Wir reden im Elektro-Autobau noch immer von fehlender Emotion und Heritage. Viele Hersteller wollen zumindest Letzteres über mal mehr und mal weniger gelungene Retro-Modelle regeln. VW hat mit dem ID. Polo zumindest schon mal die alten Namen wiederbelebt. Jetzt lernt neben der Nummerierung auch das stiefmütterlich behandelte GTX-Kürzel das Fliegen.
Zumindest, wenn es um den VW ID.3 geht. Der hatte zuletzt mit dem Fire and Ice noch ein wenig Kult beschwören wollen. Doch mit der im April 2026 gestarteten Neuausrichtung hin zum Neo kommt auch das GTX unter die Räder. Ab jetzt tritt die sportlichste Version des Kompakten als VW ID.3 GTI auf. Das Neo schenkt man sich hier offensichtlich gleich. Und auch sonst ist quasi nichts mehr so, wie es war.
Karosserie und Design | Innenraum | Antrieb, Batterie und Fahrwerk
Karosserie und Design
Der VW ID.3 GTX war ein Performance-Modell, das eher mit Understatement auffiel, statt irgendeine emotionale Reaktion in des Betrachtenden hervorzurufen. Das ist beim ID.3 GTI zum Glück schon mal deutlich anders. Als Basis dient der runderneuerte ID.3 Neo. Der kommt bekanntlich mit komplett neu gestalteten Front- und Heck-Partien. Doch der GTI setzt sich hier noch mal deutlich, aber vor allem klassisch ab.
Über dem Lichtband sitzt ein 3D-modelliertes GTI-Logo und auch der rote Streifen ist als Erkennungsmerkmal zurück. Eine Hommage an den ersten Golf GTI von 1976 mit dem komplett rot umrandeten Kühlergrill. Vertikale LED-Elemente, ein hochglanzschwarzes, GTI-typisches Wabengitter, zwei stets rot lackierte Vertikalelemente und der Rennsport-Splitter komplettieren die Front.
Bilder von: Volkswagen
Die seitliche Ansicht prägen die serienmäßigen 20-Zoll-Leichtmetallräder im "Wörthersee"-Design. Dieses Design zierte in ähnlicher Form bereits den ID. Concept GTI von 2023. Optisch kommen die Räder mit acht Doppelspeichen und einem markanten Kreis aus ebenfalls acht Öffnungen. Die Innenflächen der Felgen sind schwarz ausgeführt, die Ränder der acht Halbkreis-Öffnungen hochglanzpoliert.
Kontraste setzen die in Hochglanzschwarz lackierten Außenspiegelkappen und Seitenschweller. Insgesamt wirkt der GTI gestreckter und dynamischer, damit weniger knubbelig als der GTX. Auch hier sind Dach, Spoiler und Windschutzscheibeneinfassung endlich in Wagenfarbe lackiert.
Apropos Farbe: Der ID.3 GTI kommt in Mondsteingrau, Grenadillschwarz, Tornadorot, Gletscherweiß oder Scale Silver. Farblich nimmt der Diffusor im unteren Heckbereich das Thema von der Front in einem hochglänzend schwarzen Kunststoff wieder auf.
Bilder von: Volkswagen
Allein durch das klassische Tornadorot wirkt dieser Sportsfreund hier bei unserem ersten Aufeinandertreffen schon ansprechender nach Hot Hatch, als es der biedere GTX jemals hätte schaffen können. Übrigens: Insgesamt acht GTI-Zeichen trägt der Performance-Stromer.
Innenraum
Im Cockpit profitiert natürlich auch der ID.3 GTI von der komplett neuentwickelten Landschaft - inklusive etlicher physischer Knöpfe, der weichen Aufpolsterung und der guten Verarbeitungsqualität. Im Innern setzt sich das GTI-Branding jedoch weiter fort. Wer Rot auf Schwarz mag, wird sich hier sicher wohlfühlen.
