Smart #5 Brabus (2026) im Test: Der Anti-Smart, der begeistert

4,70 Länge, 2,4 Tonnen, 645 PS ... Ist das noch Smart? Dieses Monster lässt jedenfalls niemanden kalt ...

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Der Name Smart stand über Jahrzehnte für eines: das kleinstmögliche Auto mit dem größtmöglichen Nutzen im Stadtverkehr. Zwei Sitze, kaum Überhänge, null Anspruch auf Autobahn-Dominanz. Der Smart #5 Brabus ist das genaue Gegenteil davon, und das ist keineswegs als Kritik gemeint.

Auf ausgedehnten Testfahrten durch Stadt, Landstraße und Autobahn trat das 475-kW-SUV in nahezu jeder Disziplin mit einer Selbstverständlichkeit auf, die man bei einem Fahrzeug aus dem chinesisch-deutschen Joint Venture von Geely und Mercedes-Benz nicht unbedingt erwartet hatte.

Smart #5 Brabus (2026) im Test

Mit seiner bulligen Karosserie, dem gewaltigen Leistungspaket und einem Innenraum, der jeden Vergleich mit dem Markennamen Lügen straft, zielt der Smart #5 Brabus direkt auf Konkurrenten wie den Tesla Model Y Performance, den Hyundai Ioniq 5 N und den Kia EV6 GT. Ob er sich dort behaupten kann, zeigt unser ausführlicher Test.


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Schnelle Daten Smart #5 Brabus (2025)
Modell Smart #5 Brabus
Segment Elektro-SUV, Mittelklasse D-Segment
Antrieb Zwei Elektromotoren, Allradantrieb
Leistung 475 kW / 645 PS
Länge / Breite / Höhe 4.695 / 1.920 / 1.705 mm
Leergewicht 2.378 kg
Preis ab 60.900 Euro

Karosserie und Innenraum

Wer den Smart #5 Brabus zum ersten Mal aus der Ferne sieht, denkt unweigerlich an ein ausgewachsenes SUV mit AMG-Ambitionen, und liegt damit gar nicht so falsch. Das 4,70 Meter lange Fahrzeug kommt mit einer Bulligkeit daher, die sich schwer in Worte fassen lässt. Die Front mit ihrer charakteristischen schwarzen Spange zwischen den Scheinwerfern, die nachts zusammen mit vier kleinen Aussparungen leuchtet, ist ein echter Blickfang. Die beiden massiven Lufteinlässe darunter erinnern deutlich an AMG-Modelle, was kein Zufall sein dürfte.

An der Seite setzen schwarze Schwellerverkleidungen mit roten Brabus-Akzenten und versenkten Türgriffen weitere Akzente. Am Heck spiegelt sich die Frontoptik fast symmetrisch: gleiche Lichtanordnung, gleiches Verbindungsband, gleiche vier Aussparungen, dazu ein massiver Diffusor-Bumper und ein wuchtiger Dachspoiler. Die 21-Zoll-Monoblock-Z-Räder runden das Bild stimmig ab. Man wird auf dieses Auto angesprochen, was bei einem Alltagsfahrzeug alles andere als selbstverständlich ist.

Bilder von: InsideEVs.de

Rahmenlose Seitenscheiben sind eigentlich ein Merkmal, das man in der Praxis meist verflucht: Windgeräusche, Isolationsprobleme, instabile Scheiben beim Öffnen der Tür. Smart hat es mit durchgehend doppelt verglasten Scheiben jedoch tatsächlich geschafft, das Kabinen-Dämmniveau auf ein Level zu heben, das diesem Interieur gerecht wird. Der Innenraum ist das eigentliche Argument dieses Autos.

Das Platzangebot spottet jedem Vergleich mit der Markenhistorie. Vorne sitzt man mit großzügigem Freiraum in alle Richtungen. Hinten übertrifft der Smart #5 Brabus alle Erwartungen: Die Rücksitzbank ist erfreulich hoch montiert und der Boden tief, was dem verbreiteten Elektroauto-Problem entgegenwirkt, dass Passagiere mit angewinkelten Oberschenkeln in der Luft sitzen. Hier gibt es volle Oberschenkelauflage, Beinfreiheit zum Überkreuzen und auf der rechten Seite sogar eine Liegesitzfunktion, bei der die Rückenlehne weit zurückgestellt und der Beifahrersitz maximal nach vorne gefahren werden kann. Selten habe ich so gut hinten gesessen!

