Retro ist angesagt! Nicht nur bei Fiat, nicht nur bei Renault, auch in der Popkultur wird regelmäßig auf nostalgische Momente gesetzt. Da werden Jahrzehnte alte Franchises aus der Mottenkiste hervorgeholt, Geschichten in die 1980er und 90er Jahre versetzt oder längst vergessene Figuren wiederbelebt. Die Rückkehr bekannter Charakterköpfe soll Vertrautheit im Neuen vermitteln.
Was ist das?
In einer sich viel zu schnell drehenden Welt brauchen wir Ankerpunkte. Und so setzt auch der Fiat Grande Panda voll auf den 1980er Jahre Charme. Das kompakte Crossover zitiert den ikonischen "Schuhkarton" Panda 4x4. Denn was mit dem 500 erfolgreich geklappt hat, wird doch sicher auch eine Nummer größer funktionieren, oder?
Der Nostalgiebolzen setzt dabei auf eine Multiantriebsplattform. Der Grande Panda steht als Benziner, Mildhybrid und Stromer im Konfigurator bereit. Seit Kurzem gibt es Ersteren auch mit Schaltgetriebe als neue Basisversion. Alle anderen "Großen Bären" laufen mit einem Automatikgetriebe vom Band.
Unser blauer Testpanda kommt mit dem bekannten Stellantis-48-Volt-System. Der 1,2-Liter-Turbobenziner leistet 74 kW (100 PS). Der Dreizylinder wird mit einem Elektromotor kombiniert, der zusätzliche 21 kW (28 PS) erzeugt und aus einer 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgt wird. So stehen insgesamt 81 kW (110 PS) zur Verfügung.
Die zusätzliche elektrische Leistung soll die Durchzugskraft des Verbrenners bei niedrigen Drehzahlen und beim Beschleunigen verbessern. In der Theorie soll sie bei unserem Captain Blaubär für ein "sanftes und leises Anfahren sowie reaktionsschnelle, automatische Gangwechsel" sorgen. Die Energie in der Batterie wird ausschließlich durch Rekuperation beim Verzögern geladen.
| Fiat Grande Panda 1.2 eDCT (2025) | |
| Antrieb | 1,2-Liter eDCT Mild-Hybrid (74kW/100 PS) + E-Motor (21 kW/28 PS) - Frontantrieb |
| Getriebe | Automatisches Doppelkupplungsgetriebe |
| Systemleistung / Drehmoment | 81 kW (110 PS) / 205 Nm |
| 0 - 100 km/h | 11,2 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
| CO2-Emission (WLTP) / Verbrauch (WLTP) | 115 g/km / 5,1 l/100km |
| Basispreis | 19.990 Euro |
Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht | Preise | Fazit
Karosserie und Design
Am Design des Fiat Grande Panda können wir seine Absichten erkennen. Denn wie Renault 5, Twingo und Nissan Micra setzt er auf die Nostalgie, um Menschen mit seiner bereits angesprochenen Vertrautheit in Richtung neuer Technologie (Stromer) zu locken. Große Flächen und grobe Kanten generieren nicht gerade aerodynamische Vorteile, zeugen aber von Charakter.
Doch mit seinen 3,99 Metern in der Länge rangiert Blaubär irgendwo zwischen Kleinstwagen und Crossover-Kompakten. Nur sein Plattform-Bruder Citroën C3 hat ähnliche Maße. Seat Arona, Hyundai Bayon, Dacia Sandero Stepway und Kia Stonic sind allesamt mindestens 11 Zentimeter länger. Das setzt den Grande Panda mit seinen verspielten Pixelscheinwerfern, den gestanzten Schriftzügen, der Logoflut und der markanten Dachreling in ein völlig unbespieltes Niemandsland.
