Genesis zeigt sein neues Flaggschiff, den GV90. Das 5,29 Meter lange Elektro-SUV bietet gegenläufig öffnende Türen, Luftfederung, Hinterradlenkung und noch viel mehr. Für den Antrieb des luxuriösen Modells sorgt ein 490-kW-Allradsystem, der Strom kommt aus einer 124-kWh-Batterie.
Das Design basiert auf dem Neolun Concept von 2024. Technisch beruht das Fahrzeug auf der exklusiv für dieses Modell entwickelten eMP-Plattform (Electric Mobility Prime), die möglicherweise mit der geplanten eM-Plattform in Verbindung steht. Der GV90 soll ein "inspirierendes Design, KI-gestützte Software und Konnektivität mit branchenführender Sicherheit für die Insassen" bieten.
Exterieur | Interieur | Antriebe/Batterien | Sonstige Technik/Ausstattung
Exterieur
Das Design des GV90 orientiert sich größtenteils an der Studie. Prägend ist die Optik mit zwei Lichtlinien an der Front, die Genesis als Two-Line-Design bezeichnet. Die Lichtlinien sind offenbar nicht nur Tagfahrlichter, sondern fungieren auch als Scheinwerfer. Dabei nutzt Genesis Micro-Lens-Array-Technik. Weiter unten gibt es einen vergitterten Lufteinlass mit einer dicken Chromspange.
Auch sonst akzentuieren Metallleisten die Karosserie. Am Heck gibt es zwei Lichtlinien, die allerdings dicker ausfallen als vorne und parallel ausgerichtet sind. Darüber prangt der Genesis-Schriftzug.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| Genesis GV90 | 5.285 | 2.030 mm | 1.815 mm | 3.245 mm | k.A. |
Mit 5,29 Metern ist der GV90 noch länger als das bisher größte Elektro-SUV auf dem deutschen Markt, der Cadillac Vistiq (5,22 Meter). Dazu passen die großen Räder in 22 oder 24 Zoll. 16 Farben werden angeboten, darunter ein Beige, ein Dunkelgrün sowie ein Dunkelblau und auch drei Mattlackierungen.
Der GV90 wird in zwei Modellvarianten angeboten. Während der GV90 ohne Zusatzbezeichnung konventionelle Türen besitzt, hat der GV90 Neolun gegenläufig öffnende Fondtüren. Auf eine B-Säule wird hier verzichtet. Das Türkonzept soll den Einstieg in die zweite Sitzreihe erleichtern. Solche Selbstmördertüren oder Coach Doors besitzt auch der Rolls-Royce Spectre oder der alte BMW i3. Neben der Neolun-Variante ist auch eine Version mit konventionellen Türen erhältlich.
Anders als beim alten BMW i3 lassen sich alle vier Türen unabhängig voneinander öffnen und schließen. Dafür entwickelte Genesis einen neuen "Dual Motion"-Scharniermechanismus für die hinteren Türen. Dabei bewegt sich die hintere Tür zunächst leicht nach außen und schwenkt erst anschließend auf.
Interieur
Wie die Studie hat auch der Serien-GV90 nur ein großes Display. Dieses "Cinematic Display" misst nicht weniger als 23,6 Zoll und ist annähernd mittig, aber etwas zur Beifahrerseite hin verschoben positioniert. Das Display lässt sich im Stand um neun Zentimeter ausfahren, womit die Bildschirmdiagonale auf 24,6 Zoll wächst. Statt eines Instrumentendisplays gibt es ein großes Head-up-Display.
Das Infotainment basiert auf dem neuen Konzernsystem Pleos Connect. Nach der Pressemitteilung von Genesis ist damit die Software gemeint, nicht die Bildschirmausstattung. Das würde erklären, dass der ebenfalls mit Pleos Connect ausgestattete Hyundai Ioniq 3 ein Instrumentendisplay besitzt, der GV90 aber nicht. Das System basiert auf Android Automotive und ist auf die Anforderungen eines Software-Defined Vehicle (SDV) zugeschnitten. Zum System gehört der KI-Assistent Gleo AI.
Eine Konzernneuheit stellt das New Power Control System dar, womit der Startknopf überflüssig wird - das Fahrzeug wird schon beim Öffnen der Tür aktiviert. Anschließend rotiert das Drehrad in der Mittelkonsole und ist danach für die Gangwahl bereit. Die Hochtöner auf dem Armaturenbrett werden sichtbar und signalisieren so die Fahrbereitschaft. Zum Starten genügt dann das Betätigen des Bremspedals.
Der GV90 Neolun ist das erste Fahrzeug des Hyundai-Konzerns mit elektrisch drehbaren Vordersitzen: Im Stand lassen sich die Sitze per Knopfdruck an der Türverkleidung um 180 Grad drehen. So entsteht eine Vis-à-vis-Sitzanordnung.