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Der Kofferraum fasst 630 Liter, bei umgeklappter Rückbank 1.530 Liter. Im Brabus ist der Frunk wegen des vorderen Motors auf 47 Liter begrenzt, bietet aber immer noch überraschend viel Platz für Ladekabel und Kleinteile. Im heckgetriebenen #5 passt vorn übrigens sogar ein ganzer Handgepäcktrolley rein.

Das Ambiente ist mit echter Liebe zum Detail gestaltet: Alcantara-Himmel, Alcantara-Säulen, gefräste Alu-Lautsprecherabdeckungen, rote Zierstreifen, Brabus-Stickereien in den Kopfstützen, Karbon-Akzente und eine Ambientebeleuchtung mit 256 wählbaren Farben schaffen ein Umfeld, das sich sehr hochwertig anfühlt. Mehr noch: Man spürt, dass Smart hier wirklich an jeder Ecke auf Individualität geachtet hat.

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Kleinere Abzüge gibt es für klappernde Ablageflächen und Türtaschen und schon ziemlich viel Hartplastik. Die Jalousie des Panoramadachs schließt sich beim Abschließen automatisch und muss danach manuell wieder geöffnet werden, immerhin über einen gut platzierten physischen Taster an der Dachkonsole. Die Sitze sind bequem und hochwertig bezogen, im Brabus-Kontext aber erstaunlich schwach kontuiert. Ein bisschen mehr Seitenhalt und eine verstellbare Oberschenkelauflage würde hier einiges ändern.

Abmessungen Smart #5 Brabus (2025)
Länge 4.695 mm
Breite (ohne Spiegel) 1.920 mm
Höhe 1.705 mm
Radstand 2.900 mm
Sitze 5
Kofferraum 630 - 1.530 Liter (+ 47 Liter Frunk)
Leergewicht 2.378 kg
Zuladung 502 kg
Anhängelast (gebremst) 1.600 kg
Felgen / Reifen 21" Monoblock Z Alloy, 255/40 R21

Antrieb

Brabus steht seit Jahrzehnten für eines: mehr. Mehr Leistung, mehr Präsenz, mehr Fahrerlebnis. Genau dieser Anspruch zieht sich durch jeden Aspekt des Smart #5 Brabus, spätestens wenn man die Rocket-Start-Taste drückt und das Strompedal durchdrückt. Ein Permanentmagnetmotor an der Hinterachse und ein Asynchronmotor vorne ergeben zusammen 475 kW Systemleistung, was in alter Währung gut 645 PS entspricht, und ein maximales Drehmoment von 710 Nm. I

m Launch Mode beschleunigt das 2,4 Tonnen schwere SUV in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Objektiv beeindruckend, subjektiv fast schockierend: Das Fahrzeug schießt ansatzlos nach vorne, ohne Zögern, ohne Anlauf, und hört schlicht nicht auf zu beschleunigen, bis man vom "Gas" geht.

Wer Vergleiche sucht, muss in die höheren Regale greifen: Tesla Model Y Performance, Hyundai Ioniq 5 N. Auf diesem Niveau spielt der Brabus ohne Wenn und Aber mit. Was fast noch mehr beeindruckt, ist die Dosierbarkeit jenseits des Brabus-Modus. Im Komfortmodus reagiert das Auto entspannt und gutmütig, ohne je passiv zu wirken. Bei Kickdown wird allerdings schlagartig alles freigelassen, was der Antriebsstrang hergibt, der Übergang ist drastisch und verlangt mentale Vorbereitung.

Der Sportmodus schärft die Ansprache deutlich, bleibt dabei aber gut beherrschbar und macht im Alltag am meisten Spaß. Im Brabus-Modus setzt das Fahrzeug jede minimale Pedalbewegung sofort in Vortrieb um, begleitet von einem simulierten Motorsound, der die Theatralik des Moments nochmals steigert. Das klingt dann allerdings derart nach billiger Spielkonsole, dass man es schnell deaktiviert.

Dauerhaft ist der Brabus-Mode zu viel des Guten, für spontane Eskapaden auf der Landstraße aber genau das Richtige. Die außergewöhnlich große Spreizung zwischen den vier Fahrmodi ist eines der stärksten Argumente dieses Autos: Es ist an einem Tag ein entspanntes Langstrecken-SUV und am nächsten ein Leistungsträger mit echtem Biss.