Bilder von: Motor1.com
Das Design ist durchaus eigenwillig. Eines, das wohl eher für seine Elektroversion gedacht war. Die Leute am Straßenrand drehen sich schmunzelnd nach ihm um. Mehr noch in knalligen Farben wie dem kostenlosen "Limone Gelb" als in diesem gedeckten "Lago Blau" unseres Testers. Als Hybrid wirkt der Fiat Grande Panda im Gegensatz zu seinen Verbrennerkollegen hip und modern. Die Konkurrenz ist daher vom Design- und Raumkonzept eher im vollelektrischen Bereich in Form von Hyundai Inster oder eben R5 unterwegs.
Innenraum
Und genau das macht sich auch im Innenraum bemerkbar. Die Ausrichtung wirkt generell minimalistisch, zollt den 1980er Jahren aber wild Tribut. Falls Sie beim Einsteigen beim Blick auf die etlichen Panda- und Fiat-Logos noch nicht bemerkt haben, dass Sie gleich eine Variante des Fiat Panda fahren werden, bemerken Sie es mit Sicherheit im Innenraum.
Neben der Logoflut zeigt der Panda farbliche Akzente auf Stoffen und Materialien. Das wirkt gerade mit dem eingelassenen Panda in der Zierleiste um die Armaturen schon drollig. Vom großflächig verarbeiteten Hartplastik und der generischen Stellantis-Optik lenkt das leider trotzdem nicht ab.
Zumal manche Elemente dürftig verarbeitet wurden, was vor allem im Spiel der ebengenannten Blende zu erkennen ist. Die Hochglanzoptik auf der Mittelkonsole erweist sich zudem als kratzeranfällig. Der Sparkurs äußert sich außerdem in eigentlich standardmäßig vorhandenen Teilen wie fehlenden Haltegriffen am Himmel und nicht vorhandenen Spiegeln in den Sonnenblenden.
Bilder von: Motor1.com
Das Infotainment-System ist einfach gehalten. Außer allgemeinen Einstellungen, Navigation, Musik und der Integration des Smartphones ist hier nicht viel los. Die Bedienung ist daher recht simpel, wenn die Funktion nicht einfriert. In unserem Test hatten wir darüber hinaus mit einem Komplettausfall inklusive schwarzem Bildschirm des Infotainment zu kämpfen. Auch nach Neustart des Grande Panda fuhr das System nicht wieder hoch. Gute 15 Minuten vergingen, bis der Bildschirm aus dem Tiefschlaf erwachte.
Und auch die visuelle Übersicht ist durch die breiten A- und C-Säulen eingeschränkt. Da unterstützt auch die Rückfahrkamera mit ihrer geringen Auflösung beim Rangieren kaum. So wirken 3,99 Meter größer als sie sind.
Punkten kann der Fiat Grande Panda hingegen beim Raum und Sitzkomfort. Das boxige Design unterstützt nicht nur bei der Kopffreiheit, sondern vor allem beim Beladen. 412 Liter gehen allein ins Heckabteil, ganze 1.366 Liter sind es mit umgeklappter Rücksitzbank. Zwar muss hier eine Stufe beim Beladen mit einkalkuliert werden, sperrigere Teile können so aber durchaus im Italiener transportiert werden.
| Fiat Grande Panda 1.2 eDCT (2025) | |
| Länge x Breite x Höhe | 3.999 x 2.017 x 1.598 mm |
| Radstand | 2.540 mm |
| Kofferraumvolumen | 412 - 1.366 Liter |
| Leergewicht | 1.327 kg |
| Zuladung | 448 kg |
| Max. Anhängelast | 600 kg |
Fahrbericht
Zu große Füße sollten Fahrende im kuscheligen Bären allerdings nicht mitbringen. Je nach Fußstellung bleibt man hier beim Umsetzen vom Gas- aufs Bremspedal manches Mal am Unterbau des Armaturenbretts hängen. Eine weiter nach hinten geschobene Sitzposition wurde bei mir mit Schuhgröße 43 nötig, um den Fuß gestreckter positionieren zu können.
Beim Starten des Fiat Grande Panda fällt sofort die unruhige Hybridbalance auf. Zwar ist ein geräuschloses Anfahren möglich, das Zuschalten des Verbrenners gestaltet sich jedoch jedes Mal mit einem spürbaren Ruckeln. Andere Hersteller bekommen den Übergang nicht nur harmonischer hin, sondern können die Lautstärke des Aggregats auch hörbar eindämmen.
