Hyundai i20 (2025) N Line im Test: Letzte Chance auf N-Gefühle

Die Blackline ersetzt 2026 die N Line – lohnt sich ein Light Hatch als Vorjahresmodell?

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Die Hochphase des Hyundai i20 mit über 20.000 verkauften Modellen im Jahr ist in Deutschland vorbei. Konkurrenz, SUVs, Crossover und E-Modelle setzen dem Koreaner zu. 2025 lagen seine verkauften Einheiten nur noch bei 9.847 Exemplaren. 

Die Produktion des reinrassigen Hot Hatch i20 N endete schon 2024. Und jetzt nimmt Hyundai uns auch noch den letzten Rest sportlichen N-Gefühls beim i20. Denn die N Line ist 2025 ausgelaufen. Für 2026 übernimmt die "Blackline" den Platz für "den etwas anderen Look", so die Koreaner auf der i20-Produktseite. Doch bevor auch Bestandsfahrzeuge des vorherigen Modelljahres restlos ausverkauft sind, schauen wir, ob Sie jetzt noch zugreifen sollten.

Hyundai i20 (2025) im Test

Seit 2020 ist die dritte Generation des Polo-Rivalen bereits auf der Straße, 2023 gab es noch mal ein Facelift. Der kleine Koreaner nähert sich dem Ende seines Lebenszyklus. Doch nicht nur der reine Wegfall der N Line macht diesen sportlich getrimmten Alltagsbock interessant.

Mit ihr ging auch eine weitere Antriebsoption: Alle i20 sind jetzt nur noch mit einem 1,0-Liter-T-GDI mit 66 kW (90 PS) erhältlich. Die N Line gönnte sich mittels eines 48-Volt-Systems 74 kW (100 PS), bis 2024 standen auch 88 kW (120 PS) zur Verfügung.

Das klingt nicht nur auf dem Papier netter, gegenüber der aktuellen Blackline ist er mit der 100-PS-Variante und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe um 0,7 Sekunden schneller von 0 auf 100 km/h. Auch wenn 12,1 Sekunden zwar keine Raketenwerte darstellen, das macht bei der Spritzigkeit für das Fahrgefühl, gerade bei Geschwindigkeiten bis 70 km/h, schon etwas aus.

Schnelle Daten Hyundai i20 N Line (2025)
Antrieb 1,0-Liter-T-GDI mit 48-Volt-System - Frontantrieb
Getriebe Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung / Drehmoment 74 kW (100 PS) / 200 Nm
0 - 100 km/h 12,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 182 km/h
Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission

5,8 l/100km / 131 g/km

Preis

27.600 Euro


Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht und Verbrauch | Preise und Konkurrenz | Fazit


Karosserie und Design

Zudem gönnte Hyundai dem i20 N Line Voll-LED-Scheinwerfer, eine graue Zierleiste auf dem Stoßfänger, einen schwarzen Kaskadengrill, dessen Muster an eine karierte Rennflagge erinnert, und ein darauf angebrachtes N-Line-Logo. Am Heck kam der Light Hatch mit LED-Rückleuchten, einem Diffusor und verchromten Endrohren der Auspuffanlage. Das blubbert wie beim Großen, sag ich Ihnen!

Exklusive 17-Zoll-Leichtmetallräder sowie schwarz lackierte A-, B- und C-Säulen und Abdeckungen der Außenspiegel lassen diese i20-Variante sportlich flach aussehen. Insgesamt gibt's am Design noch immer nichts zu rütteln. Das hier ist ein klassisch keilförmiger Wagen, der mit seinen eingefrästen Ecken und Kanten durchaus Dynamik ausstrahlt. Wir vermissen den i20 N schon jetzt. Sorry, not sorry! 

