Der Vergleich zwischen dem VW ID. Polo (oft auch als Serienversion der Studie ID.2all bezeichnet) und dem Kia EV2 markiert das nächste große Kapitel der Elektromobilität: den Kampf um das bezahlbare Segment der Kleinwagen. Beide Fahrzeuge zielen auf einen Einstiegspreis von rund 25.000 Euro ab, verfolgen dabei aber grundlegend unterschiedliche Design- und Technikphilosophien.
Jetzt konnten wir das Duo im Rahmen des "Car Design Event" 2026 in München erstmals live begutachten und direkt miteinander vergleichen. Beim ID. Polo handelte es sich um ein noch getarntes Vorserienfahrzeug. Erst Ende April kann er in voller Pracht bewundert werden. Doch trotz der bunten Beklebung wird bereits klar: Unter der Regie von Designchef Andreas Mindt setzt VW wieder auf eine klassische Formgebung im Gegensatz zum futuristischen ID.3.
Kein Wunder, schließlich soll der Elektro-Polo die breite Masse ansprechen. Auffallend ist die breite C-Säule im Stil des Golf. Hinzu kommen recht schmale LED vorne wie hinten, das Logo ist dort zudem beleuchtet. Dieses Feature dürfte aber der Topausstattung vorbehalten bleiben.
Optik und Design
Während Volkswagen mit dem ID. Polo also auf ein klassisches Steilheck-Design setzt, das stark an die Proportionen von Golf und Polo erinnert, schlägt Kia mit dem EV2 eine andere Richtung ein. Der Kia ist als kompakter Crossover konzipiert. Mit einer Länge von gut 4,05 Meter sind beide Fahrzeuge nahezu identisch lang, doch der EV2 baut mit etwa 1,58 Metern höher als der VW (1,53 Meter).
Der Kia wirkt durch seine kantige "Opposites United"-Designsprache robuster und erinnert an ein geschrumpftes SUV, während der VW ID. Polo bewusst zeitlos und aerodynamisch glatt (cW-Wert von 0,26) gestaltet ist. Etwas merkwürdig sind die tiefen Rückleuchten beim Kia. Als nicht optimal empfinden wir die Hebeltürgriffe des EV2, der ID. Polo bietet vorne solide Bügel. Hinten aber aus Kostengründen Klappgriffe wie etwa auch der Renault 5 E-Tech.
Innenraum und Praktikabilität
Im Interieur geht VW zurück zu alten Tugenden: Nach der Kritik an der ID.-Serie bietet der ID. Polo wieder physische Tasten für die Klimatisierung und einen beleuchteten Lautstärkeregler. Auch am Lenkrad befinden sich echte Tasten. Highlight ist fraglos die optionale Retro-Ansicht für Instrumente und Touchscreen. Natürlich können aber auch andere Ansichten gewählt werden. Für das Armaturenbrett setzt Volkswagen auf verschiedene Stoffe (siehe Bildergalerie). Vom neuen T-Roc bekannt ist der ungewöhnliche Türöffner innen in Hebelform.
Bilder von: Motor1.com Deutschland
Der Kofferraum ist mit 435 bis 1.243 Liter für die Fahrzeugklasse überragend groß. Das Platzangebot im Fond entspricht in etwa dem Verbrenner-Polo (den es auch weiterhin geben wird), ist also gut.
Kia kontert mit Flexibilität: Der EV2 verfügt über eine verschiebbare Rückbank und bietet je nach Konfiguration (4- oder 5-Sitzer) zwischen 362 und 403 Liter Stauvolumen. Ein kleiner Bonus beim Kia ist der 15-Liter-Frunk (vorderer Kofferraum) für die Ladekabel - ein Feature, das dem VW ID. Polo fehlt. Zudem bietet Kia innovative Funktionen wie Vehicle-to-Load (V2L), womit externe Elektrogeräte über den Fahrzeugakku betrieben werden können.
