Stellantis: Über 22 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2025

Grund dafür sei die strategische Neuausrichtung nach dem Abgang von CEO Carlos Tavares

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Nun hat auch der Stellantis-Konzern sein "Dieselgate". Zumindest finanziell. Die Neuausrichtung nach dem Abgang von CEO Carlos Tavares kostet gigantische Milliardensummen. In der Mitteilung zum Konzernergebnis 2025 rechnet zudem der neue CEO Antonio Filosa deutlich mit seinem Vorgänger und dessen Strategie ab.

Sehen wir uns zunächst die Zahlen an. Es hilft, die Summe auszuschreiben, um sich ihre Dimension zu vergegenwärtigen: 22.300.000.000 Euro. So hoch war der Netto-Verlust des Stellantis-Konzerns im Jahr 2025. Wörtlich heißt es dazu:

"Nettoverlust von 22,3 Mrd. Euro aufgrund von außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von 25,4 Mrd. Euro für das Gesamtjahr; zurückzuführen in erster Linie auf eine strategische Neuausrichtung, mit der die Wünsche und die Wahlfreiheit unserer Kundinnen und Kunden wieder in den Mittelpunkt der Unternehmenspläne gestellt werden."

Kritik am alten CEO

CEO Antonio Filosa nennt durch die Blume den Hauptgrund für den riesigen Verlust, ohne dessen Namen konkret zu nennen: "Unsere Ergebnisse für das Gesamtjahr 2025 spiegeln die Kosten wider, die durch eine Überschätzung des Tempos der Antriebswende entstanden sind und durch die Notwendigkeit unserer geschäftlichen Neuausrichtung, um unseren Kundinnen und Kunden die freie Wahl zwischen allen verfügbaren Antrieben zu bieten: von Elektro über Hybrid bis zum Verbrenner.

In der zweiten Jahreshälfte haben wir erste positive Anzeichen für Fortschritte gesehen, darunter erste Ergebnisse unserer Bemühungen zur Qualitätsverbesserung, die erfolgreiche Einführung unserer neuen Produkte und einer Rückkehr zum Umsatzwachstum. Im Jahr 2026 werden wir uns darauf konzentrieren, die Umsetzungslücken der Vergangenheit weiter zu schließen und unserer Rückkehr zu profitablem Wachstum weiteren Schwung zu verleihen."

Immerhin, es gibt auch positive Signale: Stellantis hat in der zweiten Jahreshälfte 2025 eine stabile Geschäftsentwicklung verzeichnet. Die konsolidierten Auslieferungen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 277.000 Fahrzeuge beziehungsweise 11 Prozent auf insgesamt 2,8 Millionen Einheiten. Das Wachstum verteilte sich auf alle Regionen, die durchweg höhere Absatzzahlen meldeten.

Den größten Beitrag leistete Nordamerika mit einem Zuwachs von 231.000 Fahrzeugen, was einem Plus von 39 Prozent entspricht. Ausschlaggebend waren eine im Vergleich zum Vorjahr normalisierte Bestandsentwicklung nach der damaligen Lagerabbauinitiative sowie eine insgesamt stärkere Marktdynamik in der Region. Parallel dazu erhöhte sich der Nettoumsatz des Konzerns im zweiten Halbjahr 2025 um zehn Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

2026: Mehr Verbrenner für mehr Wachstum

Für das Jahr 2026 rechnet der Konzern mit zusätzlichen Wachstumsimpulsen durch eine deutlich ausgeweitete Modelloffensive, die sowohl regionale Marktanforderungen als auch unterschiedliche Antriebstechnologien stärker abdecken soll.

In Nordamerika steht dabei die Rückkehr in volumenstarke Segmente im Mittelpunkt. Neue Modelle der Marken Jeep und Dodge markieren den Wiedereinstieg in das Segment mittelgroßer SUVs sowie in das klassische Muscle-Car-Portfolio mit Verbrennungsmotoren. Ergänzend sollen zusätzliche Varianten der Marke Ram, darunter leistungsstarke Pick-up-Versionen mit V8, die Nachfrage weiter stabilisieren und insbesondere margenstarke Fahrzeugklassen stärken.

In Südamerika verfolgt Stellantis eine stärker fokussierte Strategie mit klarer Ausrichtung auf lokal relevante Fahrzeugsegmente. Dort übernimmt ein mittelgroßer Pick-up die Rolle eines strategischen Kernmodells, das sowohl gewerbliche als auch private Kunden adressiert und aufgrund seiner Marktposition im wachstumsstarken Pick-up-Segment als zentraler Volumenträger fungieren soll. Ziel ist es, Marktanteile in einem traditionell robusten Nutzfahrzeugumfeld auszubauen und gleichzeitig die Profitabilität durch lokal angepasste Produktkonfigurationen zu sichern.

In der Region Enlarged Europe liegt der Schwerpunkt dagegen auf der Elektrifizierung und einer breiten technologischen Diversifizierung des Angebots. Batterieelektrische Modelle der Marken Citroën und Jeep erweitern das Portfolio im volumenstarken C-SUV-Segment und sollen insbesondere Flottenkunden sowie emissionssensiblere Märkte ansprechen. Parallel dazu ergänzt ein neuer Mildhybrid-Verbrenner im Fiat 500 das Angebot im Kleinwagensegment. Alfa Romeo bringt seine Quadrifoglio-Modelle mit V6 zurück.

Durch diese Kombination aus BEV- und Hybridmodellen will Stellantis regulatorische Anforderungen erfüllen, unterschiedliche Preisniveaus bedienen und gleichzeitig eine größere Kundengruppe erreichen.

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Autor: Roland Hildebrandt