Ein feiner roter Streifen spannt sich als GTI-Kennzeichen von links nach rechts, eine rote Markierung auf 12 Uhr signalisiert die motorsportliche Mittenstellung im Sportlenkrad. Zudem findet sich das Rot in den Ziernähten der Türen und in den serienmäßigen Sportsitzen wieder. Letztere sind natürlich im klassischen Schottenkaro des ersten Golf GTI gehalten, nur etwas ausladender.
Bilder von: Volkswagen
In der Öffnung der integrierten Kopfstützen der Vordersitze zeigt sich ein weiteres GTI-Zeichen. Optional kommen die Sportsitze zudem mit vollelektrischer Einstellung mit Memory- und Massage-Funktion.
Zudem gönnt sich der sportlichste ID.3 ein neues Fahrprofil. Das heißt natürlich ... wie könnte es auch anders sein: GTI. Wir kennen die gesonderte Einstellung bereits vom Cupra Born VZ. Ein Druck auf die integrierte GTI-Taste im Lenkrad und der ID.3 spuckt seine fahrdynamische "Secret Sauce" aus.
Alle Antriebs- und Fahrwerksparameter werden hier auf maximale Sportlichkeit getrimmt, auch die "Launch Control" ist jetzt aktivierbar. Ambientebeleuchtung, ID. Light und Digital Cockpit gehen ebenfalls in den GTI-Modus und gönnen sich eine optische Lichtshow. Auf Kombiinstrument und Infotainment werden Powermeter mit einer integrierten Geschwindigkeitsanzeige und unter anderem Rundenzeiten angezeigt. Die serienmäßigen Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Individual sind ebenfalls mit an Bord.
Antrieb, Batterie und Fahrwerk
Durch den Wechsel von GTX auf GTI erleben wir auch einen historischen Antriebswechsel. Der VW ID.3 GTI ist der erste GTI mit Heckantrieb. Der bleibt auch im Neo-Gewand bei seiner achsparallelen Anordnung der permanenterregten Synchronmaschine namens APP550. Allerdings wurde noch einmal optimiert. 240 kW (326 PS), 545 Nm Drehmoment und 5,6 Sekunden von 0-100 km/h stehen auf der Habenseite des Hot Hatch. Bei 200 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Bilder von: Volkswagen
Die Kraft wird aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 79 kWh Nettoenergiegehalt gespeist. Trotz der Leistung soll eine kombinierte Reichweite von 601 Kilometern nach WLTP möglich sein. Geladen wird in 29 Minuten von zehn auf 80 Prozent bei maximalen 183 kW.
Der ID.3 GTI erhält zudem ein elektronisch geregeltes Fahrwerk (DCC) mit MacPherson-Vorderachse und einer aufwendig geführten Fünflenker-Hinterachse. Wie alle anderen GTI-Modelle kommt auch der ID.3 eine Progressivlenkung. Hierdurch sollen die Lenkpräzision und die Lenkagilität gesteigert und das Rangieren erleichtert werden.
Im bereits erwähnten neuen GTI-Modus wechselt das Fahrwerk automatisch in eine "maximal sportliche Abstimmung", so VW. Hier wird die Elastokinematik der Vorderachse angepasst, um das Lenkverhalten noch agiler zu gestalten. Abgerundet wird das Fahrwerk durch modifizierte Federn, Dämpfer, Stabilisatoren, neue Parameter fürs DCC und den Fahrdynamikmanager. Eigens für den ID.3 GTI ausgelegte Reifen wurden auf die Wörthersee-Felgen gezogen.
Im Fahrprofil Sport kommt zudem ein "charismatischer Sportsound", wie ihn VW beschreibt, zum Einsatz. Der Sound ertönt individuell angepasst bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Preise hat VW derweil noch nicht mitgeteilt. Der ID.3 GTX Performance startete zuletzt bei 52.295 Euro, der Plattformbruder Cupra Born VZ legt ab 50.990 Euro los. Wir könnten uns einen Startpreis an der 49.000-Euro-Grenze gut vorstellen.








