Maximale Kantigkeit: Nicht umsonst tragen die 700er-Limousine und der Kombi von Volvo den Spitznamen "Schwedischer Ziegelstein". Doch es gibt eine elegante, aber kaum bekannte Ausnahme. Vor vier Jahrzehnten zeigt sich, was italienisches Design leisten kann.
Der Volvo 780 steht ab 1985 als exklusives Coupé an der Spitze der 700er-Serie des Konzerns. Auf dem Genfer Automobilsalon feiert das Modell seine Premiere und zieht sofort Aufmerksamkeit auf sich. Verantwortlich dafür ist die Karosserie aus dem Hause Bertone, entworfen von Marc Deschamps und in Turin gefertigt. Die Linien fallen niedriger aus als bei den Limousinen der Baureihe, Dach, Haube und Heck sind leicht abgesenkt, die C-Säule breiter und flacher geneigt.
Trotz der geänderten Silhouette bleibt die Kopffreiheit höher als beim skurrilen Vorgänger 262C, da das Dach nur um einen Zentimeter abgesenkt wird. Schwarze Fensterrahmen mit Chromakzenten sowie Chrom an Türgriffen, Stoßfängern und Zierleisten prägen den Auftritt.
Coupés gelten bei Volvo als repräsentative Krönung einer Baureihe, und der 780 übernimmt diese Rolle für die Oberklasse aus Göteborg. Technisch basiert er auf dem Volvo 760, Design und Interieur entstehen jedoch bei Bertone. Der Innenraum ist luxuriös ausgeführt, mit Holzverkleidungen, umfangreicher Ausstattung und zwei Einzelsitzen im Fond. Eine Besonderheit ist die 4-Kanal-Stereoanlage mit elektronischem 7-Band-Grafik-Equalizer und 120-Watt-Verstärker.
Der Volvo 780 wird als Zweitürer gebaut und überwiegend für den US-amerikanischen Markt produziert. In Europa erfolgt der offizielle Vertrieb nur in ausgewählten Ländern, darunter Schweiz, Österreich, Spanien und Italien. In Deutschland ist das Modell offiziell nicht erhältlich, da Volvo angesichts eines damaligen Verkaufspreises von rund 90.000 DM keine ausreichenden Marktchancen sieht. Einzelne Fahrzeuge gelangen über den grauen Markt und später als Gebrauchtwagen nach Deutschland.
Motorenseitig reicht das Angebot von Reihen-Vierzylinder-Benzinern über V6-Benziner bis hin zu einem Reihen-Sechszylinder-Turbodiesel. Die Hubräume liegen zwischen 2.316 und 2.849 Kubikzentimetern, die Leistungen zwischen 95 kW (129 PS) und 125 kW (170 PS). Serienmäßig kommen ein Viergang-Schaltgetriebe mit elektrischem Overdrive oder eine Viergang-Automatik zum Einsatz. Gebremst wird rundum mit hydraulischen Scheibenbremsen. Der Wagen misst 4.794 Millimeter in der Länge, der Radstand beträgt 2.770 Millimeter.
Zu den Besonderheiten zählt der 2,4-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel D24TIC mit 95 kW, der von Volkswagen zugeliefert wird und ursprünglich für den VW LT vorgesehen ist. Im Vergleich zum 760 ist seine Leistung um 17 PS gesteigert. Diese Motorisierung gehört zu den ersten ihrer Art in einem Coupé und wird vor allem in Spanien und Italien angeboten. Ebenfalls aus steuerlichen Gründen sind dort 2,0-Liter-Benziner verbreitet.
Der PRV-V6 mit Drei-Wege-Katalysator stellt die meistverkaufte Variante dar, erreicht mit 108 kW jedoch nicht das Leistungs- und Komfortniveau, das in dieser Preisklasse üblich ist, was auch dem Automatikgetriebe geschuldet ist. Ein geplanter PRV-V6-Turbo wird aufgrund thermischer Probleme im engeren Motorraum des 780 nicht realisiert.
Bilder von: Volvo
Die seltener bestellten Vierzylinder-Turbomotoren sind mit 2,0 und 2,3 Liter Hubraum erhältlich und werden in mehreren Leistungsstufen angeboten. Für sie steht auch das manuelle Getriebe mit Overdrive zur Verfügung. Die stärkste Ausbaustufe ist der 2,0-Liter-16V-Turbo B204GT mit 145 kW, der ausschließlich in Italien ohne Katalysator und Aktivkohlefilter angeboten wird und nur in sehr geringer Stückzahl entsteht.
Bis 1987 besitzt der Volvo 780 eine Starrachse hinten. Mit der Modellpflege des Volvo 760 übernimmt auch das Coupé die Multilink-Hinterachse mit selbstnivellierenden Nivomat-Dämpfern sowie eine verbesserte elektronische Klimaregelung. Im letzten Baujahr erhält der 780 zusätzlich eine Differenzialsperre. Gegen Ende der Produktionszeit wird das Modell zeitweise nur noch als "Volvo Coupé" bezeichnet und ausschließlich mit Turbomotoren ausgeliefert.
Zwischen 1985 und 1990 entstehen insgesamt 8.518 Exemplare des Volvo 780. Einen direkten Nachfolger erhält das Modell erst 1997 mit dem C70, während zwischenzeitlich lediglich der kompaktere 480 als Coupé im Programm steht.