Antrieb und Batterie
| Genesis GV90 | |
| Antrieb | AWD 490 kW (240 kW vorn, 250 kW hinten) |
| Drehmoment | 800 NM (350 Nm vorn, 450 Nm hinten) |
| Akku | 124 kWh |
| Reichweite | ca. 500 km |
| DC-Ladedauer 10-80 % | 22 min |
Zu Antrieb und Akku gibt es bisher nur ein paar Grunddaten. Die Motoren an der Vorder- und Hinterachse haben eine ähnliche Leistung, aber das Drehmoment der hinteren Maschine ist deutlich höher. Zusammen entwickeln sie 490 kW und 800 Nm Drehmoment.
Die Batterie bietet 123,5 kWh; wir haben das auf 124 kWh gerundet - Genesis gibt ohnehin nicht an, ob das die Netto- oder die Bruttokapazität darstellt. Nach Zertifizierungsdaten aus Korea soll die Nettokapazität bei 115 kWh liegen, die Reichweite nach koreanischer Norm bei 481 km. In der deutschen Pressemeldung gibt Genesis eine ungefähre Reichweite von 500 Kilometern an.
An einem 350-kW-Schnelllader soll sich die Batterie in nur 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen lassen. Aus den Daten errechnet sich eine DC-Ladegeschwindigkeit von 115 kWh × 0,7 / 22 min = 3,7 kWh/min. Damit läge das Modell etwas schlechter als der Porsche Taycan mit großer Batterie (3,8 kWh/min). Ohne ein 800-Volt-System sind solche Werte wohl nicht machbar.
Eine Konzernneuheit ist das sogenannte Dual E-LSD. Das aus elektronischen Sperrdifferenzialen (E-LSD) an beiden Achsen bestehende System verteilt die Antriebskraft entsprechend den jeweiligen Fahrbedingungen auf die Achsen. So soll die Kraftverteilung bei schnellen Kurvenfahrten und bei Glätte, Nässe oder auf unebenen Fahrbahnen optimiert werden.
Sonstige Technik und Ausstattung
Der GV90 verfügt über eine Luftfederung mit elektronisch gesteuerten Dämpfern sowie eine Hinterradlenkung mit einem Lenkwinkel von bis zu fünf Grad. Damit soll sich der Wendekreis auf das Niveau eines Mittelklassefahrzeugs verkleinern.
An allen Scheiben - von der Windschutzscheibe über das Glasdach bis zur Heckklappe - kommt Akustikglas mit einer Stärke von mehr als fünf Millimetern zum Einsatz. Zudem kommt erstmals ein Roof Airbag zum Einsatz. Er soll verhindern, dass Insassen bei einem Überschlag durch den Aufprall auf das Glas verletzt oder gar durch das Glasdach herausgeschleudert werden.
Zudem wird ein Soundsystem von Bang & Olufsen mit 25 Lautsprechern angeboten, von denen sich vier im Dachhimmel befinden. Damit lässt sich die Akustik der Boston Symphony Hall oder des Wembley-Stadions simulieren. Je nach gewählter Innenraumfarbe stehen Materialien wie Naturholz, echter Stein sowie Wollkaschmir zur Verfügung. Diese Materialien sollen durch ein ausgefeiltes, indirektes Ambientelicht sowie durch Leuchten im Dachhimmel in Szene gesetzt werden.
Die Ledersitze verfügen über 15 Luftzellen für eine besonders eindrucksvolle Massagefunktion. Eine weitere Premiere innerhalb der Hyundai Motor Group ist die metallbeschichtete, beheizbare Windschutzscheibe. Wärmestrahler in den Armlehnen, der Mittelkonsole und den Türverkleidungen der ersten und zweiten Sitzreihe sollen den Komfort erhöhen.
Das Maximum an Komfort soll der GV90 Neolun Executive Suite mit Vier-Sitz-Konfiguration bieten. Der Fußraum der zweiten Sitzreihe ist mit Echtholz ausgestattet; eine Strahlungsheizung soll die Füße warmhalten. Die Sitze sind serienmäßig mit besonders weichem Semi-Anilinleder bezogen, zudem gibt es einen Kühlschrank sowie integrierte Tische. Eine Comfort Partition trennt die Insassenkabine vom Gepäckraum und reduziert von hinten kommende Geräusche. Rollos an den Fenstern ermöglichen bei Bedarf auch eine visuelle Abschirmung. Die Transparenz des Glasdachs lässt sich in sechs voneinander unabhängigen Bereichen steuern.
Unter dem Strich
Genesis stellt sein neues Topmodell GV90 vor. Es basiert nicht auf der E-GMP-Plattform, sondern auf einer eigens geschaffenen Architektur namens Electric Mobility Prime (eMP). Zu Antrieb, Akku und Reichweite gibt es bisher nur ein paar Grunddaten, im Fokus stehen die gegenläufig öffnenden Türen und die fehlende B-Säule, die umfangreiche Technik und der luxuriöse Charakter.
Ob das Modell nach Deutschland kommt, bleibt offen. Dem extrem großen Auto einer in Deutschland wenig populären Marke trauen wir hierzulande nur geringe Verkaufszahlen zu. Aber auch wenn man sich nicht für ein so großes Auto interessiert: Die Technik ist interessant. Zum Beispiel könnte der Startknopf bei Elektroautos von Hyundai, Kia und Genesis endlich entfallen.