Bilder von: Motor1.com Deutschland

Innenraum

Im Innenraum kommt der Hyundai i20 N Line mit roten Applikationen, Nähten und zusätzlichen N-Logos. Das zeugt von netter Detailverliebtheit und suggeriert auch im Cockpit eine gewisse Sportlichkeit. Zu diesem Gefühl trägt auch die tiefe Sitzposition bei. So bekommt auch das Popometer mehr Informationen von der Straße. Seitenhalt und Sitzkomfort sind zudem ordentlich und bequem. So kann das Kurvenwetzen losgehen.

Insgesamt wurde hier zwar fast ausschließlich Hartplastik verbaut, eine gute Verarbeitung, unterschiedliche Oberflächen und das nette Design sorgen dennoch für Abwechslung. Eine Schwäche teilt der i20 jedoch mit seinem höheren Bruder Bayon. Das Infotainment kommt zwar strukturiert daher, ist für heutige Standards jedoch zu langsam.

Eine ausreichende Fülle an physischen Bedienelementen sorgt für direkten Funktionszugang. Eine Favoritentaste gewährt schnellen Zugang auf häufig gebrauchte Elemente im Infotainment. Dirigiert wird das Fahrzeug auf Pedalen in Alu-Optik.

Bilder von: Motor1.com Deutschland

Im Fond ist der Platz klassisch knapp bemessen - Kleinwagen halt. Wenn man nicht gerade in den Urlaub fährt, reicht das für Erwachsene bis 1,80 Meter mit Kompromissen in der Beinfreiheit aber absolut aus. Eine Familie mit Kind oder Hund fährt hier gut.

Der Kofferraum kommt mit 352 Liter Ladevolumen und kann auf bis zu 1.165 Liter erweitert werden. Die Rückbank ist im Verhältnis 60:40 teilbar, büßt also gegenüber neueren Vertretern mit 40:20:40-Konfiguration etwas an Variabilität ein. Ein Einlegeboden schafft ein zweites Fach, das für Utensilien (Ladungssicherung, etwas Öl oder Ähnliches) verwendet werden kann, die ständig mitfahren (müssen) - praktisch!

Abmessungen Hyundai i20 N Line (2025)
Länge x Breite x Höhe 4.065 x 1.775 x 1.450 mm
Radstand 2.580 mm
Kofferraumvolumen 352 - 1.165 Liter
Leergewicht 1.190 - 1.310 kg (nach Ausstattung)
Zulässiges Gesamtgewicht 1.640 kg
Max. Anhängelast 910 kg
Max. Stützlast 75 kg

Fahrbericht und Verbrauch

Der Hyundai i20 N Line kommt mit einem wundervoll ausbalancierten Fahrwerk, das nahezu neutral agiert. Die knackige Lenkung führt einen direkt an den Ort, den man anvisiert hat. Eine derart haptische Erfahrung zwischen Fahrendem und Straße gibt es selten unterhalb der potenten Hot Hatches. Und damit ist die komplette Verbindung aus Sitzposition, Fahrgefühl, Fahrwerksgeometrie und Lenkung gemeint.

Klar, "flink" ist's hier nur bis etwa 70 km/h, bevor der 1,0-Liter-Dreizylinder ins Schwitzen kommt und es zäh wird, aber für die meisten unserer kurvigen Landstraßen reicht das absolut aus. Zumindest, wenn Ihnen Ihr Führerschein lieb ist. Der i20 N Line ist durchaus sportlich knackig abgestimmt und könnte für einige im Alltag schon zu hart sein. Unebenheiten auf der Straße sind hier deutlich zu spüren. Das bedingt die oben beschriebene Verbindung.

Ein noch größerer Fall von "muss man wollen" ist das offen zur Schau getragene Doppelendrohr. Das blubbert nicht nur wahrnehmbar und angenehm tief, es unterstreicht auch die Ambitionen als Light-Ersatz für den i20 N. 