Das schafft der "große" Panda leider nicht. Hinzu kommt, dass der Antrieb auch bei gemächlichen Gasstößen im Einparkvorgang unangenehm zwischen Verbrenner und Elektrobetrieb wechselt. Einmal unterwegs, findet der Antrieb jedoch eine gute Balance.
Bilder von: Motor1.com
Seine Fahrwerksabstimmung ist ein echter "People Pleaser": nicht zu weich, nicht zu hart. So nimmt der Grande Panda holprige Straßen souverän, kann aber auch, dank des kurzen Radstands, das ein oder andere Mal ein wenig flinker um die Kurve geworfen werden. Zumal man über die Lenkung stets Rückmeldung von der Straße erhält.
Eine gute Figur macht er auch auf der Autobahn. Der Vortrieb bleibt nicht nur bei geringen Geschwindigkeiten angenehm, im Rahmen geht der Italiener auch über 130 km/h noch gemäßigt nach vorn, sodass ein Mitschwimmen bei 150-160 durchaus möglich ist. Allerdings wird es in der stylischen Box dann etwas laut. Hektisches Beschleunigen sollte dem Kleinen ebenfalls nur selten zugemutet werden, denn dann kommt das Getriebe mit Schaltvorgängen nur selten hinterher.
Im Schnitt gönnte sich der Grande Panda 5,7 Liter auf 100 Kilometer. Das geht besser, ist bei seiner Form jetzt aber auch kein Beinbruch. Wer umsichtig fährt, kommt durchaus in den tiefen Fünferbereich.
In der Dunkelheit äußert sich die Fernlichtautomatik etwas planlos. Auf der Autobahn und auch im städtischen Umfeld ist sie ständig damit beschäftigt, die bestmögliche Ausleuchtung zu erzielen. Ist man dann mal wirklich auf dem Land ohne Straßenleuchten unterwegs, passiert rein gar nichts. Ich musste hier manuell aufblenden, da auch die Streuung der Scheinwerfer zu den Seiten eingeschränkt wirkt.
Preise
Vor Kurzem hat Fiat dem Grande Panda eine neue Einstiegsversion spendiert. Der zuvor angesprochene 74 kW (100 PS) leistende Benziner mit Schaltgetriebe startet in der Basisversion Pop bei 18.990 Euro. Hier ist aber nicht mal der Infotainment-Bildschirm mit drin, sondern nur eine Smartphone-Halterung. Die Mildhybrid-Version ist jetzt ab 19.990 Euro zu haben.
Unser Testwagen kam in der Ausstattungsvariante Icon, die bei 21.990 Euro losgeht. Hier sind Infotainment und weitere Assistenten bereits mit drin. Für den Preis steht der Grande Panda allerdings immer noch ohne Alufelgen auf 16-Zoll-Stahlfelgen mit "Aero-Abdeckung". Wer darauf Wert legt, muss mindestens noch einmal 1.250 Euro für ein Style-Paket obendrauflegen. Die Elektroversion geht bei 24.990 Euro los.
Fazit: 6/10
Der Fiat Grande Panda ist als Hybrid deshalb so clever positioniert, weil er das moderne, boxy Design der Elektroautos mit dem Einstiegspreis der Verbrenner kombiniert. Denn die Design- und Raum-Konkurrenz sitzt eher im Stromer-Lager. Wer mehr Features in seinem mager ausgestatteten Blaubär sehen will, muss tief in die Tasche greifen.
Zudem überträgt der Italiener seine äußere Eigenheit auf etwas zu markante innere Werte. Verarbeitung, Hybridantrieb und Verbrauch zeigen Makel. Wer Design an oberste Stelle setzt, wird mit dem Grande Panda sicher glücklich. Die besseren Kompakt-Crossover Gesamtpakete warten bei Hyundai, Seat, VW, Dacia und Co. Sowohl als Hybrid als auch als BEV.








