Dethleffs Graneo (2026): Dieser Camper will keinen Campingplatz

Der neue Graneo A 6823-2 kombiniert Mercedes-Sprinter, XXL-Alkoven und gewaltige Vorräte

Motor1.com Deutschland: Auto-Tests, Auto-News und Analysen

Preisangaben, die eventuell im Artikel vorkommen, beziehen sich i.d.R. auf Deutschland.

Autarkie heißt bei Wohnmobilen gerne mal: eine zweite Batterie und etwas Solar aufs Dach. Dethleffs denkt beim neuen Graneo A 6823-2 ein paar Nummern größer. Bis zu 650 Ah Lithium, 232 Liter Frischwasser und sogar ein 137-Liter-Fäkalientank sollen den knapp acht Meter langen Alkoven möglichst lange unabhängig von Camping- und Stellplätzen machen.

Und klein ist hier ohnehin wenig. Mit dem Graneo startet Dethleffs eine neue Oberklasse-Baureihe auf Sprinter-Basis. Preislich und konzeptionell rückt der Neuling damit schon in Richtung eines Niesmann+Bischoff iSmove, bleibt mit seinem festen Alkoven aber klassischer. Deutlich bodenständiger interpretiert der Forster A 699 DVB das Thema Familien-Alkoven, der Graneo will dagegen mehr Luxus, mehr Platz und vor allem mehr Unabhängigkeit bieten.

Dethleffs Graneo A 6823-2 (2026)

Der A 6823-2 misst 7,98 Meter in der Länge, 2,35 Meter in der Breite und stattliche 3,42 Meter in der Höhe. Die Basis liefert 190 PS, geschaltet wird serienmäßig über die Neun-Gang-Automatik. Hinterradantrieb und Zwillingsbereifung gehören ebenfalls dazu. Bei 4.190 Kilogramm Masse in fahrbereitem Zustand und 5.500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht bleibt zudem ordentlich Luft für Gepäck und Extras.

Spannender als die Fahrleistungen wird es beim Graneo aber ohnehin, wenn man mit ihm frei steht. Bereits serienmäßig steckt eine 325-Ah-LiFePO4-Aufbaubatterie an Bord. Dazu kommen ein 45-A-Ladebooster, sechs 230-Volt-Steckdosen, vier USB-Anschlüsse und ein Premium-Bord-Control-Panel. Die Bordelektronik sitzt gut zugänglich in der Heckgarage.

Bilder von: Dethleffs

Wer es mit dem Freistehen ernst meint, kann für 4.999 Euro eine zweite 325-Ah-Batterie bestellen. Damit stehen insgesamt 650 Ah zur Verfügung. Gleichzeitig wird ein 3.600-Watt-Wechselrichter installiert. Für die 220-Watt-Solaranlage werden weitere 1.899 Euro fällig. Am Ende könnte tatsächlich eher der Wasser- als der Stromvorrat bestimmen, wann wieder Infrastruktur gesucht werden muss.

Dabei kalkuliert Dethleffs auch bei den Flüssigkeiten ziemlich großzügig. 232 Liter Frischwasser und 222 Liter Abwasser verschwinden im 38 Zentimeter hohen, beheizten Doppelboden. Die Tanks sitzen dort geschützt und bleiben zusammen mit der serienmäßigen Warmwasserheizung auch bei niedrigen Temperaturen nutzbar. Zwei 11-Kilo-Gasflaschen finden ebenfalls Platz.

Bilder von: Dethleffs

Und dann wäre da noch das stille Örtchen. Statt regelmäßig mit einer Kassette Richtung Entsorgungsstation zu schreiten, lässt sich der Graneo für 3.569 Euro mit einer Zerhacker-Keramiktoilette samt stattlichem 137-Liter-Fäkalientank ausstatten - eine Lösung, die eine Nummer kleiner auch der Robeta Adonis besitzt. Batterie-Upgrade, Solar und die große Toilettenlösung kosten beim Graneo zusammen 10.467 Euro extra.

Auch beim Grundriss geht Dethleffs einen ungewöhnlichen Weg. Ein klassisches Heckbett gibt es nicht, stattdessen wandert das Schlafzimmer komplett über das Fahrerhaus. Im Alkoven befinden sich zwei getrennte Längseinzelbetten mit den Maßen 217 x 80 bzw. 206 x 80 Zentimeter. Fenster auf beiden Seiten und eine Dachhaube verhindern, dass sich das Obergeschoss wie die übliche Alkoven-Schlafhöhle anfühlt.