Bilder von: Motor1.com Deutschland

Da macht auch die Automatik keine Ausnahme. Im Sport-Modus schaltet sie beim Bremsen, das Blubbern fördernd, gemächlich Gang um Gang hinunter: Hmmbrubbbablubb - Hmmbrubbablubb. Sie können sich das Grinsen der Redakteurin jetzt gerne dazu vorstellen. Insgesamt schaltet das 7-Gang-DSG smooth durch, ist im Overdrive aber recht schläfrig.

Wer etwas "sportlicher" unterwegs sein will, dem sei das manuelle Schalten über die Wippen empfohlen. Damit wird das Schumi-Gefühl für den "kleinen Mann" komplett. Was Ihnen die Laune jedoch verderben könnte, ist der Spurhalte-Assistent. Schalten Sie ihn am besten aus, inklusive der Tempolimiterkennung. Ersterer reagiert Hyundai-üblich etwas aggressiv und übergriffig, auch in der Stadt und bei Nässe (ohne Seitenlinien). 

Im Verbrauch schlägt sich der Spaßfaktor durchaus nieder. Beim Stadt-Land-Autobahn-Mix kamen wir nicht annähernd auf die versprochenen 5,8 Liter auf 100 Kilometer. Wir benötigten glatte sieben Liter. Bei ökologischer Fahrweise lässt sich das sicher noch etwas nach unten schrauben: gerade auf dem Land oder bei gleichförmigen Autobahnfahrten. 

Doch scheint die Aussortierung dieses Aggregats nicht ganz ohne Grund geschehen zu sein. Denn auch der angesprochene hochbeinige Bruder Bayon ist nur noch in der 90-PS-Variante zu haben. Das Crossover zeigte sich bei selbigem 100-PS-Aggregat in unserem Test mit 6,4 Litern ebenso durstig. Alles über sechs Liter ist in dieser Klasse heutzutage kaum hinzunehmen, trotz sportlicher Ambitionen. Letzteres bezieht sich beim i20 N Line sowieso ausschließlich auf das abgestimmte Fahrwerk. 

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Preise und Konkurrenz

In der Liste stand der Hyundai i20 N Line als Schalter ab 25.800 Euro, die Siebengang-Doppelkupplungsautomatik ging zuletzt bei 27.600 Euro los. Das war schon recht viel für 'nen "N-Light". 2021 startete der N Line noch bei 22.390 Euro. Durch die Übernahme der Blackline, die im Konfigurator ab 25.450 Euro steht, könnten jedoch einige Schnäppchen beim Abverkauf auf Sie warten.

Wenn es hier in Richtung des ehemaligen Preises oder sogar drunter geht, schlagen Sie zu! Oder schauen Sie für einen vergleichbaren alltagstauglicheren und nicht hochgezüchteten Sportler bei Seat vorbei. Der Ibiza FR ab 25.750 Euro leistet mit seinen 95- und 116-PS-Varianten ähnlichen Fahrspaß. Auch hier könnte ein günstiges Vorfacelift aus dem Händlerbestand eine gute Alternative sein.

Fazit: 7/10 

Ein lahmes Infotainment und ein hoher Verbrauch zeugen nicht gerade von einer Kaufempfehlung... ABER... mehr Hyundai N-Gefühl bekommen Sie in naher Zukunft im Verbrenner-Sektor erst einmal nicht mehr. Für Menschen, die Alltagskomfort und Understatement lieben, ist der Hyundai i20 N Line die absolut falsche Wahl. Wohl auch deshalb wurde diese Version durch den zahmeren Blackline ersetzt.

Wer jedoch immer noch auf das gewisse Blubbern und ein wundervoll straffes Fahrwerk ohne übermäßigen Druck aus dem Motorraum steht und unbedingt einen Neuwagen besitzen will, sollte sich im Händlerabverkauf umschauen. Für alle anderen reicht der Gebrauchtwagenmarkt oder ein individueller Fahrwerksumbau. 

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Autor: Benja Hiller