Der Verbrauch spiegelt dann ehrlich wider, was das Fahrzeug ist: ein schweres, leistungsstarkes SUV mit kantiger Aerodynamik. Im Stadtverkehr maßen wir 22,7 kWh/100 km, auf der Landstraße 26 kWh, auf der Autobahn bei konstant 130 km/h knapp 34 kWh. Puh... Auf einer extremen Sparrunde konnten wir den Verbrauch auf 17 kWh/100 km drücken, aber das kann man keinem zumuten. Wer das Auto bewusst bewegt, kommt realistisch auf 350 bis 400 Kilometer Reichweite.

Motor & Fahrleistungen Smart #5 Brabus (2025)
Motortyp PMSM (Hinterachse) + ASM (Vorderachse)
Systemleistung 475 kW / 645 PS
Drehmoment 710 Nm
Antrieb Allradantrieb (AWD)
0-100 km/h 3,8 s
Vmax 210 km/h
Batteriekapazität (netto/brutto) 94 / 100 kWh (NCM)
Verbrauch WLTP 19,9 kWh/100 km
Verbrauch Test 17-34 kWh/100 km
WLTP-Reichweite 540 km
DC-Laden (max.) 400 kW (800-Volt-Plattform)
DC-Ladezeit 10-80 % unter 18 Minuten
AC-Laden (max.) 22 kW
AC-Ladezeit 10-100 % unter 5,5 Stunden

Laden

Dank der 800-Volt-Architektur mit bis zu 400 kW DC-Ladeleistung relativiert sich der Verbrauch jedoch stark. Die 100-kWh-Batterie lädt von 10 auf 80 Prozent in unter 18 Minuten, und diese Angabe ist keine Marketingdichtung. An einer 300-kW-Säule, die parallel von einem Tesla belegt war und damit nicht die volle Leistung liefern konnte, zog der Smart anfangs immer noch mehr als 220 kW und stand von 11 auf knapp 90 Prozent genau 20 Minuten.

Bei einem zweiten Ladevorgang an einer freien 300-kW-Säule blieb die Ladekurve konstant auf dem maximalen Säulenoutput und brachte den Akku in vergleichbarer Zeit noch weiter. Besonders positiv fällt auf, dass die Ladeleistung erfreulich stabil bleibt und nicht wie bei vielen anderen BEV schnell merklich einbricht. Das macht Ladestopps bis 90 Prozent sinnvoll und planbar, kurze Kaffeepause inklusive. Genau hier zahlt sich der Aufpreis gegenüber Modellen mit 400-Volt-Technik im Alltag spürbar aus: weniger warten, mehr fahren.

Fahrverhalten

Dass der Smart #5 Brabus kein adaptives Fahrwerk besitzt, weder Luftfederung noch adaptive Dämpfer, überrascht. In China ist das beim #5 verfügbar und im Konzernumfeld auch vorhanden, Smart verzichtet in Europa trotzdem darauf. Das Ergebnis überzeugt dennoch auf ganzer Linie: Das konventionelle Stahlfahrwerk ist exzellent abgestimmt und findet einen bemerkenswert guten Kompromiss aus Komfort und Dynamik.

Das Fahrzeug rollt geschmeidig ab, polstert Unebenheiten souverän und erlaubt gleichzeitig hohe Kurvengeschwindigkeiten mit gutem Grip. Die Physik von 2,4 Tonnen Leergewicht lässt sich nicht wegdiskutieren, aber das Fahrwerk holt das Maximum aus der Situation heraus. Lastwechsel in Schnellen Kurven allerdings lassen das Heck sehr unruhig werden, was vom ESP allerdings souverän eingefangen wird und Spaß macht.

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Die Lenkung lässt sich unabhängig von den Fahrmodi in drei Stufen verstellen. In der mittleren und schweren Einstellung verhärtet sie spürbar, wäre in puncto Rückmeldung aber gerne etwas präziser. Eine wirklich gut kalibrierte Mercedes-Lenkung erreicht hier noch einen Tick mehr Direktheit, doch das ist Kritik auf hohem Niveau.