Bilder von: Dethleffs

Auch beim Trend I 7027 haben die Allgäuer den typischen Wohnmobil-Grundriss umgedreht. Die Längseinzelbetten wandern in ein Hubbett über dem Fahrerhaus, sodass das Heck komplett der großen Rundsitzgruppe gehört. Der Graneo greift dieses Prinzip auf, setzt jedoch eine Etage drauf und verwandelt das Hubbett in einen festen XXL-Alkoven.

Die große Rundsitzgruppe zieht sich um drei Panoramafenster, der freistehende Tisch lässt sich absenken und verwandelt die Lounge bei Bedarf in ein 208 x 170 Zentimeter großes Zusatzbett. Dazwischen liegen Gourmet-Küche und Bad. Der Kühlschrank fasst 153 Liter, serienmäßig gekocht wird auf drei Gasflammen. Optional gibt es eine Kombination aus elektrischer Kochplatte, drei Gasbrennern, Backofen und separatem Grill.

Bilder von: Dethleffs

Auch das Bad sitzt ungewöhnlich weit vorne zwischen Fahrerhaus und Wohnbereich. Die Badezimmertür kann den Bereich über die gesamte Fahrzeugbreite abtrennen und schafft gleichzeitig Privatsphäre zwischen Alkoven und hinterer Lounge. So kann vorne schon geschlafen werden, während hinten noch Chips und Snacks für den Fernsehabend auf dem Tisch stehen.

Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf gehörte der Graneo optisch schon zu den auffälligeren Neuheiten. Ein obsidianschwarzes Sprinter-Fahrerhaus samt Alkoven, ein campovolo-grauer Aufbau, schwarze Seitenschürzen und ein hoher, mattschwarzer Heckleuchtenträger machen jedenfalls keinen klassischen weißen Camping-Kasten aus ihm.

Bilder von: Dethleffs

Ganz günstig ist so viel Reisemobil natürlich nicht. Der Dethleffs Graneo A 6823-2 startet bei 169.999 Euro. Wer die Autarkie-Idee konsequent weiterspinnt und zweite Batterie samt Wechselrichter, Solaranlage und Zerhackertoilette bestellt, landet bereits bei 180.466 Euro - und hat noch keine Häkchen bei den klassischen Komfortfeatures gesetzt.

Davon gibt es reichlich. Das Travel-Paket kostet 1.799 Euro und bringt unter anderem Zentralverriegelung für Aufbau- und Garagentüren, Fahrerhausverdunkelung, automatische Gasflaschenumschaltung mit Crash-Sensor und EisEx sowie einen Dachlüfter mit. Für 2.499 Euro gibt es das Chassis-Paket, das Chassis-Winter-Paket kostet 749 Euro. Das große Technik-Paket mit hydraulischer Hubstützenanlage, Dachklimaanlage und elektrischer Fünf-Meter-Markise schlägt sogar mit 12.499 Euro zu.

Bilder von: Dethleffs

Damit kann ein entsprechend ausgestatteter Graneo die 200.000-Euro-Marke ziemlich problemlos hinter sich lassen. Dafür erhält man allerdings auch ein außergewöhnliches Reisemobil, bei dem neben viel Wohnraum vor allem die Unabhängigkeit im Vordergrund steht. Gerade auf längeren Touren wie einem Roadtrip zum Nordkap zeigen große Wasserreserven und reichlich Strom ihre Vorteile - besonders dann, wenn nicht jeden Abend ein Campingplatz auf dem Programm steht.

Wer zusätzlich Allrad wünscht, findet mit dem Kabe Imperial Traq einen luxuriösen Gegenspieler. Auch die Hymer CrossOver-Modelle kombinieren Sprinter mit umfangreicher Autarkie-Technik. Der Graneo setzt andere Prioritäten: weniger Offroad, dafür mehr Platz und üppige Reserven für längere Standzeiten. Oder anders gesagt: Wer dort steht, wo es schön ist, soll möglichst lange keinen Grund haben, wieder loszufahren.

© Motor1.com
Autor: Fabian Grass