Antrieb und Performance
Technisch basieren beide auf dedizierten Elektro-Plattformen, nutzen diese aber unterschiedlich: Der VW ID. Polo nutzt wie seine Konzernableger Cupra Raval und Skoda Epiq wie auch der SUV-Bruder ID. Cross MEB+ mit Frontantrieb. In der Topversion (GTI-Ableger) leistet der Motor bis zu 166 kW (226 PS), was eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter 7 Sekunden ermöglicht.
Die Höchstgeschwindigkeit ist bei den Standardmodellen auf 160 km/h begrenzt, der GTI dürfte schneller sein. Das Basismodell bekommt einen 85 kW (115 PS) starken Antrieb und eine 37-kWh-Batterie für rund 300 km WLTP-Reichweite.
Der EV2 setzt auf die E-GMP-Plattform mit 400V-Technik: Auch der Kia nutzt Frontantrieb, ist aber konservativer motorisiert. Die Basisversionen leisten voraussichtlich zwischen 85 kW und 110 kW. Der Fokus liegt hier weniger auf Sportlichkeit als auf urbaner Effizienz. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h wird je nach Batterie mit 8,7 bis 9,5 Sekunden angegeben.
Batterie, Reichweite und Laden
Hier zeigt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Kapazitäten, wobei Kia bei der Ladegeschwindigkeit im Wechselstrom-Bereich punkten möchte.
| Modell | Batteriegrößen und Bauart | Reichweite (WLTP) | DC-Laden (10-80%) | AC-Laden |
| VW ID. Polo | 37 kWh (LFP) / 52 kWh (NMC) | ca. 300 km / bis zu 450 km | ca. 23-27 Min. (bis 130 kW) | 11 kW (Standard) |
| Kia EV2 | 42,2 kWh (LFP) / 61 kWh (NMC) | ca. 318 km / bis zu 448 km | ca. 30 Min. (bis 120 kW) | 11 kW (Standard), 22 kW (Optional) |
Trotz größeren Maximal-Akku kann sich der EV2 bei der Reichweite nicht entscheidend vom VW abheben, das mag an der Aerodynamik liegen. Besonders hervorzuheben ist beim Kia die Option auf ein 22-kW-AC-Ladegerät, was ihn zum idealen "Laternenparker-Auto" in der Stadt macht, da er an öffentlichen Säulen doppelt so schnell lädt wie der VW.
Fazit und Marktstart
Der VW ID. Polo ist das Auto für Traditionalisten: Er bietet vertraute Ergonomie, viel Stauraum und hohe Fahrleistungen in einem klassischen Hatchback-Format. Er soll ab April 2026 bestellbar sein.
Der Kia EV2 hingegen ist das modernere Lifestyle-Paket: Er bietet SUV-Optik, innovative Features wie V2L und schnelleres Laden in der Stadt. Seine Premiere feierte er Anfang 2026, der Marktstart wird für Sommer 2026 erwartet. Hier ist der aktuelle Stand der Preisstrukturen: Der VW soll bei gut 25.000 Euro beginnen. Dieser Preis bezieht sich auf das Basismodell mit der kleineren 37-kWh-Batterie (LFP) und einer Reichweite von rund 300 km.
Für die Version mit dem größeren 52-kWh-Akku (NMC) und ca. 450 km Reichweite wird ein Preis von etwa 29.500 bis 31.000 Euro erwartet. Der GTI mit 226 PS wird voraussichtlich bei etwa 38.000 bis 40.000 Euro liegen. Bestellstart: Voraussichtlich ab Ende April 2026, der GTI folgt später.
Kia positioniert den EV2 als etwas robusteren Crossover, was sich in einer leicht höheren Preisgestaltung im Vergleich zum Basis-VW widerspiegelt. Erwartet werden knapp unter 30.000 Euro (ca. 28.000 bis 29.500 Euro) für die Standard-Range-Version (ca. 42 kWh). Die Variante mit dem 61-kWh-Akku und einer Reichweite von bis zu 448 km wird voraussichtlich zwischen 34.000 und 36.000 Euro kosten.
Die optisch sportlichere Version GT-Line dürfte bei ca. 38.000 Euro starten. Die Produktion im Werk Žilina (Slowakei) ist bereits angelaufen; die ersten Auslieferungen in Europa werden für den Sommer 2026 erwartet.