Klar positiv zu bewerten ist die Abstimmung der Fahrassistenzsysteme: Anders als bei vielen chinesischen Fahrzeugen üblich, agieren die Helfer zurückhaltend und situationsangemessen, ohne permanent einzugreifen. Dieses Fingerspitzengefühl darf man wohl dem Mercedes-Einfluss gutschreiben. Der adaptive Tempomat ist leider auf 150 km/h begrenzt, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h, was angesichts von 645 PS etwas bescheiden bleibt.

Infotainment und Bedienung

Das Infotainment-System des Smart #5 Brabus ist in der Hardware eindeutig stark: Zwei 13-Zoll-OLED-Displays für Fahrer und Beifahrer, ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay und ein großes Augmented-Reality-Head-up-Display bilden ein beeindruckendes Cockpit. Die Sennheiser-Anlage mit 20 Lautsprechern, zentral ausfahrbarem Mittellautsprecher und Dolby-Atmos-7.1.4-Technologie bei 1.190 Watt liefert einen Klang, für den man früher viele Tausend Euro beim Hifi-Spezialisten bezahlen musste. Sie wäre allein schon ein Kaufargument.

Auf der Software-Seite gab es zum Testzeitpunkt deutlichen Nachholbedarf. Funktionen verstecken sich in unlogischen Untermenüs und die Spiegeleinstellung findet man nicht etwa unter den Fahrzeugeinstellungen, sondern bei der 360-Grad-Kamera. Smartphone-Integration gelang nur sporadisch.

Bilder von: InsideEVs.de

Während des Tests rollte jedoch ein größeres Over-the-Air-Update ein, das merkliche Verbesserungen brachte: Störende Assistenzsysteme lassen sich nun per Favoritentaste am Lenkrad mit einem Griff bündeln und abschalten, Apple CarPlay verbindet sich fortan stabil und selbsttätig nach dem Fahrzeugstart, und ein neues Schnellzugriff-Icon erleichtert den Wechsel zwischen CarPlay und dem Bordsystem. Kein vollständiger Befreiungsschlag, aber ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung, der Mut macht. Nur der völlig deplazierte Türöffner-Button innen, den man kaum bedienen kann, wird sich durch kein Update der Welt ändern ...

Kosten

60.900 Euro ruft Smart für den #5 Brabus auf, was sich im direkten Wettbewerbsvergleich als ausgesprochen fair erweist, zumal man momentan noch direkt 4.000 Euro Rabatt bekommt. Der Tesla Model Y Performance startet bei 61.990 Euro, ist aber eben ein Tesla mit allen Vor- und Nachteilen, die wir in unserem ausführlichen Test erfahren konnten.

Der Hyundai Ioniq 5 N ist erst ab 75.900 Euro zu haben, der Kia EV6 GT - ebenfalls bei uns bereits durch den Test gegangen - beginnt bei 69.990 Euro. Diese beiden haben dem Smart allerdings die deutlich umfangreichere Garanrie (5 Jahre Hyundai und 7 Jahre Kia) voraus. Smart bietet hier lächerliche 2 Jahre, Tesla neuerdings immerhin 4 Jahre bis 80.000 Kilometer auf das Gesamtfahrzeug.

Fazit

Der Smart #5 Brabus ist der konsequenteste Bruch mit einer Markengeschichte, den die Automobilwelt in jüngerer Zeit erlebt hat. Nichts an diesem Fahrzeug erinnert an den ForTwo, und das ist kein Problem, denn auf eigenen Meriten ist hier ein außergewöhnliches Auto entstanden: riesig, schnell, komfortabel, mit einer Ladetechnik auf dem Stand der Zeit und einem Interieur, das mit echter Detailverliebtheit gestaltet wurde.

Das Brabus-Topmodell erfüllt jeden Anspruch, den der Name weckt, und ist das schnellste, am besten ausgestattete und charakterstärkste Modell der Baureihe, ohne dabei im Alltag zu überfordern.

Wer mit dem Kauf liebäugelt, sollte die Bedienlogik auf einer ausgiebigen Probefahrt gründlich kennenlernen, denn sie verlangt Eingewöhnung. Wer sich darauf einlässt, bekommt für 60.900 Euro ein Fahrzeug, das in Leistung, Ladegeschwindigkeit, Platzangebot und Ausstattungstiefe innerhalb dieser Preisklasse kaum zu schlagen ist. Und wer dem ursprünglichen Gedanken hinterhertrauert: Ein neuer Zweisitzer als Cityflitzer ist schon im Anmarsch!

© InsideEVs.de
Autor: Christopher Otto