Genesis GV60 (2025): Der unterschätzte Premium-Kompakte im Test

Das Facelift des Genesis GV60 verspricht mehr Reichweite und verbessertes Premium-Feeling

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Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Ein Verkaufsschlager ist der Genesis GV60 in Deutschland wahrlich nicht. Seit seiner Einführung 2022 wurden vom kompakten Koreaner bis Ende Dezember 2025 nur 1.055 Fahrzeuge zugelassen. Weltweit waren es zwischen 2021 und 2024 immerhin 26.676 Stück.

Das liegt weniger an ihm selbst. Sich in Deutschland als Premiummarke zu etablieren, ist bei der geballten Präsenz aus Audi, BMW und Mercedes oftmals nicht das einfachste Unterfangen. Damit es in den folgenden Monaten vielleicht ein bisschen besser klappt, haben die Koreaner dem Genesis GV60 ein Facelift spendiert.

Genesis GV60 (2025) im Test

Aufgerüstet wurde vor allem bei Batterie und Verbrauch. Das Facelift kommt mit einem 84-kWh-Akku (Vorgänger: 77 kWh) und 16,7 kWh auf 100 Kilometer (Vorgänger: 17 kWh) beim Verbrauch. Damit soll die Reichweite um 44 auf insgesamt 561 Kilometer anwachsen.

Zumindest bei unserem gefahrenen reichweitenstärksten Modell. Die Einstiegsversion Premium kommt mit Heckantrieb und 168 kW (229 PS). Für den Winter praktische Dinge wie Sitzheizung, Vorkonditionierung der Batterie und Wärmepumpe, aber auch etliche Komfort-Gimmicks, Assistenten und 19-Zoll-Leichtmetallräder fahren bereits mit.

Die Eckdaten stimmen also für einen hochwertigen Allrounder. Womit der GV60 seine Premium-Kundschaft sonst noch so von sich überzeugen will, finden wir im Test heraus.

Schnelle Daten Genesis GV60 Premium (2025)
Antrieb

Single Motor
Heckantrieb

Systemleistung / Max Drehmoment 168 kW (229 PS) / 350 Nm
0 - 100 km/h 7,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) 16,7 kWh/100km / 561 km
Akku 84 kWh ( Lithium-Polymer-Akkumulator)
DC-Ladegeschwindigkeit / 10 - 80 Prozent 240 kW / 18 Minuten
Preis 57.680 Euro (Testfahrzeug 73.550 Euro)

Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht | Laden, Rekuperieren und Verbrauch | Preise | Fazit


Karosserie und Design

Das Facelift des Genesis GV60 kommt etwas selbstbewusster daher und entfernt sich von seiner ursprünglichen Robustheit. Neue Stoßfänger, andere Scheinwerfer und modifizierte Räder lassen ihn edler aussehen. So läuft der große vordere Lufteinlass unten beispielsweise nicht mehr spitz zu, sondern endet mit einer waagerechten Linie. Die aufgepumpten hinteren Radkästen erzeugen einen kräftigen Stand.

Die Scheinwerfer gönnen sich einige Pixel mehr, um die schlanke Doppelscheinwerfer-Front in Gänze zu beleuchten. Die Radläufe und die Heckstoßstange sind nun nicht mehr in Schwarz, sondern in Wagenfarbe gehalten. Das schiebt das äußerliche Bild des Kompakten schon eher in Richtung Premium, anstatt robust einen auf Großstadt-Cowboy zu machen.

Bilder von: InsideEVs.de

Insgesamt zeigt er sich aerodynamisch, ohne die Markenidentität zu verlieren. Die versenkbaren Türgriffe stärken den Glätteeffekt auf der Seite, der Z-artige Schwenk auf der C-Säule wirft Fragen auf. Generell bin ich absolut keine Freundin von Coupé-SUVs, aber der GV60 macht unter dieser Voraussetzung keine so schlechte Figur. Sein Heck mit der kleinen Theke erinnert ein wenig an eine dicke Hummel mit zu viel Ladung an den Oberschenkeln. Das erntet Sympathiepunkte! 

Innenraum

Im Innenraum werden die ursprünglich zwei Displays jetzt nicht mehr durch eine Blende getrennt. Das 27-Zoll große Doppeldisplay kann für ausgewählte Anzeigeoptionen auch durchgängig Grafiken zeigen und nutzt den gewonnenen Raum besser aus als sein Vorgänger. Insgesamt läuft das System Hyundai-Motor-Group-typisch flüssig und übersichtlich. Zudem kommt jetzt ein Drei-Speichen-Lenkrad statt eines mit zwei Speichen zum Einsatz.

Die Crystal Sphere auf der Mittelkonsole bleibt erhalten. Design und Funktion der sich drehenden Fahrstufenkugel stießen bei Mitfahrenden auf Begeisterung. Ob diese allerdings auch bei Fahrenden anhält, wenn sich die Kugel bei einem Defekt nach Jahren der Nutzung nicht mehr dreht, wage ich zu bezweifeln. Cool isses aber allemal und eigenständige Kreativelemente für manchen Kauf ausschlaggebend.

