Auf der CMT Stuttgart zeigt Hyundai keine Serienneuheit, sondern eine Studie mit klarer Fragestellung: Wie sinnvoll lässt sich ein Camper von Beginn an elektrisch denken? Das Staria Camper Concept verbindet den E-Van mit festen Camping-Elementen und versteht sich weniger als Showcar, sondern als realistischer Ausblick mit offenem Feedback-Ansatz.
Der Kontext passt. Auf der CMT 2026 rücken Autarkie, kompakte Konzepte und neue Energiepfade stärker in den Fokus. Der Staria ordnet sich dort ein, ohne den Anspruch zu erheben, alles neu zu definieren. Hyundai spricht bewusst von einem Konzept und sammelt Rückmeldungen direkt am Fahrzeug und online.
Basis ist der Hyundai Staria Elektro, der ohnehin eher Raumkapsel als Lieferwagen ist. Für die Camper-Studie wurde das Design behutsam weiterentwickelt, nicht zerlegt. Auffälligstes Element ist das nahtlos integrierte Aufstelldach, das sich elektrisch öffnet und optisch fast mit der Karosserie verschmilzt. Kein aufgesetzter Fremdkörper, sondern ein funktionales Bauteil, das Aerodynamik und Optik respektiert.
Im Dach steckt auch die eigentliche Ansage des Konzepts: ein 520-Watt-Solarmodul, das unter Idealbedingungen bis zu 2,6 kWh pro Tag liefern soll. Das ist keine Spielerei für LED-Streifen, sondern ausreichend für Kühlbox, Licht, Lüftung und kleinere Verbraucher - auch mehrere Tage ohne externe Stromquelle. Hyundai positioniert den Staria damit nicht nur als Campingplatz-Begleiter, sondern als Fahrzeug fürs Freistehen und längere Auszeiten jenseits der Steckdose.
Bilder von: Hyundai
Im Innenraum bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Statt klassischer Sitzbänke setzt Hyundai auf zwei elektrisch verstellbare Einzelsitze, die sich um 180 Grad drehen lassen. Das ergibt gemeinsam mit dem Aufstelldach einen einladenden Lounge-Bereich, der auch an regnerischen Tagen nicht nach Notlösung aussieht. Abends entsteht aus der Rückbank mit einem Knopfdruck ein Liegeplatz für zwei, bei dem Komfort vor Kompromiss steht.
Neu ist auch der Einsatz von Smart Glass im Fond - also elektronisch tönbares Glas, das sich stufenlos dimmen lässt. Das sorgt für mehr Privatsphäre, UV-Schutz und Hitzeschutz. Das Touch-Bedienelement für die Fenstersteuerung wirkt wie ein Detail aus einem Konzeptfahrzeug, hat aber realistische Chancen auf den Serienstatus.
Bilder von: Hyundai
Technisch basiert das Konzept auf dem neuen Staria Elektro, den Hyundai kurz zuvor auf dem Brüsseler Autosalon vorgestellt hat. Wie bereits bei Ioniq 5 und Ioniq 6 setzt Hyundai auf eine 800-Volt-Plattform, die ultraschnelles Laden möglich macht: von 10 auf 80 Prozent in rund 20 Minuten. Der Elektromotor leistet 160 kW (218 PS) und treibt die Vorderräder an.
Die geschätzte Reichweite liegt laut WLTP bei rund 400 Kilometern, was dem Camper eine ordentliche Etappe zwischen zwei Ladepunkten ermöglicht. Dazu kommen Modifikationen an der Radaufhängung und zusätzliche Dämmmaterialien, um den Reisekomfort noch einmal deutlich zu steigern.
Hyundai stellt auf der CMT klar: Noch ist der Staria Camper eine Studie. Aber eine mit Absicht. Feedback ist ausdrücklich erwünscht - online oder direkt am Stand in Halle 1. Der Camper soll kein koreanischer Schnellschuss werden, sondern ein auf europäische Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt.
Ob die Serienversion tatsächlich kommt, hängt auch vom Interesse der Messebesucher ab. Und davon, wie gut das Konzept im Vergleich zu etablierten Playern und neuen Herausforderern wie dem Rhön Camp Ultimate oder dem Ford Nugget 40 Jahre-Sondermodell abschneidet.








