christopher Otto