Ford Cortina (1962-1982): Das wahre Auto der Winterspiele

Er war einst der britische Mittelklasse-König. Berühmt wurde die Lotus-Version

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Kürzlich begannen die Olympischen Winterspiele 2026 in Cortina d'Ampezzo, Mailand und einigen kleineren Orten der Region. Beim offiziellen Namen "Cortina Milano" kam dem Auto-Nerd unweigerlich ein bestimmtes Modell in den Sinn, welches hierzulande eher unbekannt ist. 

Der Ford Cortina war ein mittelgroßes Familienauto, das Ford zwischen 1962 und 1982 in verschiedenen Karosserievarianten produzierte. In den 1970er-Jahren entwickelte er sich zum meistverkauften Pkw im Vereinigten Königreich und prägte dort über zwei Jahrzehnte das Straßenbild. Es ist dort die Mittelklasse schlechthin, auch das Trio Clarkson/Hammond/May schwelgte vor geraumer Zeit in Kindheitserinnerungen. 

Produziert wurde der Cortina in fünf Generationen von Mark I bis Mark V, wobei die letzte Ausbaustufe offiziell als "Cortina 80" auf Basis des Mark IV geführt wurde. Ab 1970 näherte sich das Modell technisch und konstruktiv zunehmend dem deutschen Ford Taunus an. Beide Fahrzeuge nutzten fortan eine gemeinsame Plattform, was Teil der europäischen Vereinheitlichungsstrategie von Ford war. Ab 1976 waren Cortina und Taunus weitgehend identisch.

1982 löste der Ford Sierra den Cortina in Europa ab. In Asien und Australasien übernahm der auf dem Mazda 626 basierende Ford Telstar diese Rolle. In Südafrika blieb der Cortina, einschließlich einer Pick-up-Version, noch bis 1987 im Programm.

Die erste Generation, der Mark I, wurde am 20. September 1962 vorgestellt. Entwickelt wurde das Fahrzeug im Ford-Werk Dagenham unter dem Projektnamen "Archbishop" (Erzbischof). (Köln kümmerte sich um den "Cardinal" (Kardinal) alias Taunus 12M.) Chefdesigner war Roy Brown Jr., der zuvor für den Mega-Flop Edsel verantwortlich gewesen war.

Der Cortina richtete sich an Käufer von Modellen wie dem Morris Oxford Farina oder dem Vauxhall Victor. Ziel war ein preisgünstiges, einfach zu produzierendes und kostengünstig zu unterhaltendes Auto. Ford UK entschied sich bewusst gegen den Frontantrieb des zeitgleichen deutschen Taunus P4 und setzte auf klassischen Hinterradantrieb.

Zunächst als Consul Cortina vermarktet, wurde das Modell nach einem Facelift 1964 nur noch als Cortina angeboten. Erhältlich war der Mark I als zwei- und viertürige Limousine sowie als Kombi. Die Motorenpalette reichte von 1,2 bis 1,6 Liter Hubraum. Besondere Bekanntheit erlangte der Cortina Lotus mit einem von Lotus entwickelten Twin-Cam-Motor, Leichtbauelementen aus Aluminium und sportlicher Auslegung.

1966 folgte der Mark II, gestaltet von Roy Haynes. Er war kürzer, aber breiter als sein Vorgänger und bot mehr Innenraum. Technische Verbesserungen betrafen Fahrwerk, Bremsen und Motoren. 1967 wurde der Cortina erstmals das meistverkaufte Auto Großbritanniens und verdrängte damit die BMC-Modelle 1100/1300 von der Spitze. Mit Versionen wie dem luxuriös ausgestatteten 1600E gewann der Cortina zusätzlich an Image.

Der Mark III erschien 1970 und entstand im Zuge der Fusion von Ford of Britain und Ford of Germany. Intern als Taunus-Cortina (TC) bezeichnet, markierte er die endgültige Zusammenführung beider Modellreihen. Sein Design folgte der damals aktuellen "Coke-Bottle"-Linie. Er teilte sich die Plattform mit dem "Knudsen-Taunus" von Ford Köln, war aber optisch noch deutlich anders. Trotz gleicher Länge wuchs die Breite deutlich, was dem Innenraum zugutekam. Der Cortina entwickelte sich Anfang der 1970er-Jahre erneut zum meistverkauften Auto Großbritanniens, auch wenn Produktionsprobleme und Streiks den Marktstart bremsten.

1976 kam der Mark IV auf den Markt. Er zeigte ein kantigeres, sachlicheres Design und sprach vor allem Flottenkunden an. Nun gab es optisch keine Unterschiede mehr zwischen Cortina und Taunus. Technisch blieb er eng mit dem Mark III verwandt. Erstmals führte Ford die Ausstattungsvariante Ghia als Spitzenmodell ein. Trotz anhaltender Verkaufserfolge litt der Mark IV unter Korrosionsproblemen, was seine heutige Seltenheit erklärte.

Der Mark V wurde 1979 vorgestellt und stellte eine umfassende Überarbeitung des Mark IV dar. Ford vermarktete ihn als "Cortina 80". Die Verbesserungen betrafen Aerodynamik, Innenraum, Motoren und Korrosionsschutz. Zahlreiche Sondermodelle, darunter Crusader und Huntsman, markierten das Ende der Baureihe. Am 22. Juli 1982 lief der letzte Cortina in Dagenham vom Band.

Insgesamt verkaufte Ford mehr als 2,8 Millionen Cortina allein in Großbritannien. Zwischen 1972 und 1981 war er in neun von zehn Jahren das meistverkaufte Auto des Landes. Auch nach Produktionsende blieb der Cortina lange präsent und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der britischen Alltags- und Popkultur.

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Autor: Roland Hildebrandt