Totgesagte leben länger. Zumindest scheint das für den BMW 4er zu gelten. Immer wieder hörte man Gerüchte, dass man das Coupé in der bewährten Form womöglich nicht fortführen würde. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Während die Konkurrenz ihre zweitürigen Modelle munter zusammenstreicht oder ganz einstellt, gibt BMW nun ein klares Bekenntnis zur Zukunft des 4er ab.
Die Münchener arbeiten bereits an einer neuen Generation, die als dynamischere und stilbewusstere Alternative zur kommenden "Neuen Klasse"-3er-Reihe dienen soll. Und die beste Nachricht für Fans: Auch ein neuer M4 ist fest eingeplant. Vor einem guten Jahr berichteten wir, der nächste M4 könnte nur noch rein elektrisch kommen. Auch das dürfte sich erledigt haben.
Der 4er, der 2013 als eigenständige Variante des 3er startete und 2020 in die zweite Generation ging (die auch die Basis für den elektrischen i4 bildete), war stets ein Erfolgsmodell. Doch angesichts des bevorstehenden Modellwechsels beim 3er hin zur elektrischen "Neuen Klasse"-Architektur war die Zukunft des Verbrenner-Coupés lange ungewiss.
BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post beendete nun die Spekulationen. Gegenüber den britischen Kollegen von Autocar bestätigte er, dass es auch im Portfolio der Neuen Klasse Platz für das schnittige Derivat gibt.
"Der 4er ist ein wichtiges Auto für uns", so Post. "Er ist sportlicher, und BMW ist eine sportliche Marke, die auch auf der Performance-Seite ein klares Erbe hat. Er wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen."
Dies ist der erste offizielle Hinweis auf eine dritte Generation der 4er-Reihe. Zwar wurden noch keine Erlkönige gesichtet, aber die Strategie ergibt Sinn: Während Audi das A5 Coupé gestrichen hat (der Name A5 steht nun für den ehemaligen A4) und Mercedes C- und E-Klasse-Coupé zum CLE verschmolzen hat, sieht BMW hier eine Marktlücke.
Auch wenn Coupés und Cabrios nicht die Stückzahlen der Limousinen erreichen, rechnet sich das Modell für BMW. Der Grund liegt in den Synergien. "Es ist nicht so teuer wie die Entwicklung eines komplett neuen Autos", erklärt Post. "Wann immer wir einen 3er oder X3 machen, denken wir auch über den 4er oder X4 nach, um Synergien zu nutzen, damit ein Derivat leicht aus der Basis gebaut werden kann."
In diesem Zusammenhang bestätigte Post quasi nebenbei auch die Zukunft der SUV-Coupés: Ein neuer X4 steht kurz vor der Enthüllung und wird sich Antriebsstränge mit dem X3 und iX3 teilen. Auch der größere X6 wird wohl nach demselben Muster eine Neuauflage erhalten. "Das sind Autos, die mit geringem Aufwand gebaut werden können [...] und eine zusätzliche Möglichkeit für Kunden bieten, die die Proportionen von etwas sportlicheren Autos mögen."
Dass der 4er der Architektur der Neuen Klasse folgen wird, impliziert eine breite Palette an Antrieben. Wir erwarten eine neue Generation des i4 (technisch verwandt mit dem kommenden i3) sowie hocheffiziente Verbrenner.
Gerüchten zufolge könnte das E-Modell mit einer Batterie von bis zu 108 kWh und über 800 km Reichweite kommen. Doch für Enthusiasten viel wichtiger: Der Weg für den nächsten M4 ist frei.
"Diese Derivate sind sehr oft die Basis für die Sportwagen", sagte Post mit einem Wink Richtung M GmbH.
BMW hat bereits angedeutet, dass der nächste M3 zweigleisig fahren wird: Als extrem leistungsstarkes Elektro-Biest mit vier Motoren und Torque Vectoring - und als klassischer Verbrenner mit einer Weiterentwicklung des "S58"-Reihensechszylinders. Bei einem neuen M4 dürfte man dann sehr ähnlich verfahren.
Post bekräftigte diese Möglichkeit und betonte, dass BMW gegenüber einigen Wettbewerbern einen "großen Vorteil" habe, da die nächste Generation der Verbrennungsmotoren bereits so entwickelt wurde, dass sie die kommenden Euro-7-Abgasnormen erfüllt.
"Wir können Euro 7 mit einigen Optimierungen im Abgassystem - etwa bei den Katalysatoren - erfüllen. Deshalb ist Euro 7 für uns keine so hohe Investition", erklärte er. Post bestätigte zudem, dass es im künftigen BMW-Portfolio weiterhin Vier-, Sechs-, Acht- und sogar Zwölfzylinder (für Rolls-Royce) geben wird.