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Im Gesamteindruck überzeugt der Anblick bei Verarbeitung und Design. Verschiedene Materialien, Nähte und Designgimmicks sorgen für einen abwechslungsreichen Innenraum. Haptisch fasst sich das alles schön an. Nur unterhalb der groben Sichtline tauchen dann große Hartplastikteile auf. Das geht besser, ist beim sonstigen Level aber durchaus okay. Ob für 2026 bei einem nachhaltigen Autokonzept noch Nappaleder verbaut werden muss, sei mal dahingestellt. 

Dieses Farbkonzept aus Gold Coast Yellow und Pine Grove Green bleibt sowieso Geschmackssache. Die helle Innenausstattung ist jedoch arg schmutzanfällig. So waren Verfärbungen an Sitzflanken, Armelehne und Türverkleidungen zu sehen, die sich wohl über die Monate von den Textilien der Testerkollegen festgesetzt hatten.

Auch die Fußmatten zeigten ein fleckiges Bild. Zudem verknickte der Fahrergurt im Testwagen nach dem Abschnallen des Öfteren beim Einrollen und blockierte in der Folge das Ausrollen beim nächsten Anlegen. Das darf in einem Fahrzeug mit Premiumanspruch eigentlich nicht passieren.

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Die hellen Ausstattungen sind wohl nur zu empfehlen, wenn Sie nach jeder Fahrt putzen oder mit Pantoffeln und Schutzanzug direkt aus dem Wohnzimmer heraus im Auto Platz nehmen. Insgesamt sitzt es sich im Genesis GV60 aber sehr angenehm. Etliche elektronisch verstellbare Einstellungsmöglichkeiten sorgen für Sitzkomfort, Sitzheizung und -belüftung für angenehme Klimatisierung. 

Selbst im Fond lässt sich die Rückenlehne getrennt voneinander im Winkel einstellen. Durch die Höhe des Fahrzeugbodens ist der Anstellwinkel der Beine jedoch E-Auto-typisch unangenehm. Durch die Kombination aus Verstellung und komplettem Umlegen ist Letzteres ein wenig umständlich, da der Hebel in einem engen Spalt zwischen unterer Lehne und B-Säule/hinterem Radkasten platziert wurde. Große Hände haben dort kaum eine Chance.

Ob der GV60 überhaupt als Lastenesel in Betracht genommen wird, ist fragwürdig - garantiert nicht in diesem Sand-Gelb oder komplett in Weiß. Mit den angebotenen 432 bis 1.460 Litern geht für eine Coupé-Variante jedoch dennoch ordentlich Inhalt rein. Wer auf die Bordladung verzichten will, kann zudem bis zu 1.600 Kilo hinten anhängen.  

Abmessungen Genesis GV60 Premium (2025)
Länge x Breite x Höhe 4.545 x 1.890 x 1.580 mm
Radstand 2.900 mm
Gewicht 2.050 kg
Zuladung 460 kg
Kofferraumvolumen 432 - 1.460 Liter
Anhängelast 1.600 kg
Stützlast 100 kg

Fahrbericht

Das Drehmoment und die Leistung lassen den Koreaner auch in der Basis zum souveränen Zugfahrzeug werden. Wer viel mit großen Anhängern fährt, greift dennoch besser zu einer der Allradvarianten, da sie mit hohen Gewichten leichter hantieren können.

Trotz der tollen Straßenlage, die aus tiefem Schwerpunkt und breitem Stand resultiert, macht sich das Gewicht von 2,05 Tonnen bemerkbar. Gerade beim Rangieren, wo sich die breiten Räder zusätzlich in den Asphalt krallen und manches Lenkmanöver im Stand oder unter leichtem Rollen erschweren.  

Mit mehr Geschwindigkeit gewinnt auch der Genesis GV60 an Leichtigkeit. Insgesamt liegt er dann satt auf der Straße und in seiner Spur. Die Kräfte am Lenkrad sorgen im Fluss für ein schönes Feedback und eine direkte Umsetzung. Hier ist schon ansatzweise spürbar, was eine Performance-Version wie der Magma reißen könnte. Der Hyundai Ioniq 5 N lässt grüßen. Und weil beim GV60 alles für Spaß vorbereitet ist, haben die Ingenieure dem Kompakten einen Drift Mode geschenkt. 

Bilder von: InsideEVs.de

Für unsere Belange reichte bei den Testwetterlagen dann auch schon der Schneemodus, der Kräfte individuell und sanft auf die angetriebenen Räder verteilt. Egal wie tief man hier das Gaspedal durchdrückt, der Koreaner regelt seelenruhig den benötigten Vortrieb. Die Stabilitätskontrolle unterstützt zudem sicher auf glattem Untergrund. 

Apropos Vortrieb: Der ist in der Single-Motor-Variante in jeder Fahrsituation ausreichend. Mehr als das: Sein Antritt wirkt sanft reguliert und weniger erschlagend als bei den potenteren Varianten oder E-Kollegen. Das macht auch das schnelle Anfahren angenehm komfortabel und selbstbewusst gediegen.

