Wie beerbt man eine lebende Legende? Diese Frage stellt sich nicht nur in Sport oder Musik. Auch im automobilen Bereich haben es die Nachfolger berühmter Namen oft schwer. Am 26. August 1974, also vor 40 Jahren, wird der Citroën CX erstmals präsentiert. Als Nachfolger des legendären Citroën DS ist das Modell der oberen Mittelklasse die Synthese aller technischen Entwicklungen von Citroën.
Im Jahr 1969 kommt das Startsignal für die Entwicklung eines Nachfolgers der DS-Modellreihe. Ziel ist es, ein Fahrzeug zu schaffen, das an den Charme des seit 1955 produzierten Vorgängermodells anknüpft, jedoch deutlich kostengünstiger herzustellen ist. Das ist auch dringend nötig, denn Anfang der 1970er-Jahre befindet sich Citroën in wirtschaftlichen Problemen. So wird der spätere CX zur letzten eigenständigen Neuentwicklung der Marke vor der Übernahme durch Peugeot.
Präsentiert wird der Citroën CX dem französischen Staatspräsidenten Giscard dEstaing kurz vor dem Pariser Salon 1974. Im Anschluss an die internationale Pressepräsentation in Lappland erhalten 25 Journalisten die Gelegenheit, mit dem Citroën CX an der "Raid Arctique" teilzunehmen, die von Galliväre bei Kiruna rund 3000 Kilometer bei unterschiedlichsten Fahrbahnuntergründen und Wetterbedingungen bis nach Paris führt.
Der Name des Citroën CX geht auf den französischen Begriff für den Cw-Wert
(Luftwiderstandswert) zurück. Der Cw-Wert des Citroën CX liegt vor 50 Jahren bei 0,39 und somit auf einem sehr guten Niveau.
Der CX gilt als Synthese aller technischen Entwicklungen von Citroën. So verfügt er
unter anderem über ein querliegendes Antriebsaggregat, hydropneumatische Federung mit konstanter Bodenfreiheit, Einzelradaufhängung, Scheibenbremsen an den Vorder- und Hinterrädern sowie eine Zweikreis-Servobremsanlage. Später kommt noch die "Diravi", eine geschwindigkeitsabhängige und selbstrückstellende Servolenkung hinzu.
Die konkav gewölbte Heckscheibe - genau wie beispielsweise beim späteren Citroën C6 - lässt den Regen mittig ablaufen und erlaubt den Verzicht auf einen Heckwischer. Die unter Leitung von Chefdesigner Robert Opron gestaltete Karosserie des Citroën CX orientiert sich nur geringfügig am Vorgängermodell DS. Lediglich die in ihrer Spurweite reduzierte Hinterachse und das Fließheck werden stilistisch wieder aufgenommen. Für Kritik sorgt der kleine Kofferraumdeckel statt einer großen Heckklappe.
Bewährte Motorisierungen
Beim Antrieb setzt man auf zwei altbekannte Motorvarianten: Der Citroën CX 2000 übernimmt den Motor des DS 20. Mit 1.985 ccm Hubraum und 102 PS (75 kW) erreicht das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h. Der CX 2200 ist mit einem vom DSuper5 stammenden Aggregat mit 2.175 ccm und 112 PS (82 kW) ausgestattet, mit dem auf 179 km/h beschleunigt werden kann.
Auto des Jahres 1975
1975 wird der Citroën CX zum "Auto des Jahres" gekürt. Zudem erhält er den "Prix de la Sécurité" und den "Prix Style Award". Im selben Jahr erscheint der CX 2200 in der luxuriös ausgestatteten Variante "Pallas". Kurz darauf ist im CX 2200 D das erste Dieseltriebwerk verfügbar, das bereits seit 1973 im Citroën C32 und C35 zum Einsatz kommt.
Im September 1975 folgt schließlich die Kombi-Variante CX Break, die gegenüber der Limousine einen um 25 cm verlängerten Radstand aufweist. Den Break gibt es auch als Familiale: ein Kombi mit dritter Rücksitzbank und Platz für bis zu acht Personen. Als zweite Neuerscheinung kommt einige Monate später der noble CX Prestige auf den Markt. Er kann ab 1977 mit einer elektronischen Benzineinspritzung aufwarten, was zu einer Leistungssteigerung auf 128 PS (94 kW) beziehungsweise 190 km/h Spitze führt.
Schnellster Pkw mit Dieselmotor
1978 wird der Citroën CX optisch und mechanisch weiterentwickelt. Nach umfangreichen konzeptionellen Arbeiten am bestehenden Aggregat kommt der Citroën CX 2500 D mit 75 PS (55 kW) auf den Markt. Mit diesem Antrieb kann der CX mit 156 km/h den Titel als schnellster Pkw mit Dieselmotor beanspruchen.
Deutliches Facelift in 1985
Ab Juli 1985 ist der Citroën CX stark optisch überarbeitet erhältlich - unter anderem mit Stoßfängern aus Plastik und Rundinstrumenten statt Walzentachos im Innenraum. Mit dem abermals überarbeiteten Turbodiesel-Motor und einer Spitzengeschwindigkeit von 195 km/h beansprucht der Citroën CX erneut den Titel des weltweit schnellsten Diesel-Fahrzeugs.
Fortan gilt der Citroën CX auch als erstes französisches Fahrzeug, das mit ABS ausgestattet war. Der CX Break dient aufgrund seiner Länge und seines Platzangebotes ohne Karosseriemodifikationen auch als Basis für Sonderlösungen - so zum Beispiel als Kranken- und Leichenwagen. Tissier macht ihn zum Eiltransporter mit drei Achsen. Dank der hydropneumatischen Federung hat der Citroën CX eine für einen Pkw sehr hohe Nutzlast von über 700 kg.
Die Luxusversion Citroën CX Prestige wird von einigen Staatsoberhäuptern als Dienstwagen genutzt. So umfasst beispielsweise der Fuhrpark von DDR-Staatschef Erich Honecker mehrere CX Prestige, die zusätzlich verlängert sind und Platz für eine dritte Sitzreihe bieten.
Zwischen Spätsommer 1974 und 1991 werden insgesamt 1.041.560 Einheiten der Baureihen Berline (Limousine) und 128.185 Break (Kombi) produziert. Als Nachfolger kommt der XM auf den Markt. (Natürlich nicht der heutige BMW ...) In Deutschland verkauft Citroën insgesamt 111.049 Einheiten des CX. Besondere Bekanntheit
erlangte der Citroën CX in den 1980er-Jahren in Deutschland als Dienstfahrzeug von Fernsehkommissar Horst Schimanski aus Duisburg. Er ist heute wie auch sein Auto längst Kult.








