Mal eben den Test des aktuellen (Vor-Facelift-) Modells von 2021 herausgekramt und schnell bemerkt, dass wir schon damals den Abgesang auf den V12 geträllert haben. Jetzt ist es wirklich soweit - zumindest in Europa. Im Rest der Welt darf der Zwölfzylinder auch nach dem Facelift des unangefochtenen Daimler-Flaggschiffs souverän weitersäuseln. Was sich sonst alles an der Doppel-M-S-Klasse geändert hat, sagen wir Ihnen jetzt.
Für die Einhaltung der europäischen Emissionsregeln dürfte der Aufwand einfach zu groß gewesen sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass etwa in Deutschland sowieso kaum noch jemand zum ganz großen Motor griff. 2024 waren es mit 136 Einheiten des S 680 lediglich 14 Prozent.
Wenn Sie hierzulande also eine Luxuslimousine mit V12 haben wollen, bleibt Ihnen künftig nur noch der Gang zum Rolls-Royce-Dealer. Bentley hat seinen W12 ja kürzlich auch in die ewigen Jagdgründe geschickt. Wobei, eine Möglichkeit hätten Sie doch noch: Wie wärs mit einem S 680 Guard?
V12 hin oder her, erst kürzlich verpasste Mercedes seiner S-Klasse das umfangreichste Update der bisherigen Modellgeschichte und davon profitiert nun auch das edelste Gewächs der Baureihe - die Maybach-Variante. Es geht um mehr als nur ein bisschen frischen Chrom: Die S-Klasse wird digitaler, intelligenter und - irgendwie schockierend - auf Wunsch erstmals komplett lederfrei.
MB.OS und der schwebende Stern
Der Fokus der Modellpflege liegt deutlich auf der Technik unter dem Blech. Als erstes Maybach-Modell überhaupt erhält die S-Klasse das neue Mercedes-Benz Operating System (MB.OS). Gepaart mit der vierten Generation des MBUX-Systems wandert der bekannte Superscreen ins Cockpit. Erster Eindruck: Im über-opulenten Maybach-Interieur sieht das alles vereinnahmende XXL-Display nicht so Fehl am Platz aus wie in der normalen S-Klasse.
Wer im Fond Platz nimmt, blickt auf zwei 13,1-Zoll-Displays, die über neu gestaltete Fernbedienungen gesteuert werden. Ein besonderes Highlight für Technik-Fans: Der MBUX Virtual Assistant nutzt künftig generative KI (unter anderem ChatGPT 4o und Google Gemini), um natürliche Dialoge zu führen und komplexe Aufgaben zu übernehmen.
Außen erkennt man das neue Modell vor allem an der Front. Der Maybach-Grill wächst um 20 Prozent und verfügt nun über einen beleuchteten Rahmen sowie einen illuminierten Maybach-Schriftzug. Zudem verstärkt man den zweifelhaften Trend, seine Fahrzeuge mit Markenlogos zu überfrachten. In diesem Fall bombardiert man die Lufteinlässe des Frontstoßfängers mit Maybach-"M"s. in einigen besonders lichtverliebten Märkten dürfen auch das Logo auf der C-Säule und der Stern auf der Haube leuchten.
Die neuen geschmiedeten 20- und 21-Zoll-Felgen verfügen über einen "schwebenden" Mercedes-Stern in der Mitte. Dank einer kugelgelagerten Aufhängung bleibt der Stern während der Fahrt stets aufrecht stehen - gibt es bei Audi und Volkswagen aber auch schon.
V12- und neue Hybrid-Power
Das obere Ende der Nahrungskette markiert weiterhin der S 680. Nun allerdings treten zwei Motorisierungen unter dem feudalen Kürzel auf. Während in Europa der modernisierte V8 (M 177 Evo) mit 612 PS/850 Nm und Mild-Hybrid-Technik die Rolle des Top-Modells übernimmt, bleibt der legendäre V12 (M 279) mit 630 PS für spezifische Märkte außerhalb der EU im Programm.
Darunter rangiert der S 580 mit dem bewährten V8, der nun auf 537 PS plus 23 PS Boost durch den integrierten Startergenerator (ISG) kommt. Eine Überarbeitung gab es für den S 580 e Plug-in-Hybrid. Der Sechszylinder-Benziner (M 256 Evo) soll nun spontaner ansprechen, die Systemleistung liegt bei 585 PS und 750 Nm. Die elektrische Reichweite geben die Stuttgarter mit 92 bis 98 Kilometer an.
Interessantes Detail für den Fahrkomfort: Das neue AIRMATIC-Fahrwerk nutzt Car-to-X-Informationen, um die Dämpfung vorausschauend auf Straßenschäden einzustellen, noch bevor der Wagen diese erreicht. Für alle Maybach-S-Klassen gilt: Mehr Dämmung soll die Geräusch- und Vibrationsabdämmung weiter verbessern.
Erstmals ohne echtes Leder
Im Innenraum setzt Maybach neue Akzente beim Thema Materialwahl. Erstmals wird ein komplett lederfreies Interieur angeboten. Zum Einsatz kommt das Textil Mirville, ein Gemisch aus Leinen und recyceltem Polyester, das in Kombination mit dem Kunstleder ARTICO verarbeitet wird. Wer es traditionell mag, kann sich im MANUFAKTUR Made to Measure-Programm austoben, das hunderte Lackfarben und nahezu unbegrenzte Leder-Kombinationen bietet.
Für das standesgemäße Luxus-Erlebnis im Fond bleiben die versilberten Champagnerkelche von Robbe & Berking sowie das 10-Liter-Kühlfach optionale Pflicht-Features.
Preise und Marktstart
Die Markteinführung lässt nicht mehr lange auf sich warten: Die neue Mercedes-Maybach S-Klasse kann in den ersten europäischen Märkten ab dem 25. März 2026 bestellt werden. Die Serienproduktion im Werk 56 in Sindelfingen startet kurz darauf im April 2026.
Zu den Preisen schweigt sich Mercedes in der offiziellen Mitteilung noch aus, man darf jedoch davon ausgehen, dass der Einstieg in die Maybach-Welt wie gewohnt jenseits der 180.000-Euro-Marke beginnt.