In denselben Flow reiht sich der Fahrassistent ein, der Fahrbahnmarkierungen bei klarer Sicht zuverlässig erkennt, im Verkehr mitschwimmt und auch den Spurwechsel sicher beherrscht. Dafür dürfte der Aufmerksamkeitswarner etwas mehr Nachsicht zeigen, reagiert er doch oft zu nervös.

Laden, Rekuperieren und Verbrauch

Seinen Premiumcharakter zeigt der GV60 auch beim Fahren mit dem i-Pedal. Im One-Pedal-Drive-Mode gleitet das Zweitonnengefährt bis zum sanften Anhalten ohne groß merkbares Nicken beim völligen Stillstand. Insgesamt lässt sich die Rekuperation von dieser schärfsten Variante bis zum Segeln in fünf Stufen individuell über die Lenkradwippen einstellen.

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Wer statt von Ruhe lieber von einem V8-Blubbern oder einer Art Raumschiff-Sound begleitet werden will, kann auch das machen. Sorgt bei Mitfahrenden zudem für den ein oder anderen Lacher. Wir empfehlen jedoch das Genießen der Lieblingsmusik über das klangvolle Soundsystem.

Klar, weder die maximale Reichweite von 561 Kilometer, noch die Spitzenladeleistung von 240 kW haben wir zwischen den Jahren bei konstanten Temperaturen um den Gefrierpunkt gesehen. Aber mit einem kombinierten Verbrauch von 23,3 kWh befinden wir uns in einem völlig okayen Bereich. Damit sollten bei angenehmen Frühlingstemperaturen unter passenden Umständen die 18 bis 16,7 kWh durchaus im Bereich des Machbaren sein.

Auch die Ladekurve zeigt sich nach nur zehn Minuten der Vorkonditionierung stabil über 100 kW - zumindest zwischen 40 und 70 Prozent nach einer kurzen Anlaufphase. Auch die Spitze von 143,6 kWh an der 150-kW-Säule hielt der Genesis GV60 einige Zeit. Unter optimalen Bedingungen setzen sich Fahrzeuge der Hyundai-Gruppe unter die Lademeister der BEVs.

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Mit optimierter Vorkonditionierung sind die 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent im Winter vielleicht nicht ganz zu erreichen, es sollte hier aber noch Luft nach oben sein. Abseits von Reisen hat man im Alltag aber eben auch oft nicht die Zeit und die passende Ladesäule in der Nähe, um die Batterie punktgenau auf die kommende Ladung vorzubereiten und das 800-Volt-System glücklich zu machen. 

Preise

Der Genesis GV60 startet mit unserer gefahrenen RWD-Single-Motor-Variante bei 57.680 Euro. Der Sport als AWD Dual Motor mit 234 kW startet bei 64.580 Euro, der Sport Plus mit Allrad und 360 kW bei 74.480 Euro. Eine Performance-Version namens Magma mit 448 kW ist auf dem Weg. Die Plattformbrüder Hyundai Ioniq 5 (ab 45.550 Euro) und Kia EV6 (ab 44.990 Euro) sind mit 4,66 Meter und 4,79 Meter wesentlich größer.

Rein längentechnisch könnte hier eher der EV5 mit 4,61 Metern (ab 45.590 Euro) als Konkurrent herangezogen werden. Die deutsche Premium-Konkurrenz steht mit dem kleineren vollelektrischen Mercedes GLA EQ als EQA-Nachfolger bald am Start. Letzterer kostet derzeit mindestens 51.610 Euro. Die Bayern sind mit BMW iX2 (ab 51.000 Euro) und Audi Q4 e-tron Sportback (ab 48.150 Euro) auf dem Papier zwar günstiger, in der Basis aber zumeist schlechter ausgestattet. Ein Volvo EX40 (ab 49.990 Euro) bringt skandinavischen Charme. 

Fazit

Der Genesis GV60 ist und bleibt ein Geheimtipp, den in Deutschland viel zu wenige auf dem Schirm haben. Mit dem Facelift legen die Koreaner beim größten Kritikpunkt, der Reichweite, konsequent oben drauf. Technisch (800 Volt, Ladeleistung) fährt der Kompakte einigen deutschen Premium-Konkurrenten derzeit noch deutlich davon, vor allem der Mercedes GLA EQ wird aber bald auch hier heranrücken.

Dass er sich dennoch schwer tut, liegt weniger an den tollen Fahrwerten, sondern eher am fehlenden Image und dem ungewöhnlichen aber mutigen Design. Wer sich traut, bekommt hier eines der aktuell immer noch besten E-Autos im Segment - mit einer Ausstattung und Verarbeitungsqualität, für die man bei Audi oder BMW noch tiefer in die Tasche greifen müsste oder gleich eine Klasse drüber anvisiert. Nur nehmen Sie nicht unbedingt die helle Innenausstattung, wenn Sie keinen Putz-Fetisch besitzen.

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Autor: Benja Hiller