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Volvo C40 und XC40: Die Recharge Pure Electric-Modelle im Test

Schnell und schräg gegen fundiert und frontgetrieben. Wer macht das Rennen?

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2,8 Prozent. So groß war der Anteil an Elektrofahrzeugen, die Volvo im vergangenen Jahr an den Mann oder die Frau bringen konnte. Eigentlich ein ganz akzeptables Ergebnis, wenn man im Hinterkopf hat, dass der Halbleitermangel auch vor schwedischen Premium-Herstellern nicht Halt macht und mittlerweile für Lieferzeiten von bis zu 11 Monaten sorgt.

Darüber hinaus hatte Volvo bis September 2021 nur den XC40 als vollelektrisches Derivat im Modellprogramm. Mit Twin Motor. Also insgesamt 408 PS von zwei Elektromotoren. Und einem Preis, der einem in dieser Fahrzeugklasse schon einmal die Tränen in die Augen treiben kann. Premium hin oder her.

Mehr CMA-Modelle in Programm

Jetzt hat der Hersteller aus Göteborg die Modellauswahl verdreifacht. Hinzu gekommen sind der günstigere XC40 mit Single Motor, 231 PS sowie Frontantrieb und die coupéhaftige Abwandlung der CMA-Architektur namens C40. Wobei letzteres Modell erst einmal wieder nur mit Allradantrieb und 408 PS erhältlich ist.

Hier müsste man sich noch bis Sommer 2022 gedulden, bis eine schwächere und günstigere Frontantriebsversion nachgeschoben wird. Geduld ist beim XC40 auch gefragt: So sind alle Einheiten des aktuellen Modelljahres ausverkauft und wenn man jetzt bestellt, bekommt man automatisch das optisch veränderte Facelift, welches ab Mai gebaut wird.

Um den aktuellen Hindernissen etwas positives abzugewinnen: Man hat zumindest die Möglichkeit, sich intensiv Gedanken darüber zu machen, in welchen Elektro-Volvo man wie viel Geld investieren möchte. Deshalb haben wir im C40 Recharge Pure Electric Twin Engine und im XC40 Recharge Pure Electric Single Engine Platz genommen und jeweils eine Runde gedreht. Schnell und schräg oder fundiert und frontgetrieben? Wer macht am Ende das Rennen?

Bei den Abmessungen geben sich die beiden Modelle nichts. Und auch bei der Gestaltung des Cockpits und der Volvo-typischen Verarbeitung auf höchstem Niveau sowie den fabelhaften Materialien gibt es zwischen C40 und XC40 keine Unterschiede.

Interessant wird es nur auf der Rückbank, denn während man in dem Modell mit klassischer SUV-Form auch als 1,90 Meter großer Mensch genügend Kopffreiheit genießt, lassen die abfallende Dachlinie und das serienmäßige Glasdach im Coupé die Innenraumhöhe im Fond soweit schrumpfen, dass das Haupt den Himmel streift. Beim Kofferraumvolumen sind die gleichen (geringen) Abstriche zu machen. Überblick? Bitteschön!

 Volvo XC40 Recharge Single EngineVolvo C40 Recharge Twin EngineLänge4.425 mm4.440 mmHöhe1.647 mm1.591 mmBreite1.863 mm1.873 mmRadstand2.702 mm2.702 mmKopffreiheit (vorne)1.030 mm1.040 mmKopffreiheit (hinten)994 mm932 mmKofferraumvolumen419 - 1.295 l (+ 31 l im Frunk)413 - 1.205 l (+ 31 l im Frunk)

Der weitaus größere Unterschied liegt aber in der Silhouette und der Optik des Hecks. Deutlich schärfer und weniger konservativ sieht der C40 gegenüber dem XC40 schon aus. Aber was gut aussieht, muss nicht immer praktisch sein. Denn zusätzlich zum geringeren Platz ist die Aussicht nach hinten in dem SUV-Coupé eher bescheiden bis kaum vorhanden. Aber wenn der Twin Engine an Bord ist, sollte der Blick sowieso eher nach vorne gerichtet werden und beim Rangieren hilft ein hochauflösendes 360-Grad-Kamerasystem mit Vogelperspektive - auch im XC40.

Starten mit dem Hintern ...

Abfahrt. Und dafür genügt es, einfach nur mit dem Schlüssel in der Tasche einzusteigen. Einen Startknopf werden Sie in beiden Modellen nicht mehr finden. Er wird nämlich im Sitz verbaut und sobald man Platz genommen hat, aktiviert sich das Fahrzeug von selbst. Werfen wir aber zuerst noch einen Blick auf die Antriebsunterschiede zwischen Single Engine und Twin Engine sowie auf die weiteren technischen Daten.

 Volvo XC40 Recharge Single EngineVolvo C40 Recharge Twin EngineMotorPSM-Elektromotor2x PSM-ElektromotorenGetriebeeinstufiges Automatikgetriebeeinstufiges AutomatikgetriebeAntriebFrontantriebAllradantriebLeistung170 kW (231 PS)2x 150 kW (408 PS)Drehmoment330 Nm2x 330 Nm (660 Nm)0-100-km/h7,4 s4,7 sVmax160 km/h180 km/hReichweite (WLTP)400 - 423 km415 - 444 kmVerbrauch (WLTP)18,7 - 19,7 kWh/100km20,7 - 22,3 kWh/100kmLadegeschwindigkeit (10 - 80%, 150 kW, DC)32 min37 minSpeicherkapazität69 kWh78 kWhGewicht2.030 kg2.207 kg

Wie man aus den Daten schon herauslesen kann, bietet der C40 Recharge Twin Engine ein wirklich verrücktes Fahrerlebnis. Für diese Fahrzeugklasse ist die Beschleunigung einfach aberwitzig. Und selbst in Kurven schafft es der Allrad irgendwie, die 2,2 Tonnen Leergewicht und den erhöhten Schwerpunkt in der Spur zu halten sowie ein vertrauensvolles Gefühl zu erzeugen. Die große Frage ist jedoch: Braucht es das? Und die einfache Antwort darauf leitet schlichtweg: Nein, das braucht es nicht.

Volvo C40 Recharge Pure Electric (2022) im Test

Mit 231 PS, Frontantrieb und rund 200 kg weniger auf der Waage ist man nämlich mehr als ausreichend bedient, um sowohl an der Ampel im Stadtverkehr zu zeigen, wer schneller an der nächsten Kreuzung stehen kann, als auch, um ohne nennenswerten Gripverlust durch schnelle Landstraßenkurven zu heizen. Okay, der Topspeed macht schon einen Unterschied von 20 km/h, aber ab Tempo 120 werden eigentlich beide Volvos schon so unwirtschaftlich im Verbrauch, dass man nicht viel schneller fahren sollte.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2022) im Test

So lassen sich bei beiden Modellen die Verbräuche und Reichweiten des WLTP-Zyklus nicht realisieren. Selbst bei moderater Fahrweise und nur je zwei Beschleunigungstests auf einer rund 80 km langen Testroute, können wir den XC40 mit einem Motor nur auf 23,7 kWh/100km und den C40 mit zwei Motoren nur auf 27,4 kWh/100km drücken.

Letzterer Wert ist eigentlich schon Porsche Taycan Turbo S-Niveau. Die realistischen Reichweiten liegen demnach bei unter 300 km. Obwohl die Speicherkapazität der Akkus eigentlich angemessene Größen für kompakte SUVs hat.

Abstufungen der Rekuperation fehlen. Leider.

Die Energierückgewinnung durch Rekuperation bietet dazu nur zwei Stufen. Entweder man schaltet das One-Pedal-Drive-System mit maximaler Bremswirkung an und wird ruckartig beim Verlassen des Gaspedals eingefangen, oder man schaltet es ab und segelt so lange ohne Bremswirkung dahin, bis man das Bremspedal betätigt. Hier hätte eine Abstufung wirklich gut getan. Auch um E-Auto-Neueinsteigern ein natürliches Schleppmoment eines Verbrenners vorgaukeln zu können.

Abseits von den verschwenderischen Eigenschaften der Antriebsstränge fühlt man sich aber extrem wohl und sicher im C40 und XC40. Akustisch ist man weitestgehend von der Umwelt abgekoppelt. Das Infotainment mit Google-Software funktioniert einwandfrei und zählt wohl zu dem aktuell besten System auf dem Markt. Die Menüstruktur und die Visualisierung der Inhalte ist dazu sehr reduziert und überfrachtet einen nicht mit irgendwelchen sinnlosen Informationen. Digital Detox. Allerdings mit problemloser Smartphone-Koppelung.

Beim Blick auf den Preis zeigt sich ebenfalls, weshalb die Single Engine-Version die wohl bessere Wahl sein dürfte ...

 Volvo XC40 Recharge Single EngineVolvo C40 Recharge Twin EngineBasispreis48.650 Euro62.050 Euro (1st Edition)Plus+ 3.500 Euro-Ultimate+ 7.750 Euro-

Fazit: 7,5/10 Punkte

Beide Volvo-Fahrzeuge sind durchaus gelungen. Premium. Schön. Äußerst angenehm und bei Abruf auch schnell auf der Straße. Aber teuer. Und leider nicht so effizient, wie sie sein könnten. Wenn wir uns jetzt zwischen beiden Modellen entscheiden müssten, würden wir unser Geld und die unvermeidbare Wartezeit in den schickeren und nur unwesentlich unpraktischeren C40 stecken.

Aber auf die Single Engine-Version im Sommer 2022 und weitere Basis-Ausstattungslinien warten. Oder - wenn Premiumcharakter und schickes Schweden-Design vernachlässigbar sind - zu einem ähnlich großen, sparsameren, nicht ganz so schicken aber günstigeren Kia e-Niro greifen